Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 48 (28.11.1913)
- Date
- 1913-11-28
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Raum würde nicht reichen, wollte man all die guten Werke aufzählen, welche dieses edle Menschenherz vollsührte. Herr Joseph Neuburger S war nicht nur Vorstandsmitglied der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Kassier der israelitischen Waisenanstalt, Schriftführer der israelitischen Realschule, sondern wo es galt, Zedoke und Gemilaus Chesed auszuüben, sei es in jüdischen Wohltätigkeitsanstalten, sei es bei Unterstützungen der Armen gewesen, immer wieder hat man den Namen Joseph Neuburger an der Spitze gefunden. Um so empfindlicher und schmerzlicher ist für die hiesige Gemeinde mit ihren vielen Wohltätigkeitsanstalten der Verlust dieses seltenen Mannes, welcher im „Geben" keine Grenze kannte. Wir betrauern daher mit der Familie den Tod dieses edlen Menschen, dem jeder Stolz und Eigendünkel fern war, der für jedermann, welcher bei ihm Hilfe suchte und solche auch fand, stets Worte des Balsams hatte. Das am 20. d. M. stattgefundene Begräbnis gab Zeugnis von der Hochschätzung des edlen Verblichenen; wahrlich, ein Fürst der Wohltätigkeit und Gottesfurcht in Israel ist begraben worden. Die Trauerhalle konnte die vielen Frende des Verstorbenen und die vielen Armen, deren Glückstern er war und welche ihm alle die letzte Ehre geben wollten, nicht fassen. Die Trauerrede des Herrn Rabbiner Dr. Neubürger als Vertreter der Kultusgemeinde, des Herrn Direktor Dr. Deutsch als Vertreter der israelitischen Waisenanstalt und des Herrn Direktor Dr. Feilchenfeld als Vertreter der israelitischen Realschule, welche im Namen der betreffenden Verwaltungen gehalten wurden, waren vom Herzen gehend, tiefergreifend, und gaben beredtes Zeugnis von dem so fruchtbaren Wirken dieses für uns zu früh geendeten Lebens. Möge nun Herr Joseph Neuburger im Himmel den Lohn erhalten für all das Gute, was er auf Erden geschaffen hat; denn Maaßim taufim sind die besten Begleiter ins ewige Leben. Möge aber auch der Allgütige den Hinterbliebenen des Unvergeßlichen Trost spenden. I. L. W. Fürth. Herr L e v y E h r m a n n, der am 14. d. M. vom Leben geschieden ist, hat infolge seines rechtlichen Charakters, trotzdem er Jude war, viele Jahre in hiesiger Stadt Vorsitzender im städtischen Kollegium, Vorstandsmitglied im Handelsgremium sowie Handelsrichter und hat sich durch seine Tätigkeit große Verdienste erworben. Würzburg. König Ludwig t 11. hat auf die am Huldigungstage von Herrn Distriktsrabbiner Dr. B a m b e r g e r an Seine Majestät gerichtete Depesche geantwortet: „Besten Dank für den Treugruß und die Glückwünsche. L u d w i g." Preußen. Berlin. Kaiser Wilhelm hat die Witwe des verstorbenen Geheimen Kommerzienrats Goldberger mit seinem Besuche beehrt. Bei dem Besuche sprach er sich sehr lobend über das Wirken des Verstorbenen aus und beklagte es in seiner Person, frühzeitig einen guten Freund verloren zu haben. Es ist tatsächlich sehr selten, daß der Kaiser selbst Personen in hohen Stellungen in ihrer Privatwohnung besucht. Der Besuch ist daher ein Zeugnis der edlen Gesinnung des Kaisers und feiner hohen Wertschätzung des Verstorbenen. Königsberg. Unter Leitung des Herrn Waisenhausdirektors P e r i tz - Königsberg ist eine „Gemeinnützige