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Das jüdische Blatt · 1913-06-20 · 25 (20.6.1913) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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MM ss Mölsche IRefcb und Ausland: Leitungspreislltte. Dayern: Letlungsnummer 546. Geschäftsstelle: M. DuMont Schauberg, Stratzburg 1. Elf. Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, König!. Hofbuchhändler, Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Stratzburg durch die Elsässische Aktieugesellschaft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Nordmann. Schützenstrabe 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. — ■■ — ■ ■ .. ■-r^7 Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schwei, per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Lesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif. - Abonnements nimmt jede VoltanNalt entgegen. iv. Zabrgang. Ansbacb-Straizburg, 20. 3nni 1913, 15. Siwau 5673. ißr. 25. Inhalt. Leitartikel: Das Land der Kinder. — Kantorenausbildung. — Die neue bayerische Kirchengemeinde-Orünung. — Die Türkei und die Juden. — Universites Israelites. — Brief vom Lande. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. Fainiliennachrickten. — Rätsel-Ecke. — Sprechsaal. — Briefkasten. — Rut. — Eine Wette. — Inserate. Das Land der Kinder. Von Dr. Debrä, Ansbach. Warum will uns der Ewige in dieses Land bringen, daß durch das Schwert fallen unsere Frauen, und unsere Kinder zur Beute werden? I. Von unseren Ahnen in der Wüste geben unsere biblischen Geschichten meist ein falsches Bild. Die waren in Wahrheit praktische, fein berechnende Menschen, so klug, daß sie durch ihre Klugheit zu Fall kamen. Nur ein einziges Mal hatten sie den Mut gehabt, ihre Weisheit zu Hause zu lassen. Waren ohne lange Ueberlegung mit Sack und Pack ihrem Führer in die unwirtliche Wüste gefolgt. Hatten nicht gesorgt um Essen und Trinken, weder für sich noch für ihre Kinderchen. „Schrecklich", sagte ein Mediziner, der gern mit mir über Personen und Erzählungen der Thora sprach, und schimpfte, so oft wir an diese Geschichte kamen, „schrecklich, ein ganzes Volk von Ideologen." Der Lenker des Menschengeschlechts hat diese Tat anders beurteilt, hat sie dem jüdischen Volk auf der Seite des „Habens" mit einer hohen Nummer gebucht. „Ich gedenke dir", ließ er noch 600 Jahre später durch Jesajas Mund verkünden, „ich gedenke noch der Frömmigkeit deiner Jugend und der Liebe deiner Brautzeit, wie du mir folgtest in die Wüste, in unfruchtbares Land". — Na, wie schon gesagt, das Geschlecht der Wüste kehrte seine praktische Seite bald wieder heraus. Mit Wundern soll man nicht rechnen, meinten sie. Gott hat uns zwar Palästina versprochen, ein Land, das von Milch und Honig fließt. Doch wir müssen das Unsrige tun. Selbst sehen, wie es aussieht und ob wir es erobern können. So waren Kundschafter geschickt worden. Die hatten die Fruchtbarkeit in alle Himmel gehoben und dann mit kluger Bednchtsamkeit ihr „aber" hinzugesetzt. Erzählten von uneinnehmbaren Festungen und starken Bewohnern, breitspurigen, gesundheitstrotzenden Männern, deren ganzes Auftreten zu fragen schien: Wer wagt es, heranzukommen? Da war in dem Volk die heiße Sorg>e um die Zukunft rege geworden. Fürchteten für ihre Kinder, daß sie kämpfen müßten, daß sie zur Beute werden könnten, und gaben aus Liebe zu ihren Kindern das Land der Kinder preis. Der Vater aller hat aber damals die Folgen dieser vorausblickenden Elternliebe von den Nachkommen glücklich abgewandt. Die haben ihr Land nicht verloren. „Die Kinder, von denen ihr gesagt habt, sie könnten in dem Kamps zur Beute werden, sie werden den verheißenen Boden, auf den ihr für sie schon verzichtet, kennen lernen. Euch aber, ihr siebenmal Klugen, trennt eure zu weit gehende Elternliebe von dem Land eurer Kinder, von euren Kindern — wohl gar bis über den Tod; denn also hat Rabbi Akiba gesprochen: „Das Geschlecht der Wüste hat keinen Anteil an der zukünftigen Welt." II. Aus Sch'wuaustagen schwebt uns ein Bild vor, zu freundlich hellen Szenen der düstere Hintergrund. Eine ärmlich gekleidete abgehärmte Frau kehrt zurück zur Stätte ihres einstigen Glückes, nach Bös Lechein. Und da ihr gastfreundlich die Weiber entgegeneilen, da hemmt deren Füße banges Entsetzen: Ist diese Gestalt des Jammers wirklich dieselbe Frau, deren Edelmut noch heute nicht vergessen? Des reichen Elimelechs glückliche Gattin? Sie, deren wunderbare Schönheit nur noch von der Schönheit ihrer Taten übertroffen wurde? Und jetzt —? Ist das Gottes Gerechtigkeit? Alle diese Fragen bergen sich hinter den scheu hervorgestoßenen Worten: Ist dies Naemie? Müde winkt die Aerniste mit der Hand. Mit kurzen Worten hat sie dann für Gott Zeugnis abgelegt: Gott, der Barmherzige, ist gerecht. Man darf nicht sagen, daß Gott schlecht ist. Sie erzählt von den Tagen, da sie noch hier geweilt und in ihrem Hause die Armen ein Heim fanden. Wie dann die Hungersnot kam. Wie Elimelech daraus hinwies, daß jetzt die Armen ihr Haus stürmen würden. Der eine würde mit einem Korb kommen, der andere mit einem Sack, der dritte —. Ach ja, des Gebens würde kein Ende sein. Man gebe ja gerne. Aber man hätte doch

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