Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Blatt · 1913-06-27 · 26 (27.6.1913) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
26 (27.6.1913)
Date
1913-06-27
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9052070-9096771-9052518--0463-9052530
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

12 Das jüdische Statt. Nr. 26. Richtige Rätsellösnngett: Ein Rätsel: Bruno Reinemund, Gymnasiast, Ellingen. — SUice Weil, Mimy Wolff, Ingweiler. — Sylvia Wolff, Kolbsheim. --- Georg u. Iuliette Wahl, Dörnach. — Devise Blum, Rosheim. — Lina Ansbacher, Rothenburg a. T. Zwei Rätsel: Albert Fohlen, Püttlingen (Lothr.), — Renke u. Georges Weil!, Kürzel. — Henriette u. Raymond Kauffmann, Buchsweiler, z. Zt. Oberseebach. — Fernande Levy, Zaber». — Helene Samuel, Neubreisach. — Robert u Suzanne Geismar, Romansweiler. — Sekundaner Marcel Bloch. Mülnausen. — Minna Walter, Bolksschülerin, Lembach. - Georg Bloch, Rosheim. — Devise Salomo», Schlettstadt — Violette Picard, Hatlstatt. — Elsa u. Leopold Lehmann, Dauendorf. Drei Rätsel: Karl Rees, Sulz u. W. - David Bloch, Quatzenheim. Sprechsaal. (Für die in dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.) Geehrter Herr Rosch Hakohol! Mit großer Freude konstatierte ich Ihr Interesse an der Fortsetzung meiner Briefe, und ich will Sie nicht warten lassen. In Kahal gibt es immer etwas Neues und Manches sogar, das nicht von dem Rosch Hakohol veranlaßt wurde. War da letztes Jahr in unserer Kehillo eine Chanukkahfeier, seit vielen Jahren erstmals wieder. Unser junger Lehrer wollte Jungen und Alten eine Freude bereiten. Im nichtjüdischen Gasthaus natürlich, weil kein anderes da war! Den Kuchen usw. sollte der Wirt liefern, so wollte es — der Rosch Hakohol. Aber einige Eltern stellten die Kabinettsfrage, entweder unterbleibt die Beteiligung ihrer Kinder, oder die Eßwaren müssen aus jüdischen Häusern kommen, die es mit dem Kaschrus ernst nehmen. Nach vielem Drehen und Bäumen gab der Herr Rosch Hakohol nach.... Eine ähnliche Rolle spielte einer Ihrer Herren Kollegen bezüglich der Schulbretzeln, die alljährlich von der Gemeinde aus Anlaß der Religionsprüfung den Kindern geschenkt wurden. Stets lieferte sie der jüdische Bäcker des Dorfes und als der nicht mehr backen konnte — bestellte sie der Herr Rosch Hakohol von seinem christlichen Bäcker-Nachbar. Aber er hatte die Rechnung ohne Kahal gemacht. Die Eltern dankten für Obst und Südfrüchte, und wenn Ihr Herr Kollege es nicht später hätte bleiben lassen, hätte es eine kleine Revolution gegeben) Sehen Sie, so sind manche Ihrer Kollegen; es gibt natürlich auch andere, dies bezeugt mit Freuden Ihr ganz ergebener B a l h a b a j i s. Briefkasten. Israelitisches Knabenwaisenhaus in Hagenau i. Elf. JX. 71. in 3. Sie tun mir Unrecht an. Ich bin damals sofort Ihrem Wunsche nachgekommen. Sie scheinen aber die diesbezügliche Notiz im Sprechsaal der Nr. 13 dieses Blattes übersehen zu haben; sie lautete: „N. N. in I. Brief nebst Inhalt richtig erhalten und seiner Bestimmung zugeführt. Besten Dank! P. in H." Lehrer B. P i c a r d, Schriftführer des ifrael. Knabenwaisenhauses in Hagenau i. Elf. Ein russisches Wunder. Die Juden von Tfchadirlunga (Bessarabien) veranstalteten ein Fest zur Einweihung einer neuen Thorarolle. Die Antisemiten geruhten, die Juden während der Dauer des Festes in Ruhe zu lassen. Als Belohnung für ihr Berhalten verlangten sie jedoch, daß unsere Glaubensgenossen um Regen beten. Die Juden willigten