Auskunftsstelle für Versicherungsangelegenheiten jüdischer Gemeindebeamten" eingerichtet worden, welche bereit ist, jüdischen Gemeinden, Beamten und Kassen in Angelegenheit der Beamtenversicherung unentgeltlich sachverständige Auskunft zu erteilen. Ihre Mitarbeit haben die Herren Justizrat Hirschberg-Breslau und Versicherungsmathematiker Dr. Kupferberg-Berlin-Wilmersdorf zugesagt. Den Anfragen sind 50 Pfennige für Portoauslagen beizufügen. Kaden. Mannheim. Von einem überaus schweren Schicksalsschlage wurde das Mitglied unserer Clausgemeinde, Herr Hermann Rothschild, letzter Tage betroffen. Seine 39 jährige Gattin, die unter der Firma Rothschild-Kahn ein erstes Schneidergeschäft betreibt, stach sich im Berufe mit einer Nadel, achtete diese kleine Wunde nicht, arbeitete weiter, bis sich Zeichen von Blutvergiftung einstellten, die innerhalb einer Woche die blühende Frau hinwegraffte, mitten aus der Familie, weg vom Manne, weg von den zwei unmündigen Kindern, bejammert von der alten Mutter und den Geschwistern. Möge die gottesfürchtige Familie Trost finden im Gottesworte: Was Gott tut, ist wohlgetan. — Der Festsaal der August-Lamey-Loge wies dieser Tage eine selten große Zuhörerschaft auf: Herr Nahum Goldmann aus Frankfurt, zurzeit Hörer der Jurisprudenz an der Universität Heidelberg, sprach über das Leben im neuen Palästina. Wohl selten auch hat man einen solch glänzenden Redner im jugendlichen Alter gehört, der ohne jedes Manuskript VA Stunden über seine eigene Anwesenheit und die in diesen 6 Monaten in Palästina gesammelten Eindrücke und Anschauungen sprach. Aber nicht nur über das Schöne rmlßte er zu berichten, sondern er deckte auch schonungslos die vorhandenen Mängel auf. Recht scharf ging er auch mit dem Beschluß ins Gericht, daß der Hilfsverein der deutschen Juden im Technikum in Haifa nicht die hebräische, sondern die deutsche als Unterrichtssprache beschlossen; alles sei hebräisch, vom Kindergarten an bis zum Gymnasium und nun dieses mit den Verhältnissen gar nicht rechnende Vorhaben. Der Vortrag war von der zionistischen Ortsgruppe arrangiert. Sehr rührig ist auch der Jüdische Jugendbund, sowohl die Herrenals auch die Damengruppen halten wöchentlich ein bis zwei Mitgliederveranstaltungen ab, darunter Freitag-Abende. — Demnächst tritt hier auch eine jüdische Wandervogel-Gruppe „Blau-Weiß" ins Leben. Mit den Vorarbeiten find zurzeit die Herren Rechtsanwalt Dr. Otto Simon und die Herren Eugen und Fritz Seelig beschäftigt. Mosbach. Herr Bezirksrabbiner Dr. L ö w e n st e i n feiert am Sonntag den 8. Kislew (7. Dezember) seinen siebzigsten Geburtstag. Sachsen. Der Orientalist A u g u st Wünsche ist am 16. November in Dresden gestorben. Professor Dr. Wünsche ist 75 Jahre alt geworden. Er war seit 1869 als Oberlehrer an der höheren Mädchenschule in Dresden tätig, lebte aber schon seit 1906 im Ruhestand. Die Mehrzahl seiner Werke enthält Arbeiten aus dem Gebiets des hebräischen Schrifttums. W. war Gründer und lange Jahre hindurch auch Leiter der Gesellschaft für Literatur und Kunst. Seine Hauptwerke sind die Ausgaben des Midrasch und der haggadischen Bestandteile des babylonischen, wie des jerufalemischen Talmuds in ansprechenden Uebersetzungen. Zusammen mit Rabbiner Dr. Winter gab er die „Geschichte der Jüdischen Literatur" heraus, die als eine der besten Anthologien