Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 45 (7.11.1913)
- Date
- 1913-11-07
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Das jüdische Klatt. Nr. 45. lichen Leidens für einen jungen religiösen jüdischen Arzt Gelegenheit geboten, sich dort niederzulassen, da anch Aussicht besteht, daß von den dortigen vier Aerzten ein älterer Kollege bald seine Praxis anfgibt. Zu bemerken ist, daß in früheren Jahren bereits zwei jüdische Aerzte dort ansässig waren und gute Praxis hatten. prenßcn. Frankfurt a. M.» 3. Noo. In der gestrigen P l e n a r o e r s a m m l n n g d e s „P r o v. Komitees der A g n d a s Jisroel" wurde eingehend über den Stand und die Aussichten der Propaganda in den einzelnen Ländern, insbesondere in Palästina, Deutschland, Rußland, Galizien, England und Anierika berichtet. Die an diesen Bericht sich knüpfende gründliche Aussprache führte zu dem Beschlüsse, die erste aus Delegiertenwahlen hervorgehende Hauptversammlung der „Agudas Jisroel" (Kenessio Gedaulo) auf den Sommer 1914 einzuberufen. Die Vorbereitungen für die „Kenessio Gedaulo" sollen unverzüglich beginnen. Der Entwurf der „Agudas Jisroel"-Satzung ist den Mitgliedern des „Rabbinischen Rates" zunächst zur schriftlichen Begutachtung übersandt worden. Nach Eingang der zum Teil noch ausstehenden Aeußerungen soll die Einberufung einer Plenarversammlung des „Rabbinischen Rates" spätestens für die Zeit zwischen und beantragt und ein Gesamtvotum des Rates herbeigeführt werden. Der Satzungsentwurf wird alsdann der Oeffentlichkeit übergeben werden. Zur Entlastung des „provisorischen Komitees" von den Arbeiten für die innere deutsche Organisation wurde die Einberufung eines deutschen Delügiertentages auf den 7. Dezember er. nach Halberstadt beschlossen, um einen deutschen Gruppenverband zu konstituieren. Der Frankfurter Iugendgruppe der „Agudas Jisroel" wurde der erforderliche Kredit zur Veranstaltung eines allgemeinen Jugendtages der „Agudas Jisroel" bewilligt, der in der Chanukkawoche (vom 25.—28. Dezember) in Frankfurt stattfinden und den systematischen Ausbau der Jugendorganisation fördern soll. Genehmigt wurde die Anstellung eines Generalsekretärs für die galizische Propaganda und die Geschäftsführung des galizischen Gruppenverbandes und ferner die Bildung von Gruppenverbänden (Landesorganisationen) der „Agudas Jisroel" in Palästina und in der Schweiz. Aufgabe der Gruppenverbände (Landesorganisationen) ist die Propaganda, sowie die dauernde Anregung der Ortsgruppentätigkeit in ihren Gebieten, endlich die Vorberatung und Ausführung der praktischen Unternehmungen der Aguda im Bereiche des Gruppenverbandes. Im Interesse der amerikanischen Propaganda wurde die Entsendung einer Delegation des provisorischen Komitees nach Rew- Pork beschlossen, wo die Vorbereitungen für eine ersprießliche Tätigkeit von den Freunden der „Agudas Jisroel" bereits getroffen sind. Die Delegation besteht aus den Herren Dr. Meier Hildesheimer-Berlin und dem als Talmid-Chochom und als glänzender Jargonredner rühmlichst bekannten Rabbiner Wolkin aus Amzislaw. Zur Beratung gelangten weiter eine Reihe von Subventions¬ und finanziellen Angelegenheiten. Auf Grund dringender Anregungen aus russischen Agudakreisen wird in Aussicht genommen, die Tätigkeit des bereits früher beschlossenen, dem Andenken des verewigten Vorsitzenden der „Agudas Jisroel" gewidmeten „Louis Feist-Fonds" nicht nur der Errichtung von Arbeiterhäusern, sondern