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Das jüdische Blatt · 1913-09-12 · 37 (12.9.1913) · p. Seite 9

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 37. Das jüdische Kl«M 9 herige Schriftführer Mandelbaum gewählt. Schriftführer wurde Tingfelder-München, Kassierer Frank-Würzburg. Wenn auch von nicht gerade berufener Seite versucht worden war, unter dem Programm der „Verjüngung" alte, wohlverdiente Mitglieder der Verwaltung in den - Ruhestand zu versetzen, so bekundete doch die imposante Versammlung (130) das Vertrauen zu den Alten; doch wurde die Verwaltung erweitert, um jedem Kreise Stimme und Vertretung zu gewähren. Es gehören außer den Genannten nunmehr zur Verwaltung: Marx Strauß, Hofmann, Gottlieb, Ehrenreich, Blatt, Gutmann, Rosenwald, Rosenbaum, Wähler, Kleestadt. Die Beratung wegen der unterfränkischen Ferienordnung (Referent Friedmann) wurde zurückgestellt, für die Erlangung kommunaler Zuschüsse für den Religionsunterricht dankenswerte Winke erteilt. - Der Verein tritt in die neue Verwaltuugspsriode mit 190 Mitgliedern. Würzburg. Wandervogel. Im nahen Marktbreit wurden sämtliche jüdischen Angehörigen der dortigen Wandervogel- Ortsgruppe, weil diese angeblich eigene Töpfe und rituelle Speisen bei ihren Exkursionen mitführten, aus der Mitgliedschaft gestrichen. Diese Ausschließung ging von der hiesigen Leitung aus. Mehrere. aktive und passive jüdische und christliche Mitglieder sind deshalb aus dem Wandervogel ausgetreten. Die seinerzeit von uns, wiedergegsbene Mahnung der in Jena erscheinenden „Wandervogelführerzeitung" an die Mitglieder der Wandervogel-Vereinigung, sich von dem Rassen- und Glaubenshaß frei zu halten, da er dem gesunden Deutschtum widerspricht, scheint demnach auf die antisemitische Praxis der Wandervogel-Ortsgruppen keinen Einfluß geübt zu haben. Es ist zu hoffen, daß die jüdischen und mit ihnen die freiheitlich gesinnten christlichen Mitglieder solcher Ortsgruppen dem Beispiel der Würzburger folgen werden. (H. Tbl.) Kaden. Baden. Einweihung der Synagoge. Das schöne Gotteshaus an der Parkstraße, das kürzlich der Vollendung entgegen gin>g, wurde gestern unter zahlreicher Beteiligung der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, auswärts wohnender Glaubensgenossen und vieler Eingeladener feierlich eingeweiht. Namens der Kultusgemeinde entbot der Präsident derselben, Herr Adolf Guggenheim, den Anwesenden herzlichen Willkommensgruß. Er d'ankte für die zahlreiche Beteiligung, porab den Behörden und speziell denjenigen, die zum Gelingen des heutigen Festtages beitrugen. Die israelitische Kultusgemeinde wurde im Jahre 1859 gegründet; während der längsten Zeit, zirka -10 Jahren, fand der Gottesdienst im Schloßberg statt. Dank der Opferwilligkeit der hiesigen und vieler auswärtiger Israeliten ist es möglich geworden, eine Synagoge zu erstellen, die der Kultusgemeinde zur Ehre gereicht und eine Zierde für die Stadt bedeutet. Nach dem Anzünden des ewigen Lichtes hielt Herr Kantor Fröhlich die Weiherede. Gehalt und Aufbau dieser Ansprache waren ganz gediegen. Es war ein eindrucksvolles, von ganzem Herzen kommendes Gebet zu Gott. Abendgebet und Psalmen schlossen die schöne Feier. — Es ist ohne weiteres begreiflich, daß nach der in jeder Beziehung ausgezeichnet verlaufenen