Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Blatt · 1913-10-15 · 42/43 (15.10.1913) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
42/43 (15.10.1913)
Date
1913-10-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9052070-9096771-9052766--0700-9052767
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

IRefcb und Ausland: Lettungsprelsltlte. Kapern: Leitungsnummer 546. Gcschäftsftelle: - M. DuMont Schauberg, Stratzburg i. Els. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichingcr. Kvnigl. Hofbuchvändler. Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle: außerdem in Stratzburg durch die Elsässische Aktiengesellschaft vorm. A. Amincl. In Basel durch I. Nordmann. Soeinstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. -'..-. ■ ■■ -^ Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. I» der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Lesterreich per Post 4 Kr., per Streiiband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. - Inserate nach Tarif.- Abonnements nimmt jede Doltanttalt entgegen. IV. Aabrgang. Ansbach-Stratzburg. 15. Oktober 1913, 14. Uifcbri 5674. Dr. 42/43 Inhalt. Leitartikel: Zum Laubhüttenfeste. — Der Kiewer Ritualmordprozeß. — Die Volksschulfrage und der Deutsch-Isr. Gemeindebund. - Brief vom Lande. — Aus aller Welt. — Kiwer-Ovaus. — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrichten. — Rätsel-Ecke. — Briefkasten. — Lustige Ecke. — Vermischtes. — Die Krone des Propheten. — Der Traumdeuter. — Gedaljah. — Wochenabreißkalender. — Inserate. UW" Wegen des Heftes erscheint die Nr. 42|43 als Dsppelnnmrner (24 weiten stark). Die nächste Nummer erscheint am 31. Gktovrr. Amn Lauöhütlenfeste. Auf die Tage des Ernstes und der Weihe, der Selbstprüfung und der Rückkehr folgt die Zeit der Freuds vor Gott, das liebliche Laubhüttenfest. Wie offenbart sich hierdurch so charakteristisch die jüdische Lebensanschauung! Zuerst die Zeit der Entsagung und der Sühne, dann das Fest der Freude. Nur der Sündenreine kann in Wirklichkeit heitere Gemütsstimmung empfinden, nur unter dem Strahle des göttlichen, Wohlgefallens kann uns Freude am Dasein mit den von Gottes Allgüte gewährten Gütern erblühen; nachdem der läuternde Ernst des Versöhnungstages Vergebung und Reinheit erwirkt, kann und soll lebensfrohe Heiterkeit in Herz und Gemüt einkehren. Denn das Judentum ist weit entfernt, dem heiteren Lebensgenuß hindernd in den Weg zu treten; es weist seine Bekenner wiederholt auf irdisches Glück und Wohlergehen hin, die bei Beobachtung der göttlichen Vorschriften zu erreichen sind; es will aber den sinnlichen Genuß adeln und heiligen und vor Geist und Körper schädigenden Ausschreitungen bewahren. Ja, es lehrt, daß die aufrichtige, religiöse Heiterkeit nicht minder Gottesdienst ist, als der fromme Ernst. .„Deine Freude an Sabbaten und Festtagen, wenn sie aus gotterfülltem Innern kommt, ist ebenso gottgefällig, als deine Zerknirschung in den Tagen der Buße." (Cusari, Dialog I I, 50.) Aber nur das Laubhüttenfest kann ein wahres Freudenfest sein, weil es so wirkungsvoll das zuversichtliche Vertrauen auf Gott und das Walten seiner gnadenreichen Vorsehnng veranschaulicht. „Mit ihm freut sich unser Herz, weil wir auf seinen hl. Namen vertrauen." (Ps. 33.) Denn der Aufenthalt unter dem Laubdache führt die Erinnerung zurück in die Jugendzeit unseres Volkes, in welcher unsere Ahnen dem Rufe Gottes in hingebungsvollem Vertrauen gefolgt, waren in die unwirtliche Wüste, in die rauhe Wildnis; in vierzigjähriger Wanderung durch die Schrecknisse der Einöde lernten sie in gläubiger Zuversicht aufzublicken zu dem Ggtte ihres Lebens, der sie in wunderbarer Wolkenhülle deckte gegen alle Not und Gefahr; zum frischen labenden Quell ließ er ihnen den dürren Felsen werden und aus den Wolken spendete Er ihnen das Brot der Nahrung. Und diese göttliche Wunderkraft hat sich auch in späteren Jahrhunderten an unseren Vätern bewährt, als ihnen das Dasein gar oft zur rauhen, gefahrvollen „Wüste" geworden, als die Macht erbitterter Feinde den Vernichtungskampf gegen sie führte. Da war es wieder die göttliche Wolkensäule, die ihnen voranzog, das Manna seiner Gnade, das sie labte und die göttliche Hilfe, die sie hoch emportrug über jeden Abgrund, der sie zu verschlingen drohte. Und diese Lehre aus unserer wunderbaren Vergangenheit im Leben der Gegenwart zu beherzigen, dazu soll das Wohnen in dem gottgeheiligten Raum der Festhütte uns anleiten. Wir verlassen beim Herannahen der rauhen Jahreszeit unsere festen Wohnungen und ziehen in die leichtgezimmerte Festhütte, um zu bekunden, daß wir uns im Laubzelte eben so sicher glauben, als in der festen Wohnung unter den Fittigen der göttlichen Fürsorge, des göttlichen Schutzes, der dem Aermsten eben so sicher ist, wie ihn der Reichste nie entbehren kann. In festerem Vertrauen blicken wir durch die Wölbung der Laubdecke auf zum ewigen Vater, von dessen Allwaltung wir zu jeder Zeit abhängig sind; in Fülle und Wohlstand werden wir uns in dünkelhaftem Stolz nicht überheben und in Armut und Dürftigkeit unter der Wucht der Sorgen nicht verzweifeln. Aber nicht bekümmert und sorgenvoll sollen wir in der Festhütte wohnen, die das Gottvertrauen erbaut und die die Gottesliebe deckt — zu Frohsinn und Heiterkeit sind wir darin berufen, mit unserer Familie und vor dem Angesichte Gottes uns zu freuen der Segnungen, die der Schoß der Erde das Jahr hindurch in reicher Fülle gespendet, an welche die vier Pflanzenarten hJDIN so gedankenvoll erinnern. Und in diese Festesfreude sollen auch diejenigen mit eingeschlossen werden, welchen das Jahr keinen reichen Erntesegen gebracht hat: „Freue dich an diesem Feste mit den Deinigen, gedenke aber auch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.