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Das jüdische Blatt · 1913-07-25 · 30 (25.7.1913) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
30 (25.7.1913)
Date
1913-07-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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mm IRelcb und Ausland: Lettungsprelsltlte. Kayern: Leitungsnummer 546. Geschäftsstelle: - M. DuMont Schauberg. Stratzburg i. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Sichinger, König!. Hofbuchhändler, Auöbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Stratzburg durch die Elsiissische Aktiengesellschaft vorm. A. Rmmel. In Basel durch I. Nordmann, Schützenstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In Kngland 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. - Inserate nach Tarif. - Abonnements nimmt jede pottanttalt entgegen. iv. Zabrgang. Ansbacb-Ltraizburg, 25. Suli 1913. 20. Trammus 5673. ißr. 30. Inhalt. Leitartikel: Moseh und Jeremia. — Die giftgeschwängerte At-! mosphäre. — Ststriikicalion du repos sabbatique. — Die Bieder-! ineier. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Israel. Knabenwaisenhaus in Hagenau. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Faiiiiliennachricbten. — Rätsel-Ecke. — Sprechsaal. — Briefkasten. — Bücherbesprechung. — Jerusalemer Kinematograph. — Das neunte Jahrbuch der jüd.-liter. Gesellschaft. — Gedaljah. — Inserate. Zu mno 's- Mosel) und Jeremia. „Einst sang Moseh ein unvergeßlich Lied, als ich auszog aus Mizraim, aber Trauergesänge stimmte an Jeremia und eine tiefe Wehklage, als ich auszog aus Jerufcholaim", so tönt die traurige Weise einer bekannten Stelle einer bekannten Kinoh von Tischobeav. Aber nicht nur die Trauerzeit, in der sich gegenwärtig die Gesamtheit der Juden befindet, ladet zu einer Gegenüberstellung unseres Lehrers Moseh und des Propheten Jeremia ein, sondern auch ein Blick auf Sidrah und Haphtarah des heutigen Sabbat. In jener wirft das Ende Moseh bereits seine Schatten voraus, weiß doch der große Führer, daß die von ihm nicht verzögerte Bestrafung der Midjaniten sein letztes Werk vor seinem Tode sein wird, während der Prophetenabschnitt uns an den Anfang von Jeremias Wirken versetzt. Moseh und Jeremia, sie gehören zusammen durch das, worin sie sich glichen, und durch das, worin sie sich nicht glichen. In der Höhe der Prophetie freilich nimmt unser Lehrer Moseh eine Ausnahmestellung ein gegenüber der Gesamtheit der übrigen Propheten — „alle anderen Propheten schauten in einen nicht leuchtenden Spiegel, unser Lehrer Moseh schaute in einen leuchtenden Spiegel" (Jebamot 49 b) — und wir haben auch keinen Anlaß, uns durch neuere Versuche verführen zu lassen, innerhalb der übrigen Propheten dem Jeremia eine Ausnahmestellung zuzuschreiben. Aber sonst im Leben und Wirken beider Männer und dem, was wir daraus lernen können, wie viele Berührungspunkte! Sie hätten's beide bequemer haben können. Moseh, der ein ägyptischer Prinz geworden war, was gingen ihn die fremden Sklaven und Ziegelbrenner an? Aber unter dem ägyptischen Gewände schlug das jüdische Herz, das selbst mit dem Tiere ein helfendes Mitleid hatte. Und Jeremia war ein Priester, und so war ihm von Geburt an eine Vorzugsstellung gesichert. Beide aber müssen fliehen, weil die, denen sie nahe stehen, ihre Gegner sind. Beide tragen schwer an der Würde, ihrem Volke geistige Führer zu sein. Sie drängen sich nicht zu ihrem Beruf, dem sie sich nicht gewachsen glauben. Nichts ist ihnen ferner, als Selbstüberhebung, und so sind sie lebendige Beispiele davon, wie echte jüdische Größe nur mit Bescheidenheit gepaart ist. Auch wo es ihnen nahe gelegt wird, suchen sie nicht Größe und Rettung für sich selbst. Ihre ganze Kraft gehört ihrem Volk. Sie sind losgelöst von den Freuden der Familie, den ihm gewordenen geistigen Besitz überträgt jeder seinem Schüler. Die Last, die ihnen auferlegt ist, ist so groß, daß sie zeitweise glauben, sie nicht tragen zu können. Aber zu demselben Volk, das ihnen so viele Schmerzen verursacht, haben sie eine brennende Liebe, die auch da sich bewährt, wo zu strafen und zu zürnen sie den Auftrag haben. Wie aber unser Kinohwort es ausdrückt, verdichten sich im Leben Mosehs und Jeremias zwei zusammengehörende Gegensätze. Moseh hat das Glück, dem Volk bei seinem Auszug aus Mizraim Führer zu sein und es — wenn er auch das einst über Israel hereinbrechende Strafgericht schauen und künden muß — bis zur Grenze des heiligen Lairdss zu bringen in der Gewißheit, daß es selbst in das herrliche Land koinmen werde. Jeremia ist „der Mann, der das Elend gesehm, die Zuchtrute seines Grimmes". Mosel) hatte wohl auch iuit der Hartnäckigkeit seines Volkes zu kämpfen, aber am Ende der Wüstenwanderung, da hört das Volk auf seine Stimme. Das lehrt ein Blick in unsere Sidrah. Die Söhne Gads und ''hre Genossen stellten bei ihrem Verlangen, diesseits des Jarden bleiben zu dürfen, die Sorge für ihren Besitz derjenigen für ihre Kinder voran (32, 16), Moseh braucht ihnen in seiner Antwort nur die richtige Reihenfolge zu nennen (V. 24) und sie zeigen in ihrer Gegenantwort (V. 27), in der sie ihre Kinder voranstellen, daß sie sich vom greisen Führer haben belehren lassen. Daß auch sonst trotz aller Fehler dem Wüstengeschlecht große Vorzüge eigen, zeigt der Schluß unserer Haphtora. Jeremia aber, der „Mann des Streites mit aller Welt", hat bis zuletzt seine Zuhörer und Zeitgenossen gegen sich. Als er in Aegypten, wohin er dem Reste der in Palästina Verbliebenen

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