Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 26 (27.6.1913)
- Date
- 1913-06-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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TRdcb und Ausland: Leitungspreisliste. Kapern: Lcitungsnummer 546. Geschäftsstelle: M. DuMont Tchauberg, Stratzburg i. Elf. Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Sichinger, König!. Hofbuchhiindler, Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Stratzburg durch die Elsässische Aktiengesellschaft vorm. A. Ammei. In Basel durch I. Nord mann, Schützenstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. ---^ Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. - — Inserate nach Tarif. Abonnements nimmt jede Dottaiittalt entgegen. iv. Anbrgang. Ansbach-Stratzburg, 27. Zuiit 1913, 22. Slwan 5673. ißr. 26 Inhalt. Leitartikel: Politik eines Volkstr bunen. — Die Judenfrage in Rumänien. — Der D. I Gemeindebund und jüdische Volksschulen. — Hamburg ist erwacht! — Antisemitisches im Reichstag. — Brief vom Lande. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachriäiten. — Rätsel-Ecke. — Sprechsaal. — Briefkasten. — Vermischtes. — Gedaljah. — Inserate. Zu mp 'S- Kotitik eines Aolkslriönnen. Ueber Korachs Eignung und Begabung schwankt das Urteil; ja, wir finden die entgegengesetztesten Meinungen vertreten. Es sagt der Eine, Korach wäre ein hochbegabter Mann gewesen, während der Andere behauptet, Korach wäre ein Narr gewesen, dem das richtige Augenmaß für die Beurteilung der Verhältnisse gefehlt habe. Nun, es läßt sich auch hier, wie so oft bei den scheinbar so weit auseinander liegenden Meinungen unserer alten Weisen s. A., wohl denken, daß die beiden Kritiken eigentlich dasselbe sagen. Gewiß, Korach hat es schlau, unendlich schlau eingefädelt, er war ein Politiker par excellenoe. Als seine nächsten Helfershelfer suchte er sich die, von denen prinzipielle Unzufriedenheit bekannt war, die überall dabei waren, wo es galt, der bestehenden Autorität etwas am Zeug zu flicken. Denn füglich hatten ja eigentlich Dathan und Abiram bei der ganzen Geschichte nichts zu gewinnen, aber es waren die verbissenen, wildgemachten Agitatoren, deren sich der zunächst in stiller Reserve bleibende Korach sehr zu bedienen wußte; das waren die Schrittmacher des Umsturzes, die unentbehrliche Dekoration jedes Volkstribunen. Da mochte sich Korach im stillen denken, solche Kerls schiebt man schon rechtzeitig in ihr Nichts zurück, wenn erst einmal der Zweck erreicht ist, und die Gloriole des Befreiers von unerträglichem geistlichem Zwang um das Haupt des Tribunen sich windet. Korach aber blieb immer noch still, ganz hübsch im Hintergründe. Seine Trabanten besorgten seine Geschäfte vorzüglich; es galt, diejenigen einzufangen, in deren Stellung eigentlich ein konservativer Grundzug lag, die von der obersten Stelle eingesetzten Beamten. Da mußte das alte Mittel herhalten: „Wenn es nach Recht und Gerechtigkeit ginge, mühtetJhr eigentlich die Obersten sein, denn Ihr seid der Mittelpunkt des Ganzen, auf Euren Schultern ruht die ganze Last der Pflicht und des Wohles der Gemeinschaft. Ihr Narren: wißt Ihr denn nicht, daß Ähr nur ein Spielball seid in der Hand der scheinheiligen Führer. Nein, Ihr gehört obenan." Es gelang; es kam zum offenen Sturm, aber lest Ihr etwas von der Führung des Wortes durch Korach? Er dachte gar nicht daran, sich frühzeitig zu exponieren. Er hatte eine Bewegung in Szene gesetzt, hatte die religiösen Führer durch rituelle Anfragen nach Esaus Manier verhöhnt, hatte mit Achselzucken ihre Autorität untergraben, hatte die „horchende Volksseele" zu mißtönendem Revolutionsgeschrei aufgestachelt, aber noch schien ihm die Stunde der Ernte nicht gekommen. Ja, ja, Korach wäre vielleicht mit seiner sehr klugen Politik von der sittlichen und materiellen Not des Volkes sehr weit gekommen, wenn — Moses nicht gewesen wäre, der im rechten Augenblick mit dem Finger aus Korach gewiesen und ihn als den Urheber, und seinen persönlichen Ehrgeiz als die Quelle der Bewegung gekennzeichnet hätte, auch gezeigt hätte, daß im letzten Grunde nicht die Lehrer der Religion, sondern die Religion selbst gemeint war. Denn in Korachs Rechnung war ein Fehler, an dem sie elendiglich zugrunde ging. Korach hatte mit einem Faktor nicht gerechnet, mit der Treue des Volkes. Das war eine heiße Stunde, als Moses vor das Volk trat und es bat, wie nur ein Vater bitten kann, sich zu entfernen von dem Gezelt der Menschen bösen Willens. Er hatte zwar den Auftrag des Allmächtigen, dies zu verkünden, aber er sagte es ganz schlicht als eine Bitte. Da stand viel auf dem Spiel. Und die Treue siegte in entscheidender Stunde — siegte wenigstens für den Augenblick. So ward der Tribun vom Volke gerichtet, so versank die Politik persönlicher Interessen vor der Gewalt des Ewigen im Menschen. l>- Die Zudenfrage in Rumänien. Los vom türkischen Joch! war die Parole der Balkanvölker für den Balkankrieg. Das Ziel wurde erreicht. Die christlichen Bevölkerungsteile wurden befreit, wie die Phrase heißt. Ein neues Regime der Freiheit und Gerechtigkeit soll