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Das jüdische Blatt · 1913-12-26 · 52 (26.12.1913) · p. Seite 16

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
52 (26.12.1913)
Date
1913-12-26
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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12 Das jüdische Statt. Nr. 52 jetzt noch durchschnittlich in 50 000 Exemplaren im Jahre abgesetzt. Schlimmer steht es hingegen mit dem Verkaufe der Gesamtausgabe des Talmud. Von diesen wird sehrwenig verkauft. Die Drucker, welche auf Grund des früheren Maßstabes große Vorräte anlegten, sind jetzt gezwungen, diese Massenexemplare, deren Lagerung ihnen zu teuer kommt, zum Einstampfen zu verkaufen. Genau so geht es auch den Midrasch-Ausgaben. Hingegen werden Gebetbücher für die hohen Feiertage sehr gut verkauft. Merkwürdigerweise zeigt sich auch ein auffallender Rückgang in dem Verkaufe der Hagadah für Pesach. Vor fünf Jahren noch betrug der Jahresabschluß der Hagadah in Rußland 7000 Exemplare, heute werden jährlich bloß 2000 verkauft. Diese authentischen Mitteilungen werfen ein grelles Licht auf die religiösen Zustände in Rußland. -^- HedakjaH. Bilder aus der jüdischen Vergangenheit von Caroline Deutsch. .(Fortsetzung.) „Die Stadt war bezwungen und wir zogen ein, aber Schritt für Schritt mußten noch da deine Krieger den Boden erobern; es war ein Kampf des Wahnsinns und der Verzweiflung. Als wir das Tal Tyropoöon hinaufstürmten und die Nordgrenze erreichten, um über die Brücke, die dort stand, zu dem Moriah und in den Tempel zu gelangen, versperrte uns eine Schar Bogenschützen den Weg. Herr, viel Kämpfe hat dein Knecht mitgemacht, viel Siege auf deinem glänzenden Eroberungszuge errungen; denn fast grau wurde sein Haupt in deinem Dienste, aber noch nie sahen seine Augen solche Taten des Männermutes und der Todesverachtung. Klein war die Schar, und bleich und matt waren die Gesichter der Männer vor Hunger und Entbehrung, aber zwei Stunden wehrte sie sich und Hunderte unserer Krieger bedeckten den Boden. Endlich waren sie bezwungen; nur einer war geblieben: der Anführer. Er hatte sich fechtend jenseits der Brücke zurückgezogen und lehnte sich, aus Todeswunden blutend, an seinen Speer. Ich wollte, der Erste, hinüber und setzte meinen Fuß auf die Brücke, auf welcher so lange der Kampf gewütet, bis er sich nach dem Tale herunterzog. Zurück, die Brücke stürzt/ rief mein Feind von drüben. Und wirklich sank in jenem Augenblick das Gebälk vor meinen Augen zusammen. Es dauerte einige Zeit, bis die Notbrücke fertig war. Der Verwundete saß noch immer auf seinen Speer gelehnt. In Strömen floß sein Lebenssaft, und er verblutete sich fast. ,Jch bin dein Todfeind, warum hast du das getane fragte ich ihn. ,Wenn ich dich hätte im Kampfe erreichen können, dein Blut hätte mein Schwert röten müssen. Jetzt ist alles verloren und kein Menschenmord nützt mehr/ Darauf wurde er bewußtlos. Ich ließ den Arzt zu ihm; er wurde in unser Lager gebracht und erholte sich, und dies ist Fürst Gedaljah." Ohne ein Wort zu erwidern, bestätigte der König die Wahl Gedaljahs als Statthalter Mizpas, indem er seinen Namen aus ein Stück Pergament schrieb. „Noch eins," sagte Nebukadnezar. „Es lebt ein Mann unter dem Volke, Jirmejah, ein Prophet Gottes, den suche heraus und tue ihm nichts zuleide, sondern wie er zu dir reden wird, also