Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 28 (11.7.1913)
- Date
- 1913-07-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Trammus 5673. ißr. 28. Inhalt. Leitartikel: Zu nff”®. — Sionisme et assimilation ou Israel parmi les nations. — Änderungen in Württemberg. — Das Staatsangehörigkeitsgefetz und die jüdischen Kultusbeamten. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrickten. — Rätsel-Ecke. — Vermischtes. — Kleine Notizen. — Sprechsaal. — Briefkasten. — Sind die Juden eine kriegerische Rasse? — Gedaljah. — Inserate. Zu pbn n^ns. Durch inhaltsreiche Kürze ist das Gotteswort allenthalben ausgezeichnet. Es mag daher befremdend erscheinen, daß die Erzählung von der Berufung Bileams durch den Moabiterkönig zur Verwünschung Israels einen ganzen Wochenabschnitt ausfüllt, während über Gesetze, die tief ins Leben eingreifen, oft nur Andeutungen in der Thora gegeben find. Diese Ausführlichkeit in diesem Fall ist daher ein Beweis für die Wichtigkeit, die die Schrift dem Auftreten Bileams zuschreibt. In unserem späteren Schrifttum wird diesem Vorgang tatsächlich eine ganz besondere Bedeutung beigelegt. Der Prophet Micha (B. 5) weist auf ihn mit demselben Nachdruck hin wie auf die Befreiung Israels aus Aegypten, und die talmudifchen Weisen wollten den Thoraabschnitt, der diese Begebenheit schildert, sogar zur täglichen Vorlesung empfehlen (I. I. Berachoth I). Worin liegt nun die hervorragende Bedeutsamkeit dieses Vorgangs? Hatte ja der wohl beabsichtigte, aber nicht zum Ausdruck gekommene Fluch Bileams gar keinen Erfolg, war ja Israel bereits das von Gott gesegnete, wunderbar geleitete und geschützte Volk, wie dies ja von aller Welt schon längst anerkannt war? — Und dennoch, das lehrt ein näheres Eingehen in diese Episode, ist jeder Zug in ihr von tief-, ernster Bedeutung und bietet der Betrachtung unerschöpflichen, trostreichen und heilsamen Stoff schon wegen ihres erhebenden Grundgedankens, daß selbst die e r b i t t e r t st e n Feinde des Judentums, Balak und Bileam, bekennen, wie ohnmächtig und wirkungslos alle Versuche sich erweisen, die auf die Vernichtung Israels abzielen. Zu allen Zeiten wurden wie in jenen Tagen die gegen das Gottesvolk angewandten Mittel des Wahnes und verblendenden Zauberwerks zuschanden — der heidnische vom Haß erfüllte Seher selbst muhte es laut verkünden, daß Israel allen Waffen der Gewalt und allen irdischen Mächten, die ihm den Untergang geschworen, siegreich widersteht, solange es seinen gottgewiesenen Beruf treu erfüllt, solange „man kein Unrecht sieht in Jacob" und es die Höhe seiner Bestimmung zu erreichen sucht als Sendbote der göttlichen Wahrheit an alle Erdbewohner. — Aber nicht leicht entschließt sich der heidnische Zauberer zu diesem Geständnis. Nachdem ihm der erste Versuch mißlungen, die vergifteten Geschosse des Fluches auf Israel zu schleudern, sucht er, geleitet von seinem königlichen Genossen, von verschiedenen Stellungen, von andern „Stand- und Gesichtspunkten" aus sein Ziel zu erreichen. Aber wiederum muhte der zum Fluche geöffnete Mund Worte des reichsten und schönsten Segens aussprechen. Von dem Anblick, den ihm das Lager Israels von der Höhe des Peor darbietet, tief ergriffen, erfaßt es ihn mit heiliger, unwiderstehlicher Gewalt, der Geist der Wahrheit siegt in ihm über Neid und Haß und über den Geist seiner trügerischen, geheimen Künste. Er schaut das Gottesvolk in Frieden und Eintracht, in Tugend und Sittlichkeit gelagert nach Stämmen und Familien, nicht nach Ständen und Kasten, gelagert um die göttliche Wohnung, die allen zum gemeinsamen, geistigen Mittelpunkt dient. Ja, über den engen Kreis der Gegenwart hinaus erhebt sich das Auge des heidnischen Propheten und bis in die späteste Zukunft sieht er die Größe der jüdischen Nation fest begründet. In poetischem Schwünge entströmen seinem Munde erhabene Bilder, in welchem er die Zelte Israels zu fruchtreichen, segenspendenden Gärten vergleicht, zu Gottespflanzungen, die allen Stürmen widerstehen wie hochragende Zedern an wasserreichen Quellen. Mit klarem Blick — pyn DD ff — erkennt er, daß die allen Gefahren obsiegende Kraft der Jakobsfamilie in den Zelten, in den vom Geiste Gottes erfüllten jüdischen Wohnungen liegt, den Pflanzstätten des Wahren und Guten, des reinsten Gottesgehorsams und der edelsten, hingebungsvollsten Menschenliebe. Mächtige Reiche sieht er im Spiegel der Zukunft vom Schauplatze der Geschichte verschwinden, stolze Burgen im Laufe der Zeiten stürzen, aber die von den Fittigen des Gottesschutzes gedeckten Zelte Jakobs erschaut er unerschütterlich feststehend bis am Ende der Tage. Zu keiner Zeit sollte diese von so feindlich gesinnter Seite kommende Anerkennung des jüdischen Stammes höher bewertet und gewürdigt werden als in unseren Tagen. Gibt es ja gar Viele unter uns, die den Lehren unserer Gottesmänner und Weisen weit weniger gläubiges Vertrauen entgegenbringen