Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 47 (21.11.1913)
- Date
- 1913-11-21
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47. Das jüdische Statt y die Dauer ihrer Beschäftigung einzutragen sind. Die Verzeichn sse sind aus Erfordern d?r Ortspolizeibehörde jederzeit zur Einsicht vorzulegen. Fräulein Professor. Tausende von unbemittelbm Patienten kennen Dr. Rahe! H i r s ch, die jetzt, wie mitgeteilt, als erster weiblicher Arzt in Deutschland, den Professortitel erhalten hat. Professor Dr. Rahel Hirsch ist eine Enkelin des verstorbenen bekannten Frankfurter Rabbiners S. R. H i r s ch. Als Assistentin des Gehcimrats Kraus leitet sie seit 5 Jahren die ganze Poliklinik - Männer- und Franenabteilung der zweiten medizinischen Universitätsklinik an der Berliner Charite. Auch unter den Anhängerinnen der Frauenbewegung ist noch die Meinung verbreitet, daß die Frau als Arzt eigentlich bloß Frauenarzt sein solle. Das ist ein Borurteil, die Erfahrung widerlegt es beständig. Der erste Professortitel, der einem Fräulein Dr. med. verliehen worden ist, sollte es endgültig beseitigen. Natürlich gilt dieser Titel nicht allein und nicht einmal in erster Linie der praktischen Aerzlin, die sich im schweren Spitaldienst bewährt hat. Tie Professur belohnt wissenschaftliche Leistungen. Fräulein Professor .Hirsch hat über Fieber und Wärmelehre gearbeitet, und neben d'efen theoretischen Arbeiten stehen wertvolle Untersuchungen über Drüsen mit innerer Sekretion, also über Erkrankungen der Schilddrüse, der Nebennieren usw. Die Basedowsche Krankheit und die Diabetes fallen ebenfalls in das Forschungsgebiet des Fräuleins Professor. Vom Jüdischen Polytechnikum in Haifa (Palästina). Berlin. Zu dem Bericht über die Sitzung des Kuratoriums des Jüdischen Instituts für technische Erziehung in Palästina, die in Berlin, wie in Nr. 45 berichtet wurde, stattfand, ist noch nachzuträgen, daß die zionistischen Mitglieder des Kuratoriums, die Herren Ginsberg, Levin und T s ch l e n o w, demissionierten, weil die hebräische Sprache nicht zur Unterrichtssprache des Instituts erklärt wurde. Das Kuratorium dieses Instituts teilt uns unterm 17. November folgendes mit: „Qnn Bericht über die letzte Sitzung des Kuratoriums des Jüdischen Instituts für technische Erziehung in Palästina muß in der vergangenen Woche bereits nach Jerusalem gelangt sein. Auf Grund dieses Berichtes hat das Kuratorium nachstehendes Telegramm aus Jerusalem vonr 11. November erhalten: Das Großrabbinat von Palästina übermittelt den Führern, die so Hervorragendes wirken zum Wähle der jüdischen Bevölkerung im heiligen Lande, insbesondere für die Errichtung des Technikums in Haifa aufrichtigsten Dank. Wir sind überzeugt, daß die neue Gründung dem Lande zum Segen und dem Judentum zur Ehre gereichen wird, da die Anstalt nach Ihren so bewährten Grundsätzen geleitet sein wird. Möge der Geist wahrer jüdischer Religiosität darin wohnen, wie dies auch Ihr Wunsch ist. Möge die Gnade Gottes Ihre Arbeit begleiten. Mosche Franco Chacham Baschi." Posen. Die Vorbereitung zur Rekrutenvereidigung, die bisher durch Rabbiner Dr. Feilchenfeld vorgenommen wurde, und zwar ursprünglich in dessen Wohnung, in den letzten Jahren in der Gemeindesynagoge, soll nunmehr abwechselnd in dieser und dem Orgeltempel der „Brüdergemeinde" stattfinden. Hiermit wurde dieses Jahr bereits begonnen. Wir gehen wohl nicht fehl in der Annahme, daß die Anregung hierzu von seiten des Gemeindevorstandes gegeben wurde, der damit offiziell die Gleichberechtigung beider „Richtungen" dokumentiert. - - Daß es für orthodoxe