darüber hinaus nach Maßgabe der Mittel auch weitergehenden kolonisatorischen Unternehmungen zu widmen. Das Komitee hofft, daß der Fonds bis zum Jahreszeittage des Heimgegangenen in der Lage sein wird, in einer seines Namens würdigen Form in Wirksamkeit zu treten. Frankfurt. Zu einer machtvollen Kundgebung der gesetzestreuen Jugend Frankfurts gestaltete sich die von der Frankfurter Jugendgruppe der Agudas Jisroel einberufene Versammlung, in der als erster Referent Herr Rabbiner Dr. Cohn-Basel (Mitglied des Provisorischen Komitees der Agudas Jisroel) über die Notwendigkeit der Agudas Jisroel sprach. Nach einer weiteren Ansprache von Herrn Professor Adolf Weyl ergriff der Präsident des Provisorischen Komitees der Agudas Jisroel, Herr Jakob Rosenhsim, das Wort und gab in begeisterten Worten ein Bild von der Entwicklung der Organisation. Unter stürmischem, nicht cndenwollendem Beifall, verkündete er die wichtigsten Beschlüsse der gestrigen, in Frankfurt stattgesundenen Komiteesitzung: Die Einberufung einer großen Jugendkonferenz nach Frankfurt, die Entsendung einer aus Mitgliedern des provisorischen Komitees bestehenden Delegation nach Amerika und schließlich unter brausenden Hochrufen, daß der erste Kongreß der Agudas Jisroel für den Sommer 1914 einberufen werde. Als letzter Redner sprach der Vorsitzende der Frankfurter Ortsgruppe Herr Direktor Dr. Lange und forderte die jungen Freunde der Agudas Jisroel auf, sich innerhalb der Jugendgruppen für die großen Aufgaben der Agudas Jisroel heranzubilden. Hamburg. Der Verband der deutschen Juden wird seine fünfte Hauptversammlung am 5. November in Hamburg abhalten. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Vortrag des Rechtsanwalts Dr. Haas- Karlsruhe über die Juden im öffentlichen Leben Deutschlands. Kaden. Karlsruhe. Hier starb vergangenen Samstag Herr Dr. Gerson Hanauer, Professor am Goethegymnasium. Herr Prof. Hanauer, der einer angesehenen Lehrersfamilie aus Mosbach enk^ stammte, war erst 39 Jahre alt. Frankreich. Gelegentlich des Ritualmordprozesses in Kiew hat der Bischof Duchesne, Mitglied der französischen Akademie und der Akademie des Jnscriptions et Belles-Lettres, Direktor der französischen Schule in Rom, eine diesbezügliche Anfrage folgendermaßen beantwortet: P a r i s, 12. Oktober 1913. Mein lieber Kollege! Anläßlich des Kiewer Prozesses bitten Sie mich, Ihnen zu sagen, wie ich über den Ritualmord der Juden denke. Sie wissen sehr wohl, wie ich darüber denke, denn ich habe es bereits mehrere Male gesagt, und der Herr Abbe Vacandard hat es in seinem ausgezeichneten Buch über diesen Gegenstand wiederholt. Gleich den Päpsten und Bischöfen, die Gelegenheit hatten, sich über die Ritualmordsrage auszulassen, bin ich der Ansicht, daß es sich um ein abgeschmacktes Märchen handelt, ähnlich gewissen Verleumdungen, die ehemals über die Christenversammlungen in Umlauf gesetzt waren, und die ebenfalls gänzlich jeder Grundlage entbehren. So absurd solche Lügen sein mögen, ist es doch nicht immer klug, sie unbeachtet zu lassen. Bis zum Ende aller Tage wird es Einfältige geben, die behaupten, die Kirche habe in einem Konzil festgestellt, daß die Frauen keine Seele haben. Diese Dummheit ist indessen ohne große Folgen geblieben, man hat nicht wahrgenommen, daß sie die Beziehungen der Frauen zur Kirche gestört hätte. Anders die Ritualmordlegende. An ihr kann man sterben! Diese Geschichten von abgeschlachteten Kin-