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Das jüdische Blatt · 1913-08-31 · 33 (31.8.1913) · p. Seite 2

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
33 (31.8.1913)
Date
1913-08-31
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 33. Das jüdische Dlatt. Hand der Eltern nicht mehr unterstellt, ohne Schwanken dem Ziele und der Richtung treu, die sie von der erziehenden Leitung der Eltern empfangen. (Hirsch, Psalmen 127.) Aber je tiefer und umfassender die Kenntnisse der göttlichen Lehre, desto größere Festigkeit und Beharrlichkeit ist zu erwarten in der Erfüllung der religiösen und moralischen Anforderungen. Verführung und der Reiz des bösen Beispiels werden denjenigen nicht leicht seinem jüdischen Berufe untreu machen, der den Geist der Thora durch gründliches Studium auf sich hat wirken lassen. Welche Eltern werden nicht mit Eifer bemüht sein, von ihren Kindern alles fern 31t halten, was ihr leibliches Wohl gefährden könnte? In noch höherem Grade muß es das heiligste Anliegen des jüdischen Vaters, der jüdischen Mutter sein, ihre Kinder zu wappnen gegen die Einflüsse, die im Kampfe des Daseins das seelische Heil, die Reinheit von Herz und Gemüt bedrohen...! L3n::s$o Rabb. Schüler. per XI. Aioiiisteiikoilgreß. Am 2. September wird in der Katharinenhalle in Wien der XI. Zionistenkongreß eröffnet werden. Der Zustrom Fremder, Zionisten und Nichtzionisten, nach Wien wird bei dieser Gelegenheit ein sehr großer sein. Aller Voraussicht nach wird die Katharinenhalle, die 3500 Menschen faßt, bis auf den letzten Platz besetzt sein. Für den verstorbenen Führer, Herzl, wäre es keine geringe Freude gewesen, die Heerschau der Zionisten in seinem geliebten Wien abhalten zu dürfen. Eine Genugtuung ist die Abhaltung des Kongresses in Wien immerhin auch seinem Andenken noch. Auf dem Kongreß werden manche prinzipielle Fragen, die die Grundlagen des Zionismus betreffen, zur Erörterung gelangen, die auch die Gefamtjudenheit interessieren. Wir haben zwar als Nichtzionisten kein hervorragendes Interesse an der Untersuchung der Frage, ob die jetzige Leitung dem politischen Zionismus untreu geworden ist oder nicht. Bekanntlich gingen die Absichten Herzls aufs Ganze und Große. Er wollte alles oder nichts. Er wollte von der türkischen Regierung die Vollmacht, Palästina unter türkischer Oberhoheit mit Juden zu besiedeln und nach eigenen Gesetzen zu verwalten, d. h. er wollte den Charter. Von der allmählich fortschreitenden Kleinbesiedelung Palästinas wollte er nichts wissen. Die von ihm geschaffenen großen zionistischen Institute sollten die Werkzeuge sein, die bereit stehen sollten für die Zukunftspolitik. Nach der Ansicht Nordaus hat sich die gegenwärtige Leitung von diesem Herzl'- schen Zionismus völlig entfernt. Nordau steht mit dieser Meinung nicht allein, zu ihm halten fast alle diejenigen, die die intimen Freunde Herzls gewesen sind. Die in Paris von Nordau gehaltene Rede, von der wir in voriger Nummer den ganzen zweiten Teil brachten, gewährt einen sicheren Blick in die Tiefe des Gegensatzes, der zwischen der gegenwärtigen Leitung und Herzls Palladinen klafft. Wir fühlen uns weder berufen noch berechtigt, uns über diese Frage zu äußern, um so weniger als erst die eine Partei durch Nordaus Mund gesprochen hat und die andere Partei — die gegenwärtige Leitung — ihre Verteidigung bis zum Kongreß aufspart. Dort wird es wohl heiße Debatten zwischen den „Politischen" (Nordau und seine Freunde) und den „P r a ktischen" (die gegenwärtige Leitung und ihre Freunde) absetzen. Vom allgemeinen jüdischen Standpunkte scheint es uns wertvoll, daß man es nicht verschmäht, in Palästina auch im kleinen zu arbeiten. Jeder neue-Boden, der dort von Juden