Einweihungsfeier ein Gefühl der Befriedigung alle'Teilnehmer erfaßte, das schon bei Beginn des Festbanketts in die fröhlichste Stimmung hinüberleitete. Der geräumige Restaurationssaal des Kasinos war bis zum letzten Platz besetzt. Mit einem Klavierstück, einer recht hübsch gespielten Ouvertüre, leitete Frl. Neuburger den Abend ein. Ebenso gediegen war die folgende Nummer, ein von Herrn Hermann Wyler verfaßter Prolog, den Frl. B r a n d e i s mit großem Geschick vorzutragen wußte. Den Reigen der Toaste eröffnete der Tischpräfident, Herr Fürsprech Dr. Guggenheim. Sein Hoch galt dem schweizerischen Vaterlande. Herr Stadtammann Jäger überbrachte die Grüße des Gemeinderates und der gesamten Bevölkerung Badens. Er wies daraus hin, daß an der Stelle, wo heute die Synagoge steht, einst die römischen Legionen, die Jerusalem zerstörten, ihre Heimstätte hatten! Nt i t der ihm allein eigenen faszinierenden Rednergabe wußte 5) e r r Jäger sodann einige Stellen aus Lessings Nathan der Weife einzuflechten und ebenso schön gelang ihm der Hinweis auf das Buch der Bücher, die Bibel, die die Menschheit dem Judentum zu verdanken hat. Es sprachen ferner die Herren Dreyfuß-Brodsky von Basel, Herr B o l l a g von Winterthur, Herr Silvain D r e y f u ß von Lengnau. Herr Louis Wyler toastierte auf Herrn Stadtammann Jäger, Herr Direktor Fischer gratulierte namens der katholischen, Herr Pfarrer Merz namens der reformierten Kirchengemeinde, ferner Herr Rabbiner Dr. L i t t m a n n von Zürich. Der Redestrom wurde angenehm unterbrochen durch die feine Wiedergabe eines Liedes von Frl. D r e y f u ß. Herr Architekt Dorer, der manches Kompliment entgegennehmen konnte, wünschte der israelitischen Kultusgemeinde auch ferneres Gedeihen und einträchtiges Zusammenleben mit den beiden christlichen Konfessionen. Herr Adolf Guggenheim brachte der Damenwelt, der Krone der Schöpfung, tiefempfundene Huldigung dar. Wer zuletzt kommt, kommt nicht zuletzt. ... Thomas Suter, der typische Landschulmeister von Schneisingen, brachte die Lachmuskeln kräftig in Bewegung. Es wurde Mitternacht, man wußte nicht wie. Bei trefflicher Mahlzeit mundete der Rotwein. Ein Abend, den alle Teilnehmer in angenehmer Erinnerung behalten werden. Vodcrswcier. Der Sohn des hiesigen Parnes, Herr Julius B e n s i n g e r, der zurzeit noch die Handelshochschule zu Mannheim besucht, erhielt dieser Tage vom Ministerium bereits ein Dekret als Handelslehrer an die Handelsschule nach R a st a t t, obwohl die Prüfung in Mannheim erst in einigen Monaten stattsindet. Tauberbischofsheim. Dieser Tage konnten der Metzger David Sauer und Ehefrau das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Herr Sauer war lange Jahre hindurch Vorsteher der israelitischen Gemeinde, er gehörte lange Jahre dem Bürgerausschuß an und war Schotzungsrat. Der Großherzog ließ ihm sein und seiner Gemahlin Bild überreichen, die Regierung verlieh die goldene Ehemedaille, die israelitische Gemeinde spendete einen silbernen Pokal und die politische Gemeinde überbracht.' einen hübschen Blumenstrauß. -c- Wochenkalender 1913 5673 Sabbat 13. Sept. 11. Ellul Sonntag 14. „ 12. „ Montag 15t „ 13. „ Dienstag 16. ,. 14. „ Mittwoch 17. „ 15. „ Donnerst. 18. .. 16. „ Freitag 19. „ 17. „

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