tue ihm." Ein Krieger trat ein und sprach einige Zeit mit Nebusaradon. „Herr," sagte dieser darauf, sich zum König wendend. „Eine höchst seltsame Kunde. Zwei der gefangenen Frauen wären nicht zu trennen, und als man Gewalt anwenden wollte, habe die eine in Verzweiflung ausgerufen: nicht rohe Kriegerhände sollten ihre Herrin berühren; denn dieselbe sei aus königlichem Blute, fei eine Tochter des Königs Zidikajah." „Des judäifchen Königs?" rief der König erstaunt. „Wie ist das möglich?" „Er fiel mit seiner ganzen Familie und fast allen seinen Leuten in meine Hände." Nach kurzem Bedenken befahl er, die zwei Gefangenen vor ihn zu führen, und bald erschienen zwei verschleierte Frauen im königlichen Zelte. „Entschleiert Euch!" gebot er. Die eine tat es mit zitternden Händen, die andere, eine hohe edle Frauengestalt, mit ruhiger, sicherer Haltung. Unwillkürlich wendete sich Nebukadnezar an das hohe Weib, dessen Gesicht bleich und verkümmert, aber von königlichem Ausdrucke war. „Du hast Dich, eine königliche Tochter Zidikajahs genannt," sprach er zu ihr. „Ich nicht, meine Gespielin hat es getan." „Widersprichst Du ihren Worten?" „Nein, da es einmal geschehen." „Dein Vater floh mit seiner Familie aus der bedrängten Stadt, Rettung suchend bei den Amonitern, warum bliebst Du allein zurück?, oder bist Du nicht allein, hast Du noch Brüder, Schwestern?" „Ich bin allein." „Warum bliebst Du zurück?" Zippora senkte die Augen. „Ich wurde vergessen in der allgemeinen Aufregung . . . ," sprach sie nach langem Stillschweigen mit unsicherer Stimme. „Ist das die Wahrheit Königstochter?" „Nein," erwiderte eine andere Stimme, sie zitterte gewaltig diese Stimme und nur stockend und gebrochen kamen die Worte heraus und noch bleicher wurde das kleine, zarte Gesicht, als es das mächtige Auge des Herrschers traf, aber Dinah sprach doch weiter, „nein, nicht vergessen wurde meine Herrin, man wollte sie zwingen zur Flucht; sie aber wollte das Los ihres Volkes teilen und blieb zurück, den Tod der schmachvollen Rettung vorziehend." „Dein Vater und Deine Brüder fielen in meine Hände," wendete sich Nebukadnezar an die Fürstin. „Meine Chaldäer verfolgten sie und holten sie in der Ebene von Jericho ein, nur wenigen von seinen Kriegern gelang es, zu entkommen . . . Ahnst Du das Schicksal der Deinigen, Mädchen?" „Erbarme Dich und nenne es nicht, wenn es schrecklich ist," rief sie, fast mit einem Aufschrei schaudernd setzte sie hinzu: „es ist die Tochter und Schwester, die vor Dir steht." Der König wendete sich ab. Es war schrecklich, ja grauenhaft. Des Augenlichtes beraubt, war König Zidikajah allein nach Babylon in die Verbannung gezogen, alle seine Söhne und Verwandten, alle Räte, Fürsten und Priester, die mit ihm waren, waren gerichtet worden und lagen begraben in der Ebene von Riblah, so hatte die Flucht geendet, die die Untreue, Feigheit und der starrste Egoismus ersonnen; sie waren dem Verhängnis in die Arme geeilt, dem sie entfliehen wollten. Das Schweigen des Königs ließ die unglückliche Fürstin das Entsetzlichste ahnen; sie wäre umgesunken, wenn nicht der König rasch auf sie zugetreten und sie gestützt hätte. Er geleitete sie zu seinem eigenen Ruhesitze. „Herr, erbarme Dich," rief jetzt Dinah und stürzte zu seinen Füßen, „erquicke meine Herrin mit Speise und Trank,

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