Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 30 (25.7.1913)
- Date
- 1913-07-25
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 30. 7 Das jüdische Klatt. Preußen. Ems. Der Hilfsverein für unbe in titelte jüdische Nerven- und Geisteskranke versendet seinen zehnten Rechenschaftsbericht (1912). Wir entnehmen ihm folgende Angaben und unterstützen gern die an diese angeschlossene Bitte um regere Beihilfe aus allen Kreisen. Der Vorstand, der aus den Herren Bezirksrabbiner Dr. W e i n g a r t e n-Ems, Dr. med. Carl L a n d a u-Coblenz, Dr. med. Heinr. Samte r-Ems besteht, schreibt: „Ein Dezennium ist dahingegangen, seitdem der Hilfsverein für unbemittelte jüdische Nerven- und Geisteskranke in Ems ins Leben getreten ist. Er hat damit seine Feuerprobe bestanden. Das Mißtrauen, mit dem man ihm bei der Begründung begegnete, ist geschwunden. Immer mehr hat sich die Ansicht bedeutender Psychiater Bahn gebrochen, daß jüdische Gemütskranke in jüdische Anstalten gehören, wo die jüdischen Vorschriften und Gebräuche gepflegt und ein Milieu ist, das den Lebensgewohnheiten des einzelnen Patienten Rechnung tragt. Vielen Familien, die um das Unterbringen eines gemütskranken oder nervenschwachen Angehörigen in der größten Verlegenheit waren, haben wir helfen können in ihrer Not. Aber leider erlauben es unsere geringen Mittel nicht, all den vielen Armen und Unglücklichen, die der Aufnahme in eine Nervenanstalt bedürften, zu unterstützen. Die Anteilnahme von Gemeinden und wohlhabenden Privaten an unserem großen Werke der Nächstenliebe ist noch zu gering, und die Kosten für jeden einzelnen Patienten sind zu groß, wenn uns auch die jüdische Privutanstalt zu Sayn erhebliche Vergünstigungen in bezug auf die Pflegesätze gewährt hat. An alle edlen Menschenfreunde ergeht daher unsere innigste Bitte: Helfen Sie mit offener Hand und offenem Herzen, und suchen Sie, uns Freunde und Gönner in ihrem Bekanntenkreise zu gewinnen. Viel reichlicher müssen die Gaben fließen, wenn wir dem großen Elend, das wir täglich sehen müssen, mehr begegnen wollen als bisher. Möge das neue Dezennium, in das wir eintreten, der Anfang zur baldigen Erreichung unseres Zieles sein: Errichtung oder Erwerbung einer eigenen An st alt. I u b i l ä u m s s ch r i f t der E m s e r Heilquelle „M ajne h a j e s ch u o h", U n t e r st ii tz u n g s v e r e i n für arme jüdische K u r b e d ü r f t i g e. Gegründet 1888. Der Vorstand, der aus den Herren Sanitätsrat Dr. Aronsohn, Dr. N e h a b, Dr. S n m t e r, Rabb. Dr. Weingarten, M. Stern, sämtliche in Ems, besteht, schreibt in dem Rechenschaftsbericht 1913 unter anderem folgendes: Wenn wir sagen, daß kein Glaubensgenosse, er möge auch von den fernsten Orten der Welt kommen, von der Fürsorge des Vereins ausgeschlossen wird, so gilt das ganz besonders von den armen russischen Glaubensgenossen. Diese bilden, wenn wir die Annalen des Vereins durchblättern, die Majorität der Unterstützten. Von dem Tage der Begründung des Vereins ab war es Grundsatz: jüdische Lehrer in allererster Linie zu berücksichtigen. Diese haben auch dem verdienstvollen Wirken des Vereins oft öffentlich Anerkennung gezollt. Die Lehrer melden sich rechtzeitig zur Aufnahme, sind gern bereit, den kleinen Pensionsbeitrag von 3 di zu zahlen, besitzen alle den Behörden gegenüber nötigen