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Das jüdische Blatt · 1913-10-10 · 41 (10.10.1913) · p. Seite 11

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
41 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 41. Das jüdische Klatt. 11 gebracht. Genug, der Plan zur Flucht wurde gefaßt, um dem entsetzlichen Schicksal zu entgehen, und zwar wollte man zu dem Könige von Amon fliehen, der ein langjähriger Bundesgenosse Zidikajas war, Fürst Menascheh übernahm die Ausführung des Planes. Um die Aufmerksamkeit des Volkes durch etwas zu fesseln, wurde das Gerücht von dem geheimen Gange unter dasselbe gestreut und die allgemeine Erregtheit benutzend, alle Vorbereitungen zur Flucht gemacht. Menascheh hatte Gold und Kreaturen genug, um einen großen Teil waffenfähiger Männer an sich zu bringen, die Furcht vor dem nahenden Schrecken leistete ihm gute Dienste dabei. Eine bewaffnete Begleitung war notwendig im Falle feindlicher Ueberfälle oder Verfolgungen. Selbst wenn im Momente der Ausführung der Plan verraten werden sollte, war schon ein Märchen erfunden, das leichtgläubige Volk zu ködern: Es sollte ein nächtlicher geheimer Ausfall auf die Feinde sein. Alle Vorbereitungen waren gemacht und die Führer mahnten zum Aufbruche, der Weg war weit und gefährlich. Man wollte durch die königlichen Gärten und Wälder gedeckt, die südlichen Abhänge des Zion erreichen, dann durch das Tor an der Siloaquelle das Tal Josaphat betreten, von da seitwärts am Fuße des Oelberges, die Kidronschlucht durcheilen und die Straße nach Jericho zu gewinnen suchen. Die Führer mahnten, aber der König zögerte noch immer, Zippora fehlte. Zur festgesetzteil Stunde hatten sich alle Mitglieder im Thronsaale versammelt: außer dem Könige wußte niemand von der Familie von der Flucht, nur Zippora war nicht erschienen. Man suchte sie in allen Räumen und Winkeln. Jsmael war der erste, der sich dazu aufgemacht hatte. Endlich erschien er auch und nicht allein. ... Er hatte Zippora mit Dinah am entferntesten Ende des Parkes gefunden in einer kleinen Felsenhöhle, die zwischen Feigenbäumen versteckt war. Er sah erhitzt und erregt aus. Zipporas Gesicht war wiederum totenbleich, ihr Schleier zerrissen, als wenn sie gerungen und gekämpft hätte. Es war auch so und Jsmael hatte einen harten Stand gehabt, er hatte sich nicht mehr anders zu helfen gewußt, hatte sie in seine Arme gefaßt und bis in das Libanonhaus getragen. „Was heißt das? fuhr sie der König an. „Warum eiltzogst Du Dich der Aufsicht der Frauenwächter und verbargst Dich?" Die Fürstin stand in der Mitte des Thronsaales, sie schlug die Streifen des zerrissenen Schleiers zurück, die ihr Antlitz bedeckten, ein Antlitz, das jetzt so schön und weiß wie Marmor, aber auch so fest und unbeweglich war. Sie ließ die Blicke fest, - unerschrocken von einem Gesichte auf das andere schweifen, endlich blieben sie an dem des Königs haften. „Was ich wollte?" sagte sie langsam, „Dir nicht folgen. Deine Flucht und die Deiner Räte und Krieger ist eine Schmach und ein Frevel, ich will nicht Teil daran haben." Hätte der Donner mitten in den Saal eingeschlagen, das starre Entsetzen hätte nicht größer sein können, als das, welches diese Worte hervorbrachten. Lautlose Stille trat ein. Jedes Angesicht war bleich geworden, selbst die bärtigen Männer; dann drängte alles näher, um das Weib zu sehen, das solche Worte und in einem solchen Augenblicke zu sprechen wagte. „Du kannst mich töten lassen und Ihr alle, die Ihr meinen Vater umsteht, für die Worte, die ich gesprochen habe und noch sprechen werde," fuhr die Fürstin fort