ein und nach ihrem Gebet traten sofort die erwünschten reichlichen Niederfälle ein. Die Russen waren von dem Ereignis betroffen, und erstaunt bemerkten sie: „Wir sind alle Trunkenbolde, darum wurde unser Gebet nicht erhört, die Juden aber leben ein ehrbares Leben und darum finden ihre Gebete Erhörung." Die Treue eines jüdischen ZNädchens. Am 29. Mai landete im Hafen von Nerv-Port Louis Bedier, 28 Jahre alt, um seine Braut, Eva Israel, die in Nerv-Port wohnte, zu heiraten. Unglücklicherweise wurde der junge Mann vom Einwanderungskommissar Williams wegen Trachomie (Augenleiden) zurückgewiesen und sollte wieder zurückbefördert werden. Eva Israel war von dieser Nachricht niedergeschmettert. Aber sie zauderte nicht einen Augenblick. Sie beschloß, das Schicksal des Mannes zu teilen. Wenn sie nicht in Amerika die Seinige werden sollte, so wollte sie lieber auf ihre Heimat verzichten und mit ihrem Manne nach England gehen. Ihre Eltern erhoben keinen Widerspruch. Doch verlangten sie, daß das Paar vor der Abreise auf Ellis-Jsland gArciut werde. Dis nötigen Schritte wurden unternommen. Doch der Kommissar Williams verweigerte die Erlaubnis zur Trauung. Die Regierung in Washington aber, die man anrief, gestattete die Trauung, und so reiste das Paar als getraute Eheleute nach England. Der Kommissar Williams auf Ellis-Jsland, der eine wahre Diktatur ausübte, soll übrigens seine Demission eingereicht haben, da sein Amt, das er feit 1909 inne hat, abgelaufen ist. Der Präsident Wilson soll zu seiner Ueberraschung die Demission auch augenommen haben. Hedal'jafi. Bilder aus der jüdischen Lergangenheit von Caroline Deutsch. Einleitung. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, die Hauptmomente der jüdischen Vergangenheit in einzelnen, abgerundeten Bildern zusammenzufassen. Es ist zwar eine große Kühnheit, hineingreifen zu wollen, wo große und gereifte Geister den Stoff historisch gesammelt und geordnet haben, aber ich will nur einzelne Blüten als Strauß für den nichtgelehrten Leserkreis, besonders aber für meine Schwestern zusammenfassen, damit sie daraus, die vergangene Größe ihres Volkes kennen, lieben und bewundern lernen; denn das geistige Erbe, das jedes Volk seinen Nachkommen in der Geschichte hinterläßt, soll und muß ins Fleisch und Blut übergehen, soll es von Zeinen Enkeln verstanden werden. Ich sage vielleicht nicht zu viel, wenn ich behaupte, daß sich besonders die Frauen der jüdischen Nation mehr mit jeder andern dieser geistigen Hinterlassenschaften beschäftigt haben, als mit der ihres eigenen Volkes. Das äußere und innere Auge kann und soll nicht ermüden, sich an Seelen- und Heldengröße, an Reinheit und Schönheit des Menschentums zu sättigen. Wir sehen täglich die Sonne ihre Bahn vollenden, und mit flutendem Lichte die Erde erfüllen. Sekunde für Sekunde fühlen wir das Strömen der Luft, immer wird uns erstere in frischem, verjüngtem Glanze erscheinen, immer wird uns letztere beleben und erquicken: ebenso ist es mit dem Sonnenleben eines reinen, verklärten Geistes, sein Licht und seine Wärme ermüden kein fühlendes Herz. Anfangs wollte ich diese Bilder, die in novellistischer Form erscheinen werden, mit den Makkabäerkämpfen beginnen, weil von da an die Kraft und das Gelingen sich mehr im Menschen offenbaren; die göttliche Kraft und der göttliche Wille sind zwar noch immer der leitende und belebende Gedanke, denn der ist vom Judentum unzertrennlich,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.