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Das jüdische Blatt · 1913-12-26 · 52 (26.12.1913) · p. Seite 10

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
52 (26.12.1913)
Date
1913-12-26
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Der Jahresbericht der „Deutsch-Holländischen P a l ä st i n a - V e r w a l t u n g", der vor kurzem erschien, gibt ein erfreuliches Bild von dem reichen Segen, den die Arbeit im heiligen Lande stiftet. An II n t e r st ü ,z u n g s g e l d e r n für die Angehörigen der aus Deutschland und Holland stauunenden armen Familien wurden irn Berichtsjahre etwa fli 11000.— ausbezahlt. Jedoch wird ein erheblicher Teil dieser Summe zur geschäftlichen oder gewerblichen Förderung der Empfänger verwendet. Soweit die Berhältnisse der jüngeren Elemente es erfordern, werden diese Unterstützungen zum Ergreifen eines praktischen, Aussicht auf S e I b st ä n d i g k e i t bietenden Broterwerbs gemährt. Einzelnen Gelehrten, sowie erwerbsunfähigen Greisen, Witwen und Waisen wurden die Unterstützungen etwas erhöht. Leider konnte dies aber n i ch t i n a u s - reichendem Maße geschehen. Selbst heute gewährt diese Gesamtunterstützung noch lange nicht ei n w e n n a u ch n u r k n a p p e s E x i st e n z m i » i m u m. Durch den anhaltenden Krieg hat sich die wirtschaftliche Lage von Tag zu Tag verschlinnnert, und die Teuerungsverhältnisse haben ungeahnte Dimensionen angenommen. Die W ii r d i g k e i t und B e d ü r f t i g k e i t jede r einzelnen Fa m i I i e w u r d e d u r d) schriftIi ch e Enquete und N a ch p r ii f u n g a u f G r nndl a g e der eigenen Angaben gewissenhaft f e st g e st e l l t, und in jeden, einzelnen Falle v o » d e r Zentrale s e l b st die Höhe der II nt e r st ü tz u n g b e st i m m t. Auf dem Gebiete der Gesund h e i l s p f! e g e ver dient Hervorhebung die Anstellung eines A r m e n a r z t e s für die blutarme, von Krankheiten stark heinigesuchte jüdische Bevölkerung von T i b e r i a s. Der Arzt hält dreimal wöchentlich Poliklinik lind hat gegen Anlveisling des von uns eiilgefetzten Comites arme Kranke der jüdischen Bevölker»mg ohne Unterschied der Nationalität in ihren Wohnlmgen z>i beßichen. Wir eröffneten zligleich eine Apotheke, die armen Kranken die Arzneieil linentgeltlich unb Bemittelteren gegen eine festgesetzte minimale Gebühr ausfolgt. In S a f f e d hoffen wir demnächst in ähnlicher Weise für ärztliche Arnlenbesuche, Armenhebannnen und unentgelt liche Ausfolgung von Arzneien an arme Kranke, Sorge tragen zli können. Zlir Bekäinpfling der Cholera in Hais a haben wir dem dortigen Gemeindevorstand auf Berlaugen eine gelegentliche Unterstützung zukommen lassen. Zu dieseil Posten kommen noch weitere erhebliche Summen, die für A r m e n s p e i s u 11 g und ärztliche Hilfe aus den für Spezialzwecke zufließenden Beträgen in, 'Aufträge der Spender verwendet wurden. Hierher gehören auch die dlnch unser Putästinabllreau in I e r ll s a l e n, in dringenden Fällen gewährten Anweisungen für ärztliche Visiten und unentgeltliche B e r a b r e i ch u n g v o n A r z n e i e n. Für das nächste Jahr ist die Anstellung eines ständigen A r in e n a r z t e s und Eröffnung einer A p o t h e k e alich für I e r u s a l e m vorgesehen. Dank den Benüihungen des für diesen Zweck gebildeten Comites und Dank der Muni ficenz eines Zionfreundes sind die Mittel hierfür beschafft worden. Die von uns seit einigen Jahren im Rahmen unserer bescheidenen Mittel betriebene A r m e „speis u n g g l a u b - t e n mir in der ziveiten Hälfte des Berichtsjahres aufheben zu lönne». Der bekannte New-Porker Phiiantrop, Herr Nathan Straus und feine Frau Gemahlin, welche unsere Einrichtung wiederholt besichtigten, waren infolge dieser Besuche von der Notwendigkeit, eine solche Institution i n großem Stile zu schaffen so durchdrungen, daß sie sofort 150 000 Fcs. für diesen Zweck stifteten, um die tägliche Spei jung von 1000 Personen, zunächst für 5 Jahre, zu ermöglichen. Nach den uns vorliegenden zuverlässigen Berichten jedoch hat der Vorsitzende des Kuratoriums sich bemüht, diese Stiftung ihrer rirsprünglichen Bestimmung zu entziehen, und schon nach einigen Wochen wurde die für 1000 Personen berechnete A,menspeisung auf Dreihundert reduziert; nach sechs Monaten wurde mul) diesen 500 das Brot entzogen. Wir sahen uns daher genötigt, wenigstens für die Aermsten der Armen die periodischen Brot- und Mehl- Verteilungen aufrecht zu halten. Unser Palästinabu reau war in vielen Fällen auch genötigt, für unsere Rech nnng Speisekarten zur Speisung in einer anderen Anstalt auszufolgen. Auch in der städtischen „Ez-Ehajim"-Schule haben wir die tägliche Speisung von 40 Schülern mit Brot und lvormen Mittagessen fortgesetzt. Ebenso wird den bedürftigen Schülern unserer „Doresch Zio»"-Schule täglich Brot und ein ivarmes Essen verabreicht. Den Greisen und G,eisinnen des B e r einigt e n G reis e n h e i m s , welches sich noch immer in pekuniären Schwierigkeiten befindet, haben wir wiederholt durch Alisfoigung bezw. Bezahlung von Lebensmitteln in ihrer Notlage geholfen. Die Ausgaben für die erwähnten Zwecke setzen sich aus verschiedenen uns zur Verfügung gestellten Spenden zusam »ren. Wir sehe» uirs aber genötigt, unsere Freunde unb Ge sinnungsgenosse», sowie die verehrlichen Gaboim inständigst zu bitten, durch gütige Spenden für A r m e n s p e i s u n g 'und B r o t v e r t e i l u n g — die wir fortgesetzt erhalten müsse» — zur Linderung der unbeschreiblichen Armut und größten Not nach Möglichkeit beizutragen. Die kulturelle n Zwecke im engeren Sinne, insbesondere die Erziehung des Heranwachsenden Geschlechtes, fanden reiche Förderung.

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