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Das jüdische Blatt · 1913-07-18 · 29 (18.7.1913) · p. Seite 9

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
29 (18.7.1913)
Date
1913-07-18
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 29. Das jüdische Klatt 9 jähriger Verwaltungspräsident, Herr Jules Levy, verheiratete seine Tochter Alice mit Herrn Abraham Levy, ebenfalls von hier. Diese Hochzeitsfeier fand infolgedessen eine ganz besondere Weihe. Beim Eintritt in das Gotteshaus ertönte der Hochzeitsmarsch von Mendelsohn. In feierlichem Zuge begaben sich während dessen die Hochzeitsgäste, wovon eine größere Anzahl Kinder in heller Kleidung, auf ihre Plätze. Nach Absingen eines stimmungsvollen Matauwu bestieg der Rabbiner, Herr Dr. Levy ans Brnmath, die Kanzel und hielt eine feierliche Ansprache an das Brautpaar. Gleich zu Anfang betonte er, daß das heutige Brautpaar das erste sei, dem er in diesen heiligen Hallen den Segen erteile. Nach Beendigung desselben erfolgten noch einige herrliche Gesänge. Für den Gottesdienst sei an dieser Stelle unserem Lehrer, Herrn Wolf, gedankt, der keine Mühe gescheut, rim gemeinsam mit Herrn Kailtor Jsaac den Gottesdienst zu einer recht würdigen Feier zu gestalten. Mülhausen. Der Verein „Jüdischer Wanderbund Mülhausen" veranstaltet nächsten Sonntag, den 20. d. M. einen gemeinsanren Fcstausflug der jüngeren und älteren Gruppe seiner Aktivmitglieder. Für die ältere Gruppe Abfahrt in Mülhausen 5.59 Uhr, Richtung Gebweiler. Ankunft Gebweiler 6.46. Bon Gebweiler nach Mrisbach Großer Belchen—Melkerei Freundstein—Molkenrain—Pastetenplatz. Hier Zusammenkunft mit der jüngeren Gruppe. Für diese: Abfahrt 1.19 Uhr Nachmittags, Richtung Thann, von Thann nach dem Pastetenplatz. Auf dem Pastetenplatz werden in Gegenwart der älteren Gruppe Wettspiele mit anschließender Preisverteilung abgehalten. Um 6'A Uhr gemeinsamer Ausbruch uild Heimkehr über Rangenkreuz ■ Thann. Ankunft iil Mülhausen 9 Uhr. Gäste sind willkommen und können sich sowohl der älteren als der jüngeren Gruppe anschließen. Mülhausen. In der hiesigen über 400 Mitglieder zählenden Deterauenvereinigung der Kämpfer von 1870 wurde Herr Loup Drcysus einstimmig zum Präsidenten gewählt. Kayern. Burgpreppach. Am 4. Juli wurde Herr Vorsteher Meier U l l m a n n dahier zu Grabe gebracht. Aus nah und fern und aus allen Schichten der Bevölkerung eilten Teilnehmer herbei, ihm die letzte Ehre zu erweiseu: so folgte denn eine zahllose Menge der Bahre. 38 Jahre war er Mitglied des Marktgemeiudeausschusses, 36 Jahre Vorsteher der israelitischen Kultusaemeinde und 30 Jahre Kassierer der israelitischen Präparandenschule dahier. Die Herren Rabbiner Dr. Cohn dahier, Rabbiner Dr. S t e i n-Schweinfurt, Hauptlehrer H i r s ch m a n n-Fischach, Hauptlehrer O t l e n s o s e r-Würzburg, Lehrer L e v i dahier, Lehrer K i s s mi g e r-Ermershausen und Bürgermeister G r ü ud e l dahier priesen seine seltenen Vorzüge und erstatteten ihm den gebührenden Dank. - Von Jugend auf widmete er sich dem Thorastudium und hat es zu großen Kenntnissen gebracht. Sein ganzes Leben war der Thora und Aboda gewidmet. Allen Menschen war er ein Helfer und Berater. Insbesondere lag ihm die hiesige Präparandenschule am Herzen, für deren Ausbau uud Stärkung er stets arbeitete. Der größte Teil der baulichen Aenderungen sind sein Verdienst. Auch materiell sorgte er für die Anstalt, indem er große Legate für dieselbe hinterließ. Auch der israelitischen Kultusgemeinde hat er ein ansehnliches Legat zugeteilt. Mit ihm ist aus der hiesigen Gemeinde ein Zadik geschieden, dessen Name hier unsterblich geworden ist. Fürth. Israelitische Realschule. Auch dieses Jahr haben wieder sämtliche Absolventen der Schule die Prüfung zur Berechtigung des einjährig-freiwilligen Militärdienstes bestanden. Am 11. d. M. hatte die Schule ihre alljährliche Schlußfeier, nachdem dieser die Feier des Regierungsjubiläums für S. M. den Deutschen Kaiser und die Feier des Luitpoldtages vorausgingen. Bei der Schlußfeier selbst wurden hübsche Lieder voin Schülerchor (ca. 50 Kinder, dreistimmig), sowie diverse Gedichte vorgetragen. Sodann hielt ein Schüler des 6. Kurses