Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 49 (5.12.1913)
- Date
- 1913-12-05
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49. Das jüdische Statt. 11 haben, da schon die Tatsache einer moralischen, echt jüdischen Begeisterung für diesen, das häusliche sabbatliche Familienleben kennzeichnenden Abend genügt, jeden Vorwurf von allein zurückzuweisen. Außerdem hat der Vorstand beschlossen, Vorträge, in größerer Zahl solche religiösen Inhalts halten zu lassen. Der Vorstand des Jüd. Iugendbundes. jDie obige Entgegnung, die wir wörtlich wiedergegeben haben, widerlegt unsere kurzen Ausstellungen nicht, im Gegenteil, sie bestätigt sie nur. Es könnte uns natürlich nur Befriedigung verursachen, die Versicherung entgegenzunehmen, daß der Israelitische Iugendbund dazu schreiten wird, Maßnahmen zur Thorabelehrung „auf besonders breiter Grundlage" zu treffen. Redaktion.j Briefkasten. Aus Buchsweiler an Mehrere. Die Nachricht, daß der „hiesige Rabbiner" sich um die hervorragende Rabbinerstelle in Posen beworben habe, ist glatt erfunden. -^--- Bücheröesprechung. Für und wider die jüdische Volksschule in Preußen von Realschuldirektor Dr. S. Adler in Frankfurt a. M. 2. T. Die jüdische Volksschule in Süd - d e u t s ch l a n d von Lehrer S. Dingfelder in München. Herausgegeben von dem Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche. (Kaufmann, Frankfurt a. M.) In klarer Sprache und in warmem Tone wird im ersten Teil dieser Schrift für die jüdische Volksschule eingetreten. Nach einer übersichtlichen Darstellung der geschichtlichen Entwicklung und der Verhältnisse der verschiedenen Schularten in Preußen, wird die Frage der jüdischen Volksschule vom religiösen, pädagogischen, politischen und utilaristischen Gesichtspunkte aus betrachtet. Die Beweisführung zugunsten der jüdischen Volksschule ist sympathisch und eindrücklich. Vom religiösen Gesichtspunkte wird die Nützlichkeit der Volksschule auch dadurch beleuchtet, daß diese während der Schulzeit die Sabbatruhe und den Besuch des Gottesdienstes erleichtert. Hier kommt nun der Pferdefuß. Der Verfasser will den Sabbat „festgehalten" wissen. Eine solche Behauptung ist doch für jeden religiösen Juden überflüssig. Ohne Sabbat kein Judentum. Wozu also die Versicherung, daß man den Sabbat „festhalten" will. Das kann doch nur Wert haben für Richtlinienanhänger. Und weiter —, warum wird am Sabbat „festgehalten? Etwa weil der Sabbat ein biblisches, ein göttliches Fundamentalgesetz ist? Davon wird nichts gesagt. Vielmehr wird gesagt: es muß am Sabbat „festgehalten" werden mit den Worten Hermann Cohens als an dem „sozialen Symbol des Judentums". Und der Hinweis auf die Richtlinien, die den Sabbat herabwürdigen, indem sie ihn heute nur für die häusliche Feier und den Besuch des Gottesdienstes als unerläßliche Forderung gelten lassen, dieser Hinweis darf auch nicht fehlen. Wir sind durch diese liberalen Anzüglichkeiten durchaus nicht überrascht, aber es befremdet uns, daß im Namen des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche der Sabbat auf diese Weise verteidigt werden soll. Im zweiten Teil wird die jüdische Schule in Süddeutschland behandelt in folgenden Abschnitten: 1. Geschichtliches (Bayern,. Württemberg, Baden, Elsaß-Lothringen). 2. Die christliche Schule. 3. Der christliche Charakter der Simultanschule. 4. Statistisches. 5. Finanzielle Vorteile für die Israeliten. 6. Simultanschule in Baden. 