bebaut und besiedelt wird, jedes neue jüdische Haus, das ersteht, jede neue Kolonie, die gegründet und lebensfähig erhalten wird, scheint uns für das jüdische Volk einen wirklichen Gewinn darzustellen. Und daß die neue Leitung in dieser Richtung der Kleinkolonisation gewirkt hat, möchten wir ihr nicht zum Vorwurf machen. Unsere ernsten Vorbehalte müssen wir allerdings dabei von unserem Standpunkt machen. Tie Kolonisierung Palästinas muß nach den Grundgesetzen, die das jüdische Volk beherrschen, stets die bessere und freiere Erfüllung der Thora zum Ziele haben. Wir sehen aber zu unserem Schmerze, daß breite, zionistische Kreise sich Palästina geradezu zum Tummelplatz des religiösen Abfalls erkoren haben. Das bringt uns auf die zweite Frage, die zweifellos den XI. Zionistischen Kongreß stark in Anspruch nehmen wird, die Frage nach dem Verhältnis zwischen Zionismus und Religion. Auf dem letzten, dem X. Zionistenkongreß, wurde die Kulturfrage prinzipiell entschieden, der Kongreß erkannte die religiöse Negation der Poale Zion als eine ebenso berechtigte Richtung an wie die Treue zunr überlieferten Religionsgesetz. Es entspann sich daraus eine Polemik über das Jaffaer Hebräische Gymnasium, von dem mit Recht behauptet wurde, daß es diesen das religiöse Leben gefährdenden Tendenzen Vorschub leiste. Das Hebräische Gymnasium hat sich trotzdem in seiner Art gedeihlich weiter entwickelt. In jüngster Zeit hat ein sehr wohlhabender russischer Zionist, M. F e l d H e i n - Warschau, einen jüdischen Knlturfonbs „Kedem" (Osten) gegründet, über den er auf dem Kongreß einen Vortrag halten wird. Dabei wird wohl die Kulturfrage aufs neue in hohen Wogen gehen und das „neue Judentum" wird feine tatkräftigen Kämpen vorschicken gegen die Verteidiger des alten. Vom allgemeinen jüdischen Standpunkte scheinen uns gerade diese beiden Fragen, nämlich die Kolonisationsarbeit in Palästina und die „Kultnrfrage", die größte Aufmerksamkeit zu verdienen. Mr ausländische jüdische Kinder keine plnter|iüiüin<j! Drei jüdische Kinder waren vorige Woche in Schöneberg bei Berlin ausgesetzt. (Siehe unter der'Rubrik: „Aus aller Welt".) Die jüdische Gemeinde in Berlin wnrde um Hilfe angerufen. Sie antwortete, ausländischen jüdischen Kindern könne sie keine Unterstützung gewähren. So antwortet auf den Hilferuf armer Kinder die größte und und reichste Gemeinde Deutschlands, die über Millionen verfügt! Ausländer! Pfs! Die existieren nicht für die Armenlommission der großen jüdischen Gemeinde. Sie appellieren an das Menschenrecht, an las elementare jüdische Pflichtgefühl, an das gepriesene Zusammengehörigkeitsgefühl der Juden! Menschenrecht, Pflichtgefühl, Zusammengehörigkeitsgefühl fliegen wie Seifenblasen dahin, wenn es sich handelt um — Ausländer! Also so weit ist es bereits mit uns gekommen. Zweierlei Wahlrecht haben wir bereits oder bekommen wir bereits in den Großgemeinden, eines für Einheinrische, eines für die Ausländer, oder vielmehr eie armeir ausländischen Juden werden einfach entrechtet und vom Wahlrecht ausgeschlossen. Nun kommt re neue Bescherung. Nun werden wir auch mit zweierlei Zedoko beglückt, eine für die Einheinrischen, eine für die Ausländer, vielmehr für die Ausländer werderr die Armengelder gesperrt. Sind denn die Ausländer rnrsere Brüder? Haberr wir für sie aufzukommen als Juden, wenn sie in unserer Mitte in Not ge- Pstrcht, die für die kleiiiste jüdische Gemeinde selbst- 2 “"f“1 lf}' posl der großen jüdischen Gemeinde einaä verleugnet Natur ich, sie muß ihre Millionen gegen den An- „“I fnfrf 2tursl0fber schützen. Wenn die jüdischen Armengelder nach solchen harten, myudischen Grundsätzen verwaltet werden,

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