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Das jüdische Blatt · 1913-07-18 · 29 (18.7.1913) · p. Seite 14

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
29 (18.7.1913)
Date
1913-07-18
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 Das jüdische Klatt. Nr. 29. das drin wogte und flutete, unter den schneeweißen, gewaltigen Brauen lagen ein Paar Augen, groß und sinnig, und von wunderbar brennendem Ausdrucke. Jetzt hatte er die Augen nach aufwärts gerichtet und stand unbeweglich und gedankenverloren da, als höre sein Geist noch immer die Stimme des Ewigen, die zu ihm gesprochen und ihm ihre Wahrheiten offenbart; denn ein wunderbar verklärter Ausdruck lag auf seinem Gesichte, so heilig und ergreifend, wie ihn nicht die Sprache zu beschreiben vermag und wie ihn nur die Offenbarung des Reingeistigen, des Gottesgedankens hervorbringt, die auf Momente ihr Gepräge auf ein Menschenantlitz drückt. — „Er sieht aus,, als ob er wieder tagelang in seiner Höhle gelebt und Speise und Trank verschmäht hätte," sagte einer mit leiser Stimme. „Still, Jsmael redet ihn an." Wirklich war Jsmael der Erste, der den bannenden Zauber löste, der auch auf den Rohesten und Wildesten nicht ohne Eindruck bleiben konnte. Er trat ihm näher und fragte: „Jirmejah, was suchst Du hier, was führt Dich nach unserer Versammlung, die zu betreten Dir verboten ist." Die Menschenstimme brachte Jirmejahs Geist von der weiten Wanderung zurück. Er fuhr sich mit der Hand über die schneebleiche Stirne, sah um sich, wie einer, der aus tiefem Schlafe erwacht, blickte auf den Gürtel in seiner Hand, dann begann er zu sprechen, anfangs mit leiser, melodischer Stimme, die sich aber immer mehr und mehr hob, wie die übereinanderstürzenden Fluten eines Bergstromes, der immer mehr und mehr anschwellt, bis er dann endlich in majestätischem, alles übertönendem Donnergebrause daher rollt. „Also ward mir das Wort Gottes", sprach der Prophet und hob den Gürtel in seiner Hand. „Mache Dich auf und ziehe hin nach dem Peros und hole Dir wieder den Gürtel, den ich Dir befohlen habe in der Felsenritze einzugraben. Ich zog hin an den Peros und grub und nahm den Gürtel an der Stelle, wo ich ihn vergraben hatte, und siehe, der Gürtel war ganz zugrunde gerichtet und nichts mehr nütze. Da ward mir Gottes Wort, sprechend: Also hat Gott gesprochen, so richte ich zugrunde den Stolz Jehudas und den Stolz Jerusalems, der so groß ist. Dieses böse Volk, das sich geweigert, zu horchen auf mein Wort, das immer nachging dem Dünkel seines Herzens und nachging den fremden Gütern, um ihnen zu dienen und sich vor ihnen zu bücken —, jenes soll nun sein wie dieser Gürtel, der zu nichts mehr nütz ist. Denn wie der Gürtel fest sich anschlieht an die Lenden des Mannes, so habe ich fest an mich geschlossen das Haus Jehudas, spricht Gott, daß es mir fei ein Volk, ein Volk zur Ehre und zum Ruhme und zur Verherrlichung — und sie haben nicht hören wollen. Sage ihnen dieses Wort, also hat Gott, der Herr Israels, gesprochen. „Es ist genug, Jirmejah", unterbrach ihn Menascheh. „Wir kennen Deine Worte, sie künden nur Unheil und Verderben und fallen wie zerstörender Frost in die Brust des Mannes; darum haben wir Dir verboten, in den Versammlungen zu erscheinen." „Geh' nach den Wäldern und künde den Bäumen und Steinen Deine bösen Träume", fügte Jsmael höhnend hinzu, „aber von hier entferne Dich, denn kein Mensch hört auf Deine Worte." „Rein, reden werd' ich", sprach Jirmejah mit Flammenblicken, und Zorn und Schmerz verbreiteten sich auf seinem Gesichte, „und wie Feuer des Himmels werden meine Worte sein, daß sie sich Jeglichem glühend in die Seele senken." Höre mich, König Jehudas, und Du, mein Volk, also ward mir das Wort Gottes: Höret nicht auf Euere Propheten und Zauberer, auf Eure Träumer und Wolkendeuter und Schwarzkünstler, was sie auch zu Euch reden und sagen, ihr sollt nicht dienen dem Könige von Babel; denn Lug ist es, was sie Euch weissagen, wobei sie Euch aus dem Lande treiben, daß ich Euch verstoße und Ihr verloren seid, höret nicht auf die Worte Eurer Propheten, die Euch weissagen... und sprechen, sehet die Geräte vom Tempel Gottes werden nun bald zurückkommen von Babel; denn Lug ist es, was sie Euch weissagen, höret nicht auf sie, dienet dem Könige von Babel, daß Ihr am Leben bleibet; warum soll diese Stadt zur öden Trümmerstädte werden? Sind sie Propheten und ist das Wort Gottes mit ihnen, so mögen sie bei dem Gotte dem Herrn, für Euch bitten, daß die Geräte Gottes, die noch übrig sind, im Hause des Herrn und im Hause des Königs von Juda nicht nach Babel kommen; denn so hat Gott gesprochen, wenn sie nicht auf meine Worte hören, so sollen sie und die Geräte und alles was da lebt und atmet nach Babel kommen, dort sollen sie bleiben bis ich sie wieder heimfordere, spricht Gott der Herr. „Unsere Langmut ist zu Ende", rief Menascheh mit geröteter Stirne. „Sind wir denn Kinder, daß unser Recht schwinden soll vor den Worten eines Einzelnen. Wir beraten über das Wohl des Staates, und in unfern Händen liegt es. Seit wann hat ein träumerischer Tor das Recht, allen unfern Entschlüssen und Vornahmen in den Weg zu treten. König Zidikjah, wenn Du Deine Ehre und Dein königliches Recht wahren willst und das Deines Rates, so weise ihn aus der Versammlung." „Wir wollen seine Worte nicht hören." „Wir glauben nicht an sie." „Chenanjeh soll kommen mit seinen Trostesverheißungen," so tönte es im wilden, dumpfen Chore. „Geh' von hinnen, Jirmejah," sprach nach einer Pause der König mit aufgeregter Stimme. Man sah es ihm an, daß er ungern dem Drängen nachgab; denn er tat's schwankend und unsicher, aber öffentlich einzustehn für den Mann, an dessen Sendung er glaubte und den er ehrfürchtete und scheute, dazu war seine S^ele zu f^-ige und niedrig, und so opferte er auch hier wie stets der Furcht seine innere, bessere Ueberzeugung. „Ja, geh von hinnen", wiederholte die tiefe Stimme Gedaljahs; er trat auf ihn zu und ergriff in großer Bewegung seine Hand, „entweih nicht Deine heiligen Lippen, Gottesmann! indem Du Deine ewigen Offenbarungen diesem elenden, undankbaren Volke zu Füßen wirfst, überlass' es seinem Schicksal, das sich an ihm erfüllen wird, Du aber komm mit mir und verlass' einen Ort, wo nur Unbill und Kränkung Deiner wartet." (Fortsetzung folgt.) kriiiiiH3iiii wirkt tadellos und riecht angenehm. Chem. Labor. Dr.N.Moses 100 g. Dose-Mk.l.-inci.Porto Berl in S.O. 16- 500g. " - " 2.' ' " Köpenickerstr. 98 a. 1 Kilo » - 5.5 o-

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