7. Gehalts- und Pensionsverhältnisse. 8. Politische Wertung. 9. Erfolge der Volksschule. Hedakjast. Bilder aus der jüdischen Vergangenheit von Caroline Deutsch. (Fortsetzung.) Durch das Geschrei wurden die Wachen munter, sie sahen den flammenden Himmel und die brennenden Wälle, sie hörten das Siegesgeschrei des Feindes, ein Alarmsignal ging durch das syrische Lager und von allen Seiten stürzten sie herbei bewaffnet und unbewaffnet. Ein Schrei der Entrüstung und der Wut ertönte; dann begann die Verfolgung. Jochanan hatte unterdessen seine Vorbereitungen getroffen. Er teilte die Schar in mehrere Abteilungen und wies ihnen verschiedene Richtungen an. Er, mit seinen Leuten stellte sich in Schlachtordnung und erwartete den heranstürmenden Feind, und als er ihm auf kurzer Entfernung nahe gekommen, wendete er sich mit bewundernswürdiger Schnelle und Sicherheit und ließ einen großen Zwischenraum zwischen sich und ihnen. Jetzt ertönte der hebräische Schlachtenruf auf einer andern Seite, kriegerische Gestalten wurden sichtbar und lockten den Feind. So verschwanden sie und tauchten wieder auf mit Schwertklirren, Geschrei und Getöse bald da bald dort, wie trügerische Irrlichter, und die Feinde von Rachgier geleitet, von Wut und Zorn geblendet, folgten nach, Schar auf Schar, über Gräben und Abhänge, über Talschluchten und ebnen Boden, und so zog sich die seltsame nächtliche Jagd in der Richtung der Straße von Jaffa hin bis der Punkt erreicht, der zum Kampfe bestimmt war. Als die Syrier den ermüdeten und gehetzten Feind endlich still stehen sahen und ihn in Kampfordnung erwarteten, erhoben sie ein wildes Triumphgeschrei, sie glaubten, sie hätten ihm alle Wege zur weiteren Flucht abgeschnitten; doch es verstummte bald. Wie auf einen Zauberschlag flammten plötzlich Hunderte und abermals Hunderte von Glutaugen auf, vor und neben ihnen, wie eine feuersprühende Kette. Die Pechfackeln waren ayf der Mauer entzündet worden und erhellten dieselben im weiten Kreise. Zu gleicher Zeit wurde der Schein, der im Westen aufging, wo sich der Himmel über das syrische Lager spannte, immer flammender und gewaltiger und verbreitete im Vereine mit der Mauerbeleuchtung eine Tageshelle. Jetzt erkannten die Belagerer die ganze Tragweite des Vorganges, aber sie kehrten nicht um. Ein Schrei der Entrüstung, des Grimmes von seiten der Syrier, einer der Begeisterung und des Todesmutes von seiten der Belagerten und jetzt begann ein Kampf großartig, grauenerregend zugleich, großartig durch die mächtige, gespenstische, schaurig schöne Beleuchtung und Umgebung, grauenerregend in der Ausführung. Während sich Jochanan mit seinen dem Tode geweihten Männern in die Reihe der heranstürmenden Feinde stürzte, stürzten die Felsblöcke von der Mauer und begruben in zerschmetterndem Falle Menschenleben um Menschenleben, Steine und Pfeile rollten wie Hagelschauer in die reiche, volle Menschensaat, Pechfackeln flogen hinunter, heißes Oel und Fett und vernichteten im grausamen Tode Freund und Feind. So tobte und wütete der Kampf stundenlang: doch die Syrier ergriffen nicht die Flucht, fest standen sie, immer neue Scharen folgten aus Scharen, es schien, als drängte sich das ganze syrische Lager aus diesem einen Punkte zusammen, als wollte sie mit einem Schlage den zähen Feind vernichten. Die Zahl der Dreihundert waren längst in der allgemeinen Masse verschwunden, aber auch die Zahl der Belagerten verminderte sich nach und nach, das Pfeil- und