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Das jüdische Blatt · 1913-06-06 · 23 (6.6.1913) · p. Seite 13

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
23 (6.6.1913)
Date
1913-06-06
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Nr 23 Das jüdische Klatt 13 Haus umherschleicht, um Gelegenheit zu finden, mit mir zu sprechen, wenn ich allein bin." Auch gestern war er da, das erzählte sie aber nicht. Sie war allein und spielte mit dem Kinde, da trat er plötzlich in die Stube. Anfangs blieb er ungesehen bei der Türe und sah mit verschränkten Armen und zusammengepreßten Lippen auf die zwei Menschen, auf die er kein Recht hatte, obwohl sie ihm gehörten; dann von einer unsichtbaren Macht getrieben, stand er plötzlich dicht vor Goldchen. Sie sprang erschrocken auf, denn sie hörte ihn nicht kommen, preßte das Kind an sich und sah ihn wie eine Löwin mit vor Zorn funkelnden Augen an. Sie standen sich einige Minuten stumm gegenüber. Beide bleich vor tiefer, innerer Erregung. „Kann Goldchen nicht verzeihen?" frug er endlich mit einer aus der Tiefe des Herzens kommenden Stimme und faltete die Hände. „Kennt sie kein Erbarmen? Seit Wochen und Monaten fleh ich um Vergebung, wird es denn nie eine geben?" „Ich habe mit Ihnen nichts zu schaffen", erwiderte sie mit hartem Tone, „ich verachte und hasse Sie, das habe ich Ihnen schon gesagt. Was wollen Sie also noch hier? Was suchen Sie hier, wo es nichts für Sie gibt und nie etwas geben wird." Er sah sie eine Minute an; die Muskeln seines Gesichts zuckten heftig, seine Augen rollten; er umschlang sie mit seinen Armen, preßte sie wild an seine Brust und bedeckte ihr Gesicht mit heißen, glühenden Küssen. „Mein bist Du, Du und das Kind!" rief er leidenschaftlich. „Kein Mensch auf Gottes Erdboden hat Recht auf Euch, als ich allein und ich kann Euch hier auf meinen Armen forttragen, als mein Eigentum und niemand darf und soll mir hindernd in den Weg treten. Aber ich will nicht, das erstemal in meinem Leben, will ich nicht durch Gewalt erringen, Deine Lippen sollen aussprechen, daß Du mein sein willst, daß Du mit mir gehen willst. O Goldchen", fuhr er mit weicher Stimme fort, „wie kannst Du so hart sein? Aus den Augen Deines Kindes fleht Dich ja der unglückliche Vater, täglich, stündlich um Verzeihung an." Sie riß sich mit Gewalt von ihm los und flüchtete mit dem aufgeschreckten, weinenden Kinde bis in die entfernteste Ecke. Ihre Wangen waren wie Schnee so bleich, ihre Lippen zitterten, aber sie schwiegen. „Goldchen, Goldchen", bat er fast erstickend, während er ihr folgte. „Für jedes Fehl gibt es eine Sühne auf Erden, sprich, was soll ich tun, um Deine Vergebung zu erlangen? Ich will mich allem unterwerfen." „Verlassen Sie mich und kommen Sie mir nie in den Lebensweg, denn zwischen uns beiden wird es nie eine Versöhnung geben." „Weib, mach mich nicht wahnsinnig!" rief er, überwältigt von seinem wilden, heißen Herzen, „Du könntest es bereuen. Du willst nicht? Meinetwegen, bleib wie Du bist! Wer kann mir aber wehren, mein Kind mit mir zu nehmen? Ich nehme es, es gehört mir." „Wag es!" sagte sie und sah ihn an. Es mußte etwas Besonderes in diesem Blicke liegen, denn seine erhobenen Arme sanken herab. „Du rächst Deine Schmach, wie noch nie ein Weib", versetzte er nach einer Pause mit düsterer Stimme. „Gib nur acht, daß Du nicht zu weit gehst! Es könnten Dinge geschehen, die Du dann mit den blutigstn Tränen nicht wirst ungeschehen machen können. Höre, Reue und Liebe trieben mich aus Amerika zurück, jagten mich hier wie einen Verdammten, und raubten mir alle Ruhe und Lebenslust, ich bin zu allem fähig, Goldchen, und dies ist bei Gott keine leere Drohung." Damit wandte er sich um und verließ die Stube, ohne sich nur einmal umzusehen. Durchs Fenster blickend sah sie die hohe, kräftige Gestalt verschwinden. (Fortsetzung folgt.) in Wirkt tadellos und riecht angenehm. Chem.Labor. Dr.N.Moses 100 g. Dose-M k.1.~ incl.Porto Berlin 5.0. 16. 500g. " - •' 3." ” : " Köpenickerstr. 98 a. 1 Kilo " " 5,ro- " II17PFI1 — Hotel Wagner LUIlu! 11 :: Deutsches Haus :: Ruhigste, sonnige Lage beim Bahnhof, Schiff u. Engl. Garten. Modernstes, behagl. Hotel, jeglicher Komfort. Fließ. Wasser, warm u. kalt, in allen Zimmern. Appartements mit Bad. — Mäßige Preise. C. Wagner, deutscher Eigentümer. WM- Für den Inseratenteil ist die Redaktion nicht oerantmortlich, insbesondere nicht stinstchtlich des ritnellen Charakters der empfohlenen Waren. NESSELQUELLE! SULZMATT (Ob.-Els.) I Bestes Tafel- und Gesundlieitsgctriink!! rein natürlich. | Helene Wittkowsky Julius ßollack -Verlobte ANSBACH KARLSRUHE (Straßburg) 3^ J In der Kultusgemeinde Fenchltvangen ist die Stelle ü/niimmicinhrnrc eines ffieligionslebcecs welcher auch die Aufgaben eines Vorsängers und Schachet zu O erfüllen hat. sofort zu besetzen. G Gehalt mit Pauschalierung der Nebeneinkonunen 1500 Mk. O nebst freier Wohnung. 8 Bewerber, welche gewillt sind, einen eigenen Haushalt zu führen, wollen ihre mit Zeugnissen belegte