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Das jüdische Blatt · 1913-07-04 · 27 (4.7.1913) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
27 (4.7.1913)
Date
1913-07-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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IRefcb und Ausland: Leltungspreislllte. Kapern: Lettungsnummer 546. Geschäftsstelle: - M. DuMont Schauberg, Ttrahburg i. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, König!. Hofbuchhändler. Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Stratzburg durch die Elsässtsche Aktiengesellschaft vorm. A. «mmel. In Basel durch I. Nordmann, Schützenstrabe 86. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. -—— Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif.- Abonnements nimmt jede Dottanllalt entgegen. iv. Aabrgang. Ansbacb-Stratzburg, 4. 5ult 1913. 29. Stwan 5673. Dr. 27. Inhalt. Leitartikel: Mirjam. — Politik und Religion in der Frage der jüdischen Volksschule. — Die neue bayrische Kirchengemeinde-Ordnung. Brief vom Lande. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrichten. — Rätsel- Ecke. — Briefkasten. — Gedaljah. — Inserate. Zu npn. Mirjam. In ihrem Hause findet die Frau nach Auffassung der Bibel die Erfüllung ihrer Bestimmung. Ihr Lebenswerk ist der Charakter ihrer Kinder; sie wohnt im Schatten der Ehre ihres Mannes. Ihr Name wird nicht öffentlich verkündet, ihr Lob ist in ihres Sohnes Tat, in ihres Mannes Mund. Nur die Namen derjenigen Frauen werden in der Bibel verzeichnet, die mit der Kraft ihres Geistes und Willens fördernd in die Geschicke ihres Volkes eingegriffen haben. Zu diesen großen Frauen gehört auch Mirjam. Die Schrift hat einige scharfe Züge von ihrem Lebensbilde hingeworfen, die unsere Weisen ergänzt haben. Die Schrift hat ihr ein unvergeßliches Denkmal gesetzt mit den schlichten Worten: Dort starb Mirjam und dort wurde sie begraben. Wie Moses und Aron hat auch sie das Land ihrer Sehnsucht nicht schauen dürfen. Aber sie durfte wenigstens inmitten ihres Volkes sterben, das sie mehr als ihre Kinder liebte. Kaum war sie dahingegangen, da war der Wasserquell versiegt, an dem sich Israel labte. Jetzt erst nach Mirjams Tod empfand das Volk die ganze Bitterkeit der Wüstenwanderung. Das Lager der 600 000 Waffenfähigen war wie ausgestorben, seitdem sie, die Einzige, nicht mehr da war. Der Geist der gottergebenen Freude war sie in ihrer Mitte gewesen, nun schien alle Frische und Fröhlichkeit entschwunden. Seit ihrer Geburt hat sie den Sonnenschein der Freude überall hingetragen. Ihre Mutter gab ihr den Namen Mirjam, weil damals der Jammer Aegyptens seine höchste Bitterkeit erreicht hatte. Kaum herangewachsen, schien sie von göttlicher Weisheit erleuchtet. Wo sie hinkam, trug sie die Anmut des Himmels hin und verscheuchte von den Unglücklichen Trotz und Verzweiflung. Als Pharao seine blutdürstigen Befehle gegeben hatte, da waren sie und ihre Mutter die heldenhaften Frauen, die Gott mehr fürchteten als den gewaltigen König. Sie versorgten die Mütter mit Speise und Trank und erhielten die Kinder am Leben. Sie erhielten das Volk am Leben, besonders Mirjam. Den Frauen flöhte Mirjam Tapferkeit ein, den Sklavensinn in ihnen bekämpfte sie, ihr Gottvertrauen, ihre Liebeskraft, ihre Lebensfreudigkeit, ihren Opfersinn spornte sie an, sie machte die schwachen Frauen zur Wehr und zum Schutz der Männer und Kinder, sie hob die gesamte gesunkene Jakobsfamilie wieder mit deren Frauen und Müttern. Darum dürfen unsere Weisen wohl auch sagen: Mit der Geburt Mirjams begann das Sklaventum seine Härte zu verlieren. Israels Mädchen und Frauen konnten dem Zauber ihres Wesens nicht widerstehen, selbst Vater und Mutter konnten sich ihm nicht ganz entziehen. Unter dem Drucke von Pharaos grausamen Gesetzen hatten Vater und Mutter den Bund ihrer Ehe gelöst. Aber Mirjams Liebe ruhte nicht. Guter Vater! sprach sie, Pharaos Grausamkeit vernichtet die Knaben, du mit deinem Beispiel willst die ganze Zukunft des Volkes mit den Wurzeln herausreißen. Und Amram führte Jochebed wieder heim und vor dem ungewöhnlichen Brautzug tanzten fröhlich die Kinder: Mirjam und Aron. Ein Jahr darauf ward Mose geboren. Mit der ihr eigenen Begeisterung und mit ihrer angeborenen heißen Liebe zu ihrem armen Volke erkannte Mirjam prophetischen Blickes in ihrem jüngsten Bruder sofort den Erlöser Israels. Als er aber von den Haschern aus dem Hause entfernt werden mußte, da tätschelte der Vater ihr die Wange und sprach traurig: Kind, wo bleibt deine Prophezeiung? Mirjam aber war auf eine Warte gestellt, von der sie weit in die Zukunft ihres Volkes schaute. Sie stand getreulich auf dem Posten. Hei! Wie lief sie pfeilschnell an den Ort, wo die ägyptische Prinzessin das schreiende Kind in den Armen hielt. Des Schicksals Stunde war da. Ihr Plan war gefaßt. Von strahlender Schönheit umflossen, steht sie, die Königin des Geistes, vor der ägyptischen Königstochter. Mit majestätischer Bescheidenheit bringt sie ihre Fragen an, keine Fiber zuckt an ihrem gespannten Leib, kein Ton verrät die Erregung, die ihr Herz

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