Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 31 (1.8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 31 13 Das jüdische Matt. Der Gast sprach den Segen erst über das Brot: „Gelobt seist Du Gott, unser Herr, Herr der Welt, der das Brot aus der Erde hervorwachsen läßt," und später über den Wein: „Gelobt seist Du, o Herr der Welt, der die Frucht des Weinstockes erschaffet," und alle stimmten andächtig in singendem Tone ein. Als der Fremde so die lange Tischreihe überblickte, die kräftigen Männergestalten, die zufriedenen Gesichter der Frauen und die vielen schönen Kinderköpfe und als er sah, wie alles darauf hinzielte und bedacht war, dem Patriarchen des Hauses Ehrfurcht und Liebe zu erweisen, konnte er sich nicht enthalten zu sagen: „Mit Segen ist Dein Haus gefüllt, o Gastfreund, und mit König David kannst Du sagen: „„Siehe, ein Geschenk des Herrn sind Söhne, Verdiensteslohn des Leibes Frucht. Wie die Pfeile in des Helden Hand, so der Jugend Söhne und Enkel. Heil dem Manne, der seinen Köcher damit gefüllt hat."" „Wohl sind sie ein Geschenk des Herrn," sprach Abnsr, mit vor Vaterfreuden leuchtenden Augen, „besonders in dieser bösen, ungliickseligen Zeit. Was bliebe dem Erdensohn, wenn er nicht Weib und Kind hätte, an deren Anblick sich sein Herz verjüngt und er alle Leiden und Schmerzen vergißt; doch das sind nicht alle Kinder, mit denen mich der Herr bedacht," fuhr er mit düsterm Tone fort, „zwei Söhne, meine ältesten, rissen sich von mir los und gehen auf Abwegen und fremden Göttern nach, erwäge meinen Schmerz, Fremdling." „Du hast Ersatz in Deinen andern Kindern," entgegnete der Gast tröstend, „Jochanan allein, Dein Heldensohn, macht das Glück eines Menschenlebens aus. Warst Du nicht stolz auf ihn?" „Heute und alle Tage seines Lebens," sagte Abncr, „doch der heutige Tag, o Fremdling, kann verhängnisvoll für ihn werden; er hat einen Mann angegriffen, der von Alters her ihm feindlich gesinnt, der wegen seines bösen Wesens gescheut und gefürchtet ist. . . . Angst und Sorgen quälen mein Herz." „Vater erlaubt mir ein Wort," sprach da Jochanan und neigte mit Ehrfurcht sein Haupt, als rede er zu einem Könige, „verbannt alle Sorgen, wenn ich Euch bitten darf. Ich fürchte Jsmael nicht und werde ihn nie fürchten. Er weiß, daß sich mein Arm mit dem seinen messen kann. Seine ganze Rache kann darin bestehen, daß er den König bewegt, mir die Stelle als Reiterhauptmann zu nehmen." „Und wäre dies kein Unglück für Dich, Jüngling?" fragte der Gast ganz verwundert. „Unglück!?" erwiderte Jochanan mit edlem Stolze. „Unglück nenne ich nur das, was die Seele eines Mannes befleckt, nicht äußere Ehre, die ihm jede Minute der Glückszufall wieder zurückgeben kann." „Wie kannst Du einen Glückszufall nennen, was Du Dir durch eigenes Verdienst erworben hast?" fragte der Naphthalite. „Eure Heimat muß ein gottgefälliges Land sein, da Ihr noch den Glauben habt, daß jedem Manne nach Verdienst vergolten wird," sagte Jochanan, bitter lächelnd. „In unserer Stadt hat nur der Verdienst, der zu dem Adel des Landes zählt, der sich zum Werkzeug der Fürsten macht. Seht da meine Brüder! Sie sind kräftig und biedere Herzen, die schon oft, wenn Gefahr kam, ihr Blut fürs Land gegeben und gekämpft gleich den Tapfersten des Landes, hat man je ihrer gedacht? Taglöhner sind sie, die im Schweiße ihres Angesichtes ihr Brot erwerben." „Und Du selber, Jochanan," unterbrach ihn einer der Brüder, ist nicht Deine Brust mit Narben bedeckt, hast Du nicht in unzähligen Kämpfen mit beispielloser Tapferkeit gekämpft und viele Male mit dem Beistand Gottes den Sieg entschieden? Ist es je dem Könige oder Rate eingefallen, Dich zu erheben und Deine Taten zu belohnen? Kriegsknecht wärst Du geblieben, bis ans Ende Deiner Tage, wenn Du nicht zufälligerweise dem Könige das Leben gerettet." (Fortsetzung folgt.) 1P wirkt tadellos und riecht angenehm. Chem.Labor. Dr. N. Moses 100 g. Dose- Mk.l.-incl.Porto •b'EFer.lin 5.0. 16- 500g. - -* 3«*.." Köpenickerstr. 98 a. 1 Kilo " - 5.so- ■“ Für den Inseratenteil ist die Redaktion nicht nerantmortlich, inskesondere nicht stinstchtlich des ritneUen Charakters der empfohlenen Maren. Straßburger Neuwii scherei Färberei u. chemische Reinigung Spezialität für Herrenwäsche STIIASSURG i. Eis. Wimpfelingstr. 35. 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