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Das jüdische Blatt · 1913-09-26 · 39 (26.9.1913) · p. Seite 11

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
39 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 39. Das jüdische Statt. 11 habe. Sollte nun die Königin von England in Italien einem Prinzen das Leben schenken, so wäre er nach der englischen Verfassung von der Thronfolge ausgeschlossen. Der Minister verständigte hiervon den Hof, wo diese Mitteilung große Ueberraschung und Bestürzung hervorrief, denn man hatte diese Eventualität nicht berücksichtigt. So wurde denn Königin Viktoria trotz ihres leidenden Zustandes nach England überführt, wo sie bald darauf eines Prinzen, des Thronerben, genas. Die königliche Familie hatte diesen Dienst dem Rabbi nie vergessen. Bekanntlich wurde Nathan Adler in dankbarer Anerkennung seines Ratschlages zum Chief-Rabbi von ganz England ernannt und gründete gewissermaßen selbst eine Rabbiner- Dynastie. Nach seinem Tode wurde sein Sohn Dr. Hermann Adler zum Chief-Rabbi ernannt und wie der Alte, so erfreute sich auch sein Sohn der wärmsten Sympathien des Königs. Kohut weiß auch sonst recht Interessantes über die Sympathien zu berichten, die König Eduard den Juden entgegenbrachte. Während der Regierung Eduard VII. bekleideten hervorragende Politiker und Staatsmänner jüdischen Glaubens hohe Staatsämter. Es waren dies unter anderen Samuel Speier, Samuel Marcus, Georg Phillips und Arthur Cohen. Der genannte Sir Samuel Marcus wurde wiederholt zum Lord-Mayor von London gewählt und diese Wahl wurde mit Freuden vom Könige bestätigt. Bezeichnend für das stolze Bewußtsein des jüdischen Lord-Mayors war der Umstand, daß er zu dem feierlichen Bankett, das er als städtisches Oberhaupt Londons alljährlich zu geben pflegte, alle fremden Gesandten, mit Ausnahme des Rumänischen wegen der judenfeindlichen Haltung dieses Staates, einlud. Aus demselben Grunde folgte er auch nicht der an ihn ergangenen Einladung zu den Jubiläumsfeierlichkeiten nach St. Petersburg. Wie sehr der König an den Grundsätzen der Gleichberechtigung festhielt, wurde auch durch die Tatsache bewiesen, daß ein gläubiger Israelit Sir Matthew Nathan den wichtigen Posten eines Gouverneurs der Stadt Hongkong durch ihn erhielt. Dieser selbe Sir Matthew Nathan soll früher zum Militär-Attach6 der englischen Botschaft in Berlin bestimmt gewesen sein, doch soll diese Ernennung an dem Widerstand von Berlin gescheitert sein. Später wurde ihm der Posten des Gouverneurs der großen südafrikanischen Kolonie Natal zugewiesen. Als ein ferneres Zeichen der philosemitischen Gesinnung des Monarchen sei hier noch angeführt, daß das Amt eines Generaldirektors der Posten in Indien, der einen viel weiteren und einflußreicheren Wirkungskreis besitzt, als der deutsche Staatssekretär des Reichspostamts, von dem Monarchen einem Juden namens Kisch überwiesen wurde. Demselben Bekenntnis gehörte auch der Bürgermeister des Hauptortes des als antisemitisch verrufenen Britisch-Nordafrika, von Kapstadt, an, namens H. Liebermann. Er war zugleich erster Vorsteher der dortigen jüdischen Gemeinde, als welcher er am 13. September 1905 die Eröffnung der großen Synagoge in feierlicher Weise vollzog. Auch im britischen Kolonialstaat in Westaustralien ist von Eduard VII. die Verwaltung des Reichsdepartements einem Juden, Matthew L. Moß, übertragen worden. Dieser Moß war vorher schon zweimal Minister ohne Portefeuille. Der Philantrop und Führer der orthodoxen Partei unter den englischen Juden, Sir Samuel Montagu, wurde trotz seiner politisch — radikalen Richtung von dem König zum Lord Swaitthing ernannt. Später wurde er Unterstaatssekretär von Indien. Der Monarch nahm absolut keinen Anstoß daran, ihn sowohl wie den bereits genannten Herbert Samuel zu Ministern zu erkennen, ohne daß sie nötig gehabt hätten, ihre Religion zu „changieren". Im Jahre 1907 erschienen in Kanada die Minister Patterson und Aoleswolth in einer jüdischen Versammlung, um im Namen des Königs die Erklärung abzugeben, daß beide die Einwanderung der unglücklichen Juden Rußlands nach England und Kanada mit voller Sympathie begrüßen und diesbezügliche Pläne gern unterstützen. In Kanada sei einem jeden Freiheit und bürgerliche Gleichheit gewährt. Wirklich wanderten dort schon während eines Jahres nicht weniger als 7127 Juden ein, worunter sich 6055 Russen befanden. Ihrer Beschäftigung nach zählten 183 zu Geschäftsleuten, während 267 die Landwirtschaft und 1870 ein Handwerk betrieben, 389 gehörten dem Arbeiterstand und 5 dem Bergbau an, welche statistische Daten in beredter Weise den oft erhobenen Vorwurf gegen die russischen Juden entkräften, als seien diese samt und sonders Schacherer und Hausierer. Hohe Achtung und lebhaftes persönliches Wohlwollen bekundete der König auch für einen Engländer deutscher Abstammung, der früher dem Judentum angehörte, den hochgefeierten und und hochverdienten Philanthropen Sir Ernest Cassel, den er zum Mitglied des Geheimen Rates ernannte. Bekanntlich hat dieser edle Wohltäter ein überaus hochherziges Werk zugunsten des Ausgleichs von England und Deutschland auf dem Gebiete der Humanität vollbracht, indem er eine Stiftung von vier Millionen ins Leben rief, aus deren Zinsen notleidende Deutsche in England und notleidende Engländer in Deutschland unterstützt werden sollen. Mit dem englischen König hat auch das deutsche Kaiserpaar das Protektorat über diese ebenso originelle wie großmütige Stiftung übernommen. Solch seltene Männer, wie Sir Ernest Cassel, tragen dazu bei, den Ruhm des deutschen Namens in England zu erhöhen. Sir Ernest Cassel ist auch wiederholt vom deutschen Kaiser ausgezeichnet worden. So enthält das Buch eine Reihe hochinteressanter Aufschlüsse über die Stellungnahme von Herrschern, Künstlern und Gelehrten zum Judentume, so daß das Buch wärmstens empfohlen werden kann. --^- Hedatjafi. Bilder aus der jüdischen Vergangenheit von Caroline Deutsch. (Fortsetzung.) Jochanan wußte selbst nicht, wie lange er geträumt hatte; Schwerterklirren und ein dumpfer, erstickter Hilferuf brachten ihn zu sich. Er sprang auf und horchte; von links, woher er gekommen, hatte der Ruf getönt, er stürzte den Pfad herunter und eilte an dem Bergeswall entlang, auf welche sich die Burg erhob. Der Mond stieg in diesem Augenblicke über die Wipfel der Bäume und begoß mit fahlem Lichte die Gegend. Etwa fünfzig Schritte entfernt sah er zwei Männer miteinander ringen. Einer stand aufrecht, zum Stoße ausholend, der andere kniete und hielt die Rechte des anderen umfaßt, in der das blitzende Eisen glänzte. In drei Sprüngen war Jochanan bei den Kämpfenden, packte den Angreifer bei den Schultern und schleuderte ihn zurück, daß er dumpf dröhnend zu Boden fiel, dann kniete er ihm aus die Brust und suchte ihm das Messer zu entreißen. „Jochanan, Jochanan, bist Du's?" sagte die Stimme Gedaljahs freudig, und der junge Fürst erhob sich. „Und das ist Ismael," versetzte Jochanan, dem überwundenen Manne ins Gesicht schauend, und seine Züge nahmen einen schrecklichen Ausdruck an. „Was wollte er von Dir, Gedaljah?" „Er überfiel mich meuchlings," erzählte der Fürst, tief aufatmend. „Ich kam spät nach Haus und legte mich aufs Lager; doch ich tonnte nicht schlafen, tiefe Sehnsucht nagte an meinem Herzen. Du weißt nach wem, Jochanan! Ich machte mich auf

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