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Das jüdische Blatt · 1913-07-25 · 30 (25.7.1913) · p. Seite 13

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
30 (25.7.1913)
Date
1913-07-25
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 30. Das jüdische Klatl. 13 sich daraus erklären, daß der berühmte Geschichtsschreiber aus sadduzäischen Quellen geschöpft habe; im geschichtlichdarstellenden Teil werden die Ereignisse unter des Verfassers neuem Gesichtspunkt aneinandergereiht. Das Ganze ist in schöner, flüssiger Sprache geschrieben, wenn auch einige Entgleisungen hätten vermieden werden müssen, so z. B. S. 443. „Dieser Kitt der Interessengemeinschaft schmiedete die Tobiadenfamilie zusammen". Im hebräischen Teil des Jahrbuchs veröffentlicht Rabbiner Dr. Bamberger-Schönlanke nach einer Karlsruher Handschrift einen irrtümlicherweise dem Josef Kimchi zugeschriebenen hebräischen Kommentar zu den ersten 28 Kapiteln des Buches Jeremia. In mehrfacher Hinsicht lesenswert ist die Erklärung des bekannten Verses in/ZZrD DZ” SSnPP (9,22 f.). Erwünscht wäre eine orientierende Einteilung gewesen. Zwar kurz, aber historisch und halachisch sehr interessant ist der andere hebräische Beitrag „Die Dezisionen R. I s a k s aus C o r b e i l" von Oberrabbiner Dr. I. W e l l e s z in Budapest-Altofen, die von einem Schüler R. Jsaks gesammelt worden und die als Anfang zum „Semak" zu betrachten sind. Diese kurzen Andeutungen können nur einen ungefähren Begriff von der Vielseitigkeit des vorliegenden „Jahrbuchs" geben. Wir können die Lektüre der in ihm gesammelten Arbeiten, die eine besondere Art der Verwirklichung des Thora-im-Derecher?z-Jdeals darstellen, nur angelegentlichst empfehlen. Sulz u. W. Dr. E. S ch w a r z. Hedaljah. Bilder aus der jüdischen Vergangenheit von Caroline Deutsch. (Fortsetzung.) „Ich kann nicht, ich kann nicht!" rief Jirmejah, sich von ihm losmachend und in brennendem, unaussprechlichem Schmerze seine gefalteten Hände zum Himmel emporstreckend. „Ich kann nicht, denn ich sehe das Verderben kommen, finster und grauenerregend über ihren Häuptern daherziehen und sich entladen. Ich kann nicht, denn ich sehe wüste und öde das heilige Jerusalem, zerstört und zertrümmert den Tempel des Herrn; ich kann nicht, denn ich höre das Wehegeschrei der Weiber und Kinder, der Greise und Jungfrauen in den blutgetränkten Straßen, wo der Hunger wütet und der Tod würgend einherzieht. Ich kann sie nicht verlassen, ob sie mich kränken und meinen Leib in Fesseln schlagen, denn das Heil liegt in meinen Händen und mein Herz ist mit ihnen. Verläßt der Vater sein Kind, wenn es sich von ihm wendet und ins Verderben rennt? Volk Jehudas, erbarme Dich Deinetwegen und höre auf die Worte Deines Gottes, die ich Dir künde und die aus meiner innersten, schmerzerfüllten Seele fließen, höre auf sie und laß ab von dem Bündnis mit Aegypten." „Geschlossen wird es und noch zu dieser Stunde", unterbrach Fürst Menascheh das momentane Schweigen, das nach den letzten, ergreifenden Worten Jirmejah's eingetreten war. Aus dem Murmeln, Flüstern und den Ausrufungen, das sich nach demselben aber in der Volksmenge erhob, ersah er die Wirkung, die sie hervorgebracht hatten, und wenn er auch kein tätliches Eingreifen der Menge befürchtete, da der größte Teil derselben