Rekruten ein Gewissenszwang ist, braucht dem höheren Interesse, , der Anerkennung jenes Prinzips, gegenüber nicht beachtet zu j werden. Es wäre Sache der „Freien Bereinigung", zur Bermeii düng solchen Gewissenszwanges den Dispens orthodoxer Soldaten vom Besuche der Orgelsynagogen beim Ministerium zu erwirken. jehudi. Saarbrücken. Vergangene Woche starb in einem Sanatorium in Frankfurt, wo er kurze Zeit geweilt, der in weiten Kreisen bekannte Viehhändler Moses Marx. 61 Jahre alt ist er geworden, sein langes und schweres Leiden hat er mit Geduld getragen. Hervorragend war fein Wohltätigkeitssinn, und viele beklagen seinen Heimgang, denn er war ihnen oft Stab und Stütze, aber im Stillen, nicht öffentlich übte er seine guten Werke. Lehrer Lißner rief dem Toten Morte des Tankes und der Anerkennung nach. Schwcir. Bafel. Vergangenen Freitag abend fand der erste Teeabend in diesem Wintersemester statt. Wie alljährlich sind auch diesmal eine stattliche Anzahl Besucher erschienen. Herr Hermann Eohn hielt die Begrüßungsansprache, in welcher er ausführte, daß diese Abende in erster Linie für diejenigen jungen Leute bestimmt seien, welche sich hier fremd fühlen und eines religiösjüdischen Familienanschlusses entbehren. Ter Abend fei aber auch für jene bestimmt, die einen solchen Anschluß haben, der aber nicht den ganzen langen Winterabend ausfüllen kann. Diese alle sollen hier in gemütlicher Weise ihre Zeit verbringen und von dem schädlicheir Kaffeehausbesuch und von den oberflächlichen Beranügungsanstalten, die nur den Geist verflachen, fern gehalten werden. Mit lebhaftem Beifall wurden die treffenden Ausführungen des Redners, die mit feinsinnigen Anspielungen an den Wochenabschnitt geschmückt waren, ausgenommen. Hierauf wurde von Herrn Jizchok Sterenbuch die Sidra erklärt, woran sich eine interessante Diskussion anschloß, welche hauptsächlich von den Herren Isidor Rueff, Pencharek und Müller benutzt wurde. Mit schönen Semiroth-Gesängen schloß der gemütlich verlaufene Abend. Zürich. Die Führer der Agudabewegung in der Schweiz sind am 16. ds. in Zürich zusammengetreten, um über Vorbereitung zur Gründung einer Landesorganisation zu beraten. Nach einem ausführlichen Bericht, über den Stand der Aguda, von Herrn Rabb. Dr. Cahn-Basel wurde beschlossen, von jeder Ortsgruppe je zwei Delegierte in die Landesorganisation zu bestellen und von diesen Delegierten einen Vorstand zu wählen, der die Gesamtarbrit organisieren und kontrollieren soll. --- Letzten Sonntag hielt Herr Dr. S ch ü l e r, St. Ludwig, im gelben Saal des Volkshauses einen Bortrag über die „hebräische Sprache". Redner schilderte in kurzer gediegener Form die Anfänge derselben und deren Entwicklung und Ausbreitung bis auf den heutigen Tag. Der Vortrag, der vom hiesigen „Jüd. Literarischen Berein" ausaing, erfreute sich eines sehr zahlreichen Besuches. .- Geschäftliche Mitteilungen. Der Andrang zu den Märchen erzähl un gen im Kaufhaus Louvre, Straßburg i. Elf., die am Donnerstag begonnen haben und von lieblichen Weisen der Künstlerkapelle eingeleitet wurden, war, was ja arlch vorauszusehen war, überaus groß. Die Vortragende, Frau Srissi Mayer, früheres langjähriges und beliebtes Mitglied des Elfäffischen Theaters, verfügt über ein vorzügliches Rezitationstalent und versteht es, drirch die ausdrucksvolle und anschauliche Art ihres Vortragens (es werden zum Teile auch Märchen in elsässischem Dialekte erzählt) das Interesse aller Kinder zri fesseln. Zur Erzählung gelangt nur erstklassige Literatur von gutem erzieherischem und den Geist des Kindes förderndem Werte, vor-