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Das jüdische Blatt · 1913-07-18 · 29 (18.7.1913) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
29 (18.7.1913)
Date
1913-07-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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tRelcb und Ausland: Lettungsprelslttte. Kayern: LettungsmumEr 546. Geschäftsstelle: - M. DuMont Lchauberg, Stratzburg i. Elf. - Vertretung fitr Bayern und Württemberg: Max Vichinger, Kvnigl. Hofbuchhündler, AnSbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Ttratzburg durch die Elsässlsche Aktiengesellschaft vorm. A. Rmmel. In Basel durch I. Nordmann. Schittzenstraße 36. In Zürich durch A. Schneider. Badenerstraßc 123. (r - ——-^7 Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zusiellungsgebühren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. dar Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif. - Abonnements nimmt jede Dottrmltalt entgegen. IV. Jahrgang. Ansbacb-Stralzburg, IS. Zult 1913, 13. Tammus 5673. I6r. 29. Inhalt. Leitartikel: Ein Porträt in dreifacher Pose. — Das neue Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz. — Reichsverein deutscher Juden. — Die neue bayrische Kirchengemeinde-Ordnung. — Statistisches. — Russische Scheußlichkeiten und das europäische Gewissen. — Zur Würdigung der Pro-Falascha-Bewegung. — Aus aller Welt. — — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachricbten. — Rätsel-Ecke. — Vermischtes. — Briefkasten. — Lustige Ecke — Bücherbesprechung. — Der Entdecker des Petroleums. — Gedaljah. — Inserate._ Z>i □nrD 'D. Ein H'orlrnl in dreifacher Wose. Pinchas ist Elia und Elia ist Jirmijahu sagen unsere Weisen von früher. Der Pinchaseifer lebte unsterblich weiter in Elijahu, und Elijahus Geist flammte wieder auf in Jirmijahus Gehirn. Weltfremde Sonderlinge waren Pinchas und Elia und Jirmija ihren Zeitgenossen und, als sie zu Worte kommen wollten, ver langte man von ihnen den Jichusbrief. Sie waren ihren Mitlebenden Erscheinungen aus einer anderen Welt. War es doch zu Hochverrat geworden, zu todeswürdigem Verbrechen in Juda, den Mund zu öffnen für die heilige Sache des Gottesgesetzes, und die Organe der Staatsgewalt fahndeten auf jeden, der nicht seine Ueberzeugung von der Wahrheit vorsichtig im Herzen verschloß. I. , Unsitte war Sitte geworden in Israel. Da führte Pinchas seine Lanze gegen das Schlangenhaupt der Verlockung. Seine Tat wirkte Wunder. Sie brach mit den Tafeln der damaligen Moderne und das „Verbrechen" schaffte Friede zwischen Gott und seinem Volke. Niemand darf sagen, was ich leisten kann, ist doch nur gering, und dann getrost die Hände in den Schoß legen. Ein Einziger, wie Simri, tötet sein Volk, und ein Einziger, wie Pinchas, rettet es vom Tode. Wo die Angelegenheiten einer Gemeinde gut versorgt sind, da dränge man sich nicht vor, da ist Bescheidenheit eine Tugend; wo aber alles im argen liegt,, da vereinige ein Pinchas die Zügel einer Gesamtheit in seiner kraftvollen Hand, unbekümmert um das Urteil der Menge. Denn wo Gottes Sache auf dem Spiele steht, wo langsamer Tod über einer Gemeinde schwebt, da ist Bescheidenheit keine Tugend, sondern Lauheit, Gleichgültigkeit, Sünde, Verbrechen. II. Von einem düstern Hintergrund hebt sich ab die hehre Gestalt Elijahus. Er steht allein, wehrlos, dem grimmerfüllten Achab gegenüber und der phönizischen Königstocher, die mit fanatischer Wut erbarmungslos jeden mordet, der sich nicht vor den Augen ihrer Schergen verbergen kann. Auf dem Karmel stehen sie einander gegenüber, der Gottesprophet und die fünfzig Tafelgenossen der allmächtigen Königin. Mit vornehmer und feiner Courtoisie läßt Elijahu seinen „Kollegen" den Vortritt: „Assn riscluHiiioli: Apri's vous, Messieurs." Und Frau Königin samt prophetischer Kamarilla und Götzenspuk müssen es sich gefallen lassen, vor der Sonne der Hellen Oeffentlichkeit demaskiert zu werden. Die Huldigung auf dem Karmel für den Ewigen, den wahren Gatt, war nur eine flüchtige Episode. Aber der Aufschrei des Volkes „Der Ewige i st Gott" ist der Ruf geworden, mit dem in der Stunde der Neila jeder Mann und jede Frau in Israel, jeder Jüngling und jede Jungfrau in Juda vor seinem Gotte sich beugt und den Schwur der Treue erneut, der Treue bis in den Tod. Dieser Aufschrei ist das Bekenntnis geworden, der letzte Scheidegruß, mit dem jede Seele heimkehrt aus der Vergänglichkeit in die Ewigkeit. „Der Ewige i st Gott" ist das letzte Lied, in das des Lebens Hallelsang ausklingt. III. Und Jeremia. Spott und Haß und Mord ist das seiner harrende Los. Und doch ist er gut und milde. Doppelter Schmerz frißt an seinem Lebensmark: er findet taube Ohren, erntet Haß für feine große Liebe und schaut, wie das Geschick Jerusalems sich erfüllt. Er ringt mit seinem Gott um die Rettung des Volkes: „Es tobt mein Herz, nicht kann ich ruhig bleiben, denn meine Seele hört das Kriegsgeschrei." Seine kluge Politik wird verlacht, sein Rat mit schwerer Haft :><l absurdum geführt und Meuchelmord sucht das verkörperte Volksgewissen in ihm zum Schweigen zu bringen. Auf ägyptischem Boden hat er seine große Seele ausgehaucht; die, welche er geliebt, für die er gekämpft und gelitten, haben mit Steinen seinen schwachen Leib zertrümmert. Pinchas und Elia haben gesiegt, Jeremia ist von der vox populi, der öffentlichen Meinung, besiegt 'worden. Und doch war er ein Sieger: er starb für die Wahrheit. Dr. M. Debrü.

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