Legitimationen und sind im Heim das Muster für Ordnung und Bescheidenheit. Für sie ist auch die Gründung der Anstalt eine ganz besondere Annehmlichkeit gewesen, da sie in dem Hause die nötige Ruhe, reichliche Verpflegung und geziemende Sauberkeit finden. Die A n st a l t ist gerade mit Rücksicht darauf, daß die Schwierigkeiten für passende Unterbringung und rituelle Verpflegung der „armen kranken Juden" sich mit jedem Jahre steigerten, auf die Initiative unseres Herrn Vorsitzenden hin 1905 begründet worden. Sie ist wohl nur ein bescheidenes kleines Haus in der Braubacherstraße mit nur 14 Betten, aber sie genügt vorläufig den Ansprüchen, und sollten sich die Ansprüche im Laufe der Zeiten steigern, so gewährt der Hofraum und der anschließende bis hoch auf den Malberg hinausreichende Garten noch Platz genug für einen Anbau. Beim Kauf des Hauses reichten die ersparten Groschen kaum für eine Anzahlung und erste Einrichtung aus. Der Verein nahm daher eine starke Hypothek auf, die zu unserem Leidwesen bis zum heutigen Tage noch nicht ganz getilgt ist. Diese Hypothek zu tilgen und die Betten als Freibetten zu gestalten, das ist das zunächst lieg ende Ziel des Vereins, und die Erfüllung dieses Wunsches hofft er als Jubiläiimsgabe von wohlhabenden, freigebigen Menschen, namentlich R e l i g i o n s g e n o s s e n, zu erhalten. Vorläufig verfügt die Anstalt nur über zwei F r e i - betten; das eine gestiftet 1905 von den Herren Max Pollack und Albert Hochheimer in New-Pork im Betrage von 5000 di, das andere gestiftet von Frau Miriam Gawronsky-Moskau. Das Barvermögen des Vereins ist, wie der beigefügte Kassenbericht zeigt, so gering, die Einkünfte durch Sammlungen so mäßig, daß der Verein nur ausnahmsweise ganz Arme aufnehmen kann und auf einen Beitrag zu den Verpflegungskosten seitens der Bittsteller angewiesen ist. Bei der peinlichsten, rigorosesten Sparsamkeit vermehren sich die Unkosten für die Instandhaltung des Hauses, des Gartens und Inventars, die Bestellung des Wirtschaftspersonals und Einkauf von Lebensmitteln von Jahr zu Jahr. Es versteht sich, daß in einem Sanatorium für kranke, schwache, z. T. ausgehungerte Menschen, die Verpflegung eine möglichst reichhaltige und kräftige sein muß, und daß in dieser Beziehung nicht gespart werden darf. Andererseits wird die Beschaffung der Geldmittel von Jahr zu Jahr schwieriger, erstens, weil die Geber schon so vielseitig anderweitig und zu Haus in Anspruch genommen werden, zweitens, weil die Veranstaltung von Konzerten auf große, ja meist unüberwindliche Schwierigkeiten stößt, und drittens, weil die Sammler, d. h. eigentlich nur die Vorstandsmitglieder, auch in ihrem Eifer erlahmen, wenn sie häufig Fehlbitten ausgesetzt sind und sehen und fühlen müssen, daß ihre Gesuche als Belästigung aufgefaßt werden. Indes, das schöne Wort Corneille's: In dem Glück des Anderen Suche ich mein Glück! hat seine Geltung und sein Gehalt noch nicht verloren. Und wie im Jubeljahr des Reiches sich die Wohltäter zu reichen Spenden melden, so werden sich auch sicherlich im Jubeljahr des Vereins Emser Heilquelle Wohltäter genug finden, die freiwillig, ohne auf besondere Mahnung zu warten, uns ihre segenspendende Hand entgegenstrecken. Rogasen i. Pos. Der hier vor einigen Monaten ins Leben getretene Verein „Jüdisches Siechen- und Alters-