ihm gehörte, so fürchtete er doch gewalttätig gegen Jirmejah vorzuschreiten, um ihn zu entfernen. Ein rascher Abschluß des Gegenstandes schien ihm das sicherste und beste Mittel, und so hieß er auch einen Teil der Leibwache sich entfernen und die fremden Boten zu holen. Doch anderer Meinung war Jsmael; seiner willkürlichen, gewalttätigen Natur lag jedes Nächgeben ferne, ein Wort, ein Befehl einmal von ihm ausgesprochen, mußte erfüllt werden und wenn ihm Himmel und Hölle entgegentraten. Er gab den Schergen einen Wink und ging auf Jirmejah zu; „entferne Dich von hier," herrschte er ihm zu. „Mit Deinen Schergen nicht," entgegnete Gedaljah, der ihm den Weg vertreten hatte. „Erst mußt Du die Kraft meines Armes erproben, ehe Du dem Auserwählten Gottes so nahen wirst." „Willst Du mich daran hindern, bleicher Knabe?" schrie Jsmael, ein wildes Gelächter aufschlagend, „meine Faust kann Dich ja so leicht zerschmettern, wie mein Fuß einen Wurm zertritt, der am Boden dahinkreucht." „Versuch's," versetzte Gedaljah ruhig, „es könnte Dir dann geschehen wie Goliath, dessen verruchtes Haupt der Schleuderstein eines Knaben zerschmetterte." Ehe der König und die Räte zu Ruhe ermahnen, ehe Jirmejah Gedaljah Schweigen gebieten und ihn zurückziehen konnte, zog Jsmael mit Blitzesschnelle sein Schwert und ließ es, zum Stoße ausholend, durch die Luft sausen. Wenn es sein Ziel erreichte, hätte es gerade das Herz getroffen, so aber legte sich Gedaljahs Hand mit eisernem Griff um seine Gelenke, während ihm eine dritte Hand die Waffe aus der Hand schleuderte, daß sie in tausend Stücke zerbrochen zu seinen Füßen fiel. Jochanan stand geröteten Antlitzes vor ihnen. „Tritt zurück, Jsmael!" sagte der junge Krieger mit zornbebender Stimme, oder bei dem Gotte Israels, meine empörte Seele könnte vergessen, daß Du ein Prinz des Landes bist, und Dir Deine wilde Tat vergelten, wie jedem anderen gewalttätigen und ruchlosen Manne. Seit wann herrscht Mord und Tod in den Versammlungen. König Zidikjah und Du Rat Jerusalems, ich rufe Euch an! Schützt die freien Männer Jehudas vor Willkür und Gewalttat." So angerufen, mußten Rat und König ihre Pflicht erfüllen. Jsmael wurde befohlen, den Kreis zu verlassen und unter die Leibwache zu treten; doch der wilde Mann war schwer zu bändigen. Einige mußten ihn festhalten, daß er sich nicht wie ein gereizter Tiger auf Jochanan werfe. Seine Augen glühten wie Kohlen und mit heiserem Tone rief er: „Ich will Dir's vergelten, bleicher Knabe, und Dir, Jochanan, Sohn eines Gärtners." „Und ich will's erwarten, Jsmael, Prinz des Landes und gewalttätiger als der roheste der Kriegsknechte," gab Jochanan unerschrocken zurück. Dann trat er auf seinen Vater zu und suchte den erschreckten Greis durch sanfte Worte zu beruhigen. Und wieder nahm das Volk Partei und offenbarte seine verschiedenen Gesinnungen. „Recht hat er," riefen viele, „er soll's ihm heimzahlen, dem wilden Fürsten. Sei gesegnet, Held Jochanan, der Du das Wort und das Eisen wie ein Gerechter zu führen verstehst." „Uebermütig ist er und frechen Herzens," sprachen wieder andere, „der seine niedrige Herkunft zu vergessen scheint und sich den Fürsten des Landes gleichstellt." „Still, still! Jirmejah spricht wieder." (Fortsetzung folgt.)

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