im Namen der übrigen Absolventen die Abschiedsrede welche fornwollendct, wohldurchdacht und vorzüglich vorgetragen wurde. Herr Direktor Dr. Feilchenfeld übergab hierauf mit entsprechenden Mahnungen den Absolventen das Austrittszeugnis, dabei der Jubiläumsfeier im verflossenen Schuljahre gedenkend und gleichzeitig dem Lehrerkollegium uud Kuratorium den Dank für die Unterstützung zur Erhaltung der Schule aussprechend. Zum Schlüsse sagte der Vorsitzende I. L. W e i s k o p f dem Herrn Direktor und den Herren Lehrern besten Dank für die vorzügliche Leitung der Anstalt, ebenso Dank der Kgl. Regierung für deren Wohlwollen, ermahnte die Schüler zu Fleiß und Aufmerksamkeit und brachte ein begeistert aufgenommenes Hoch aus auf S. K. Hoheit Prinzregent Ludwig von Bayern und dessen hohe Gemahlin Prinzessin Marie Therese. Fürth. Israelitische W a i s e n a n st a l t. Dem von Direktor Dr. Deutsch an die Aufsichtsstelle erstatteten Jahresbericht entnehmen wir die nachstehenden Einzelheiten: Das an Ereignissen und Erinnerungen ernster und freudiger Art so überreiche Jahr 1912/13 ist für die israelitische Waisenanstalt in normaler Entwicklung verlaufen. In Ruhe und Stetigkeit hat sie ihre Aufgabe verfolgt, die ihr anvertrauten Zöglinge auf den Grundlagen von Gottesfurcht und Vaterlandsliebe zu charaktervollen, arbeitsfreudigen und nützlichen Menschen heranzubildcn. Der umsichtigen, liebevollen Pflege und zarten Behandlung im Hause traten feste und sichere Fürsorgemaßnahmen für die aus der Anstalt Entlassenen zur Seite und stärkten so das einigende Band zwischen Leitung und Pflegebefohlenen. Die Zahl der letzteren, welche im Berichtsjahre sich in der Anstalt befunden haben, war 55, und zwar 38 Knaben und 17 Mädchen. Von den Knaben besuchten drei die städtische Volksschule, 35 die israelitische Realschule, woselbst mit Ende dieses Schuljahres die vier im Oberkurs der genannten Anstalt sich befindenden Zöglinge das Absolutorium erreichten. Aon den Mädchen erhielten neun ihre Ausbildung an der städtischen Volksschule, zwei besuchten die Handelsschule, eines absolviert die Höhere Töchterschule. Von den der Schule bereits Entwachsenen ist eines bei einer Kleidermacherin in der Lehre und die vier übrigen wurden in der Hauswirtschaft und im Nähen fortgebildet und zwar durch Unterweisung im Hause, da man einer geregelten Ausbildungsstätte für den hauswirtschaftlichcn Beruf hier noch ermangelt. Von den vorerwähnten weiblichen Zöglingen werden drei, von den Knaben die vier Abiturienten und noch zwei des vierten Kurses die Anstalt verlassen, um sich geeigneten Berufen zuzuwenden. Die Anstalt wird ihnen auch auf ihrem ferneren Lebenswege fördernd und beratend zur Seite stehen. Der Gesundheitszustand im Hause war durchwegs ein normaler und guter; in den Sommerfellen wurde ein großer Teil der Zöglinge, insofern die Verhältnisse dies gestatteten, zu Müttern und Verwandten beurlaubt: zwei genossen die Wohltat eines vierwöchigen Aufenthalts im Kinderheim zu Bad Kissingen. Der bedeutsamen und wichtigen Angelegenheit eines Neubaues der Anstalt blieb das regste Interesse der Verwaltung zugcwendet. Sie ist auch wieder einen ziemlichen Schritt der Verwirklichung näher gebracht worden. Die politischen Wirren jedoch und der Druck, der infolgedessen auf dem Erwerbsleben lag, liehen es unter anderem nicht tunlich erscheinen, im verflossenen Jahre an die Ausführung heranzutreten. Die starke Abschwächung auch der heimischen Fonds, in welchen ein großer Teil des Anstaltsvermögcns investiert ist und die harte Gcldkrisis, die auf dem Hypothekenmarkt rllhte und die Flüssigmachung von Mitteln erschwert hätten, ließen es wenig geraten erscheinen, sich jetzt mit den Sorgen eines so kostspieligen Unternehmens zu belasten. Das kann nicht zu Unrecht gehalten werden in einer Zeit, in der selbst große Gemeinschaften Not und Mühe haben, ihre Vorhaben durchzuführen und darum manch dringenden Wunsch zurückstellcn müssen. Es steht jedoch zu hoffen, daß bald alle Schwierigkeiten überwunden und das notwendige Unternehmen einer schönen und glücklichen Vollendung wird zugeführt werden können.

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