und ihr Gesicht schien sich zu heben, die Krone, die ihr Haupt trug, leuchtender zu werden durch den hohen Glanz, der ihren Augen entströmte. „Wohl ist es nicht Sitte, daß die Töchter Jerusalems so in den Kreis der Männer treten, und nicht Sitte, daß eine Jungfrau so zum König, zum Vater redet, aber gebrochen hat dieses Moment alle Schranken und Fesseln und in dem allgemeinen Weh geht jedes noch so geheiligte, persönliche Gefühl unter." „König Jehudas, Tu hast Dein Volk in einen bösen, verderblichen Krieg verwickelt, Du hast seine Kraft gebrochen, seinen Wohlstand vernichtet. Tu hast es an die Todespforte geführt; es wehrt sich wie ein sterbender Löwe, wie darfst Du Dich jetzt entfernen und den Bedrängten, Verzweifelten einen Teil der waffenfähigen Kraft rauben? Darf sich der Hirte entfernen, wenn das Raubtier in seine Herde bricht? Darf er sich entfernen, wenn er selbst das Raubtier gelockt hat?" Noch immer herrschte Todesstille im Saale, das Angesicht des Königs war erdfahl, seine Augen schienen aus den Höhlen treten zu wollen und Fieberfrost schüttelte seine Glieder, wie unwillkürlich griff er nach dem Schafte des Eisens an seiner Seite; dann aber den Augen der Tochter begegnend, ließ er die Hand sinken nnd sich zu feinem Gefolge wendend, sagte er mit heiserem Tone: „Töricht wäre es, auf die Worte eines hirnverrückten Weibes zu hören. Fürst Jsmael, die Jungfrau ist Dir längst zugesagt, sieh su, wie Du sie mit Dir nimmst." Wilden Triumph auf dem Gesichte und mit glühenden Augen machte Jsmael einen Schritt auf sie zu. „Komm' mir nicht nahe," warnte die Prinzessin. „Ich fürchte nicht d'e Flammen Deiner Augen, für mich sind sie das Leuchten der Liebe," sagte Jsmael kalt und höhnisch. Mit der Schnelle des Blitzes hatte Zippora dem nächsten Krieger den scharfgeschliffenen Stahl aus der Scheide gerissen und ihn über dem Haupt schwingend, sagte sie mit dem Tone der Verzweiflung: „Komm' mir nicht nahe und niemand von Euch, oder bei Gott dem Lebendigen ich tue das Entsetzlichste." „Macht ein Ende," rief Menascheh, „entreißt ihr. den Stahl und bindet sie, ihr Wahnsinn wird uns noch alle ins Verderben bringen." Es lag solch Hohes und Königliches in dem Wesen Zipporas, daß keiner sich ihr zu nahen wagte. Ein Krieger trat ein und meldete, das harrende Gefolge draußen sei ungeduldig und frage an, warum mit dem Aufbruch gezögert werde. Noch einmal näherte sich Zidikajah seiner Tochter, vor ihm senkte sich ein wenig der Stahl. „Kind," sagte er mit sanftem Tone, „ich will alles vergessen, folge mir." „Nie!" sagte sie unerschütterlich. „Im Namen Deiner Mutter, die ich einst mehr geliebt und verehrt, als je ein Weib," fuhr der König so leise fort, daß sie es nur hörte, „beschwöre ich Dich, mir zu folgen." (Fortsetzung folgt.) iuiabniuiaifriiljfliio in lingnmn i. Gs. Dem Israelitischen Knaben waisen Haus sind behufs Entbind u n g von der Gratulationspflicht noch folgende Spenden zugegangen: Frau Wwe. Alexander Wildenstein, Fegersheim 10 Jl; Hr. Moise Uhry, Großblittersdorf 10 Jl; Hrn. D. Roos Fils, Hagenau, 5 Jl; anonym Hagenau zweimal 5 Jl; Hr. Benjamin Ginsburger, Hattstatt 3 Jl; Hr. A. Lemmel, Struth 10 Jl; Herr Armand Levy, Türkheim 2,50 Jl; Frau Wwe. Jgxques Levy, Türkheim 2,50 Jl; Hr. Jules Geismar, Türkheim 5 Jl; Hr. Lüon Bloch, Zaberu 3 Jl;- Frau Meyer Weil, Rosheim 2 Jl; anonym aus Hagenau und Saarburg je 10 Jl; Frau Henri Blum, Ingweiler, 10 Jl; Frau Wwe. Rosalie Lemmel, Ingweiler 2 Jl. Der Verwaltungsrat dankt allen edlen Gebern für diese hochherzigen Spenden. 573980

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