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Das jüdische Blatt · 1913-08-22 · 34 (22.8.1913) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
34 (22.8.1913)
Date
1913-08-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I * Ikelcb und Ausland: Letlungspreislille. Kapern: Lettungsnummer 546. Geschäftsstelle: ... M. DuMont Schauberg. Stratzburg i. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, König!. Hofbuchhändler, Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Stratzburg durch die Elsässtsche Aktiengesellschaft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Nordmann, Socinstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badeyerstraße 123. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Stteifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schwei, per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif. - Abonnements nimmt jede Voltanttalt entgegen. iv. Aabrgang. Ansbacb-Stratzburg, 22. Augutt 1913, 19. Aw 5673. Dr. 34. Inhalt. Leitartikel: Der Sabbat. — Das Wahlrecht ausländischer Juden in preußischen Synagogengemeinden. — Die jüdische Volksschule im talmudischen Zeitalter. — Discours prononce par M. le Dr. Michel Level ii l’inauguration du dispensaire A. Moch — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Familiennachricbten. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Rätsel-Ecke. — Bücherbesprechung. — Briefkasten. Geschäftliche Mitteilungen. — Lustige Ecke. — Gedaljah. — Inserate. Der Saßöat. Dichtung und Wahrheit. I. Einst lebte in einer großen Stadt ein wohlhabender Mann, und sein Reichtum mehrte sich noch von Tag zu Tag. Er war mit Söhnen gesegnet; die lernten fleißig in der Schule, und ihre Fortschritte freuten die Lehrer. Doch nicht allzulange währte des Vaters ungetrübtes Glück. Als die Söhne größer waren, wurden sie kränklich. In seiner Besorgnis nahm der bekümmerte Mann einen Arzt in sein Haus, damit er für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Kinder ständig Sorge trage. Anfänglich ging alles gut, und der Herr Doktor stand in höchstem Ansehen. Er wurde mit Ehren überhäuft. Ein neues Unglück kam. Einige der Söhne erkrankten ernstlich. Der geschickte Arzt erkannte die Symptome und verschrieb eine wirkungsvolle Arznei. Die Kranken wiesen sie zurück. Der Arzt erklärte ihnen ihre heiltätige Wirkung und machte sie andererseits nachdrücklich auf die unabweislichen bösen Folgen aufmerksam, die sie durch ihre Weigerung selbst verschuldeten. Alles umsonst, keiner berührte die Arznei. Die Krankheit verschlimmerte sich, aber der Doktor war außer Stande, andere Rezepte zu verschreiben. So nahm die Sympathie für ihn rasch ab. Unfreundlich und unhöflich, ja mürrisch und verletzend behandelte ihn nach und nach die Familie, nur der Vater nicht, er blieb dem Arzte dankbar und treu und zählte nach wie vor zu seinen Freunden. Desto mehr nagte der Kummer ob seiner Söhne an seinem Herzen. So weit die scheinbare Dichtung. In die Wirklichkeit übersetzt, lautet sie: Unsere Generation hat sich Wohlstand und Bildung erworben, aber sie ist zum großen Teil siech. Es fehlt ihr die wahre Religion. Umsonst machen uns Väter und wohlmeinende Männer auf die Arznei aufmerksam, die heilen kann: „Das sind die Worte, die der Ewige zu tun befiehlt; sechs Tage lang sollst du arbeiten, der siebte aber sei euch heilig als hochfeierlicher Ruhetag dem Ewigen." Man läßt die Arznei unberührt und wird ungerecht gegen den verschreibenden Arzt. Er heißt: Gott! II. In einem großen, judenfeindlichen Lande wurde einmal einer unserer Glaubensgenossen in eine ganz entlegene Provinz verbannt. Er fühlte sich unsäglich vereinsamt. Täglich, ja stündlich spähte er aus, ob er nicht einen Bekannten erblickte, der ihm Kunde bringen könnte aus der geliebten Heimat. Wochen verstrichen und Jahre. Da klopfte ein Reisender an seiner Türe an, und er hieß ihn eintreten. Bei den ersten Begrüßungsworten erkannte er in ihm einen Landsmann. Unbeschreiblich war seine Freude. Gleich hatte er tausend Fragen auf seinen Lippen schweben. Anfänglich antwortete der Reisende höflich und ausführlich, bald aber wurde er wortkarg; ja er ließ die Bemerkung fallen: „Ich habe noch viel zu tun, die Geschäfte waren heuer so wie so nicht glänzend: Sie werden . . ." Da fiel ihm der Verbannte ins Wort: „Wieviel glauben Sie, werter Herr, heute verdienen zu können?" „Wenn's gut geht, so und so viel." Kaum hatte er die Summe genannt, hatte der andere auch schon das Geld auf den Tisch gezählt. „So, nun sind Sie heute mein Gast, und nun erzählen Sie, bitte, weiter von*meiner lieben Heimat." Der Reisende nahm Platz auf einem weichen Polster und sprach wahllos durcheinander und gleichgültig von dem und jenem. Das Gähnen ließ nicht lange auf sich warten. Nach dem fünften Mal konnte der Fremde nicht mehr an sich halten: „Sie werden gewiß entschuldigen, gütigster Herr, aber ich muß unbedingt ein Schläfchen machen, die Augen fallen mir vor Müdigkeit zu." „Habe ich Dir zu diesem Zwecke das viele Geld eingezählt?" erwiderte der empörte Einsame. „Und die Wahrheit?" wird der geehrte Leser fragen. Nun denn! Die menschliche Seele ist der göttliche Funke in uns. Täglich hört Gott gerne Gutes von ihr über sein Menschenkind. Doch die haben sich die ganze Woche hindurch zu plagen, man muß zu leben haben. Der Gewinn läßt nicht aus sich warten. Statt nun aber am Sabbat — am sorgenfreien Sabbat — die

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