Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 38 (19.9.1913)
- Date
- 1913-09-19
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38. Das jüdische Klatt. Stimmung dieser Kreise durch irreführende Angaben anzufachen. Einige rechtdenkende Männer haben ein Zirkular verbreitet, in dem sie Dr. Wallach gegen diese Anwürse verteidigen. Dr. Wallach steht jedenfalls hoch über diesen ganz unberechtigten Angriffen und für die, die ihn kennen, und deren Zahl ist groß, bedarf er keiner Verteidigung. Uebrigens hat die Korporation der jüdischen Aerzte in Jerusalem nach erfolgter Untersuchung des Falles festgestellt, daß Herrn Dr. Wallach nicht der geringste Vorwurf trifft. m Korrespondenzen. 11 Mm - GlraSLotdrinaen. -- ßllS Bischweiler. Am vergangenen Samstag abend hielt im jüdischen Literatur-Verein der hier bei seinen Verwandten zu Besuch weilende Herr H. Levy, Oberrabbiner in Mascara (Algerien), vor zahlreicher Zuhörerschaft in französischer Sprache einen gediegenen Vortrag über „Die Juden in Algerien". Der sympathische Redner verstand es, in 1 lA stündiger Rede in gewählter Form anschaulich und unterhaltend die Lage und das Leben, die Sitten und Gewohnheiten der dortigen Glaubensgenossen, in deren Mitte er seit drei Jahren weilt, unter Einflechtung historisch-literarischer Exkurse zu schildern. Reicher Beifall wurde dem geschätzten Referenten zuteil. Darnach. Am letzten Dienstag wurde einer der Besten unserer Gemeinde zu Grabe getragen, einer unserer Besten in Thauroh Awaudoh und Gemiluth Chesed, Herr Joseph Chajim G e i s - mann. Mit vornehmem und geradem Charakter verband er eine tiefe Frömmigkeit. Ein großer Trauerzug von Juden und Christen aus Dörnach und Mülhausen erwies ihm die letzte Ehre, und dieser imposante Zug ist der schönste Beweis für die Beliebtheit, in der er bei allen seinen Mitbürgern stand. Eine solch große Menschenmenge ist der schönste Blumenkranz, der einem Toten gewunden werden kann. Als Trost für die Gemeinde bleibt uns bloß die Hoffnung, daß die Tradition des Vaters fortlebt im Hause seines Sohnes, unseres jetzigen Vorstands der Gemeinde, Herrn Pierre Geismann. Hatlslall. Heute nachmittag wurden die sterblichen Ueberreste eines unserer ältesten Gemeindemitglieder, Herr Emanuel Hirsch, zu Grabe getragen. Er erreichte das patriarchalische Alter von 95 Jahren. Bis zu seinem letzten Atemzuge war er bei voller Geistesgegenwart und ziemlicher Körperkraft. Von Krankheiten war er völlig verschont geblieben. Rabb. Dr. Weill schilderte mit beredten Worten den Verstorbenen als einen frommen tugendhaften Jehudi. Sein zahlreiches Leichengefolge legte Zeugnis ab, wie sich der Verstorbene allgemeine Sympathie erworben hatte. Er wurde als Aeltester des ganzen Kreises Gebweiler gefeiert. Er ruhe in Frieden. hirfingen. Am nächsten Mittwoch, den 24. d. M., nachmittags halb drei Uhr, soll die Einweihung der neuen Synagoge stattfinden. In anzuerkennender Weise hat der Vorstand Einladungen dazu an alle Gemeinden ergehen lassen, die zum Bau beigesteuert haben. Unsere ganze Gemeinde rüstet sich, diesen denkwürdigen Tag so feierlich wie möglich auszugestalten, und sind die Vorbereitungen zur würdigen Ausführung des Festes in vollem Gang. Besonders begrüßt wurde die Zusage des S y n agogenchores Altkirch an der Feier mitzuwirken, wofür demselben schon im voraus herzliche Dankbarkeit zugesichert sei. Saarburg. Schwer wurde Herr Kamill Levy heimgesucht, indem ihm sein geliebtes Weib, die Mutter seines dreijährigen Töchterchens starb. Dieselbe gab vor 14 Tagen einem Mädchen das Leben, und ist vorige Woche an den Folgen der Entbindung gestorben; einige Tage später folgte ihr das neugeborene Kind. Kein Auge blieb tränenleer bei dem Nachruf, den Rabbiner Dr. Levy der Dahingeschiedenen hielt; ungeheuer war die Beteiligung an dem Leichenbegängnis, ein Beweis, welche Liebe und Achtung sich die Verblichene in den wenigen Jahren ihres hiesigen Aufenthalts errungen hat. Möge Gott den schwer geprüften Gatten trösten. Sulz u. W. Zum Kantor der hiesigen Gemeinde ist einstimmig Herr Mach, Kantor in Balbronn, gewählt worden. Er wird voraussichtlich sein Amt am Sukkaus antreten. Kayern. Aus Bayern. Es wurde zwar in diesen Blättern schon oft der ehrliche Versuch gemacht, die Orthodoxie auf den Ernst der Lage aufmerksam zu machen. Wir diskontierten schon damals die Hoffnung sehr gering, daß irgend jemand darauf reagieren würde. Nun hat man ja einen der berühmtesten Rechtsgelehrten um ein Gutachten darüber angegangen, ob wirklich eine Austrittsmöglichkeit nach religiöser Differenzierung ohne das Feststellen zweier Konfessionen unmöglich sei. Man vergaß aber zu fragen, ob es nicht auch eine steuertechnische Unmöglichkeit sei, Steuerzahler in jeder Form von der Verwaltung der Steuern auszuschließen. Doch mit einem Gedanken, mit dem man früher so stolz hausieren ging, ist es leider bedenklich ruhig geworden. Man pflegte ja stets zu behaupten, daß es die Orthodoxie völlig in der Hand habe, eventuell eine Revision im letzten Augenblick noch unmöglich zu machen, wenn sie nicht ganz den berechtigten Forderungen der Orthodoxie entspräche. Wir hielten das immer für eine Utopie und ich glaube, das gesteht uns heute im stillen jeder zu. Man vergißt nur, daß man einzig und allein aus dem Anklammern an diese Utopie das Recht für den „Sprung ins Dunkle" ableitete. Und nun hat man etwas anderes. Man sagt, in der Hand der einigen Rabbiner liege das Geschick der Zukunft der bayrischen Judenheit. Was heißt das? In einem Kompromiß? In einer Selbstverleugnung? Und welcher? Man möge denn doch nicht außer acht lassen, daß die Herren Bekenner der Richtlinien sehr ernste Menschen sind. Und so ist aus dem so stolz begonnenen Kampf gegen die Richtlinien eine niedliche Schamade geworden. Ob die Orthodoxie auch daraus nicht reagiert? Gunzenhausen. Mit dem 1. Oktober verläßt Herr Dr. Wilhermsdörser unseren Ort, um nach Nürnberg überzusiedeln. Dadurch wäre für einen jungen, jüdischen Arzt ein außerordentlich gutes Feld eröffnet. Der hiesige Platz ist ein aufstrebender Ort, auch die jüdische Gemeinde ist in Blüte. Die gesellschaftlichen Verhältnisse sind angenehm. Wir würden uns freuen, wenn diese Zeilen zur Niederlassung eines jüdischen Arztes Veranlassung geben würden. Preußen. Saarbrücken. Einem Herzschlage erlegen ist im Alter von 42 Jahren P. Loeser, Zigarrenhändler. Derselbe erfreute sich großer Beliebtheit und Ansehens. Eine Menge Leute begleitete seine sterblichen Ueberreste zur letzten Ruhestätte, allwo Lehrer Lissner ergreifende und zu Herzen gehende Worte sprach. Kaden. Sulzburg. Getto Neuhaus ist nicht mehr. In Fulda, wo sie ihren Lebensabend verbrachte, wurde sie zur Ewigkeit gerufen. Es ist schwer, dieser vornehmen Seele in einem Nekrolog gerecht zu werden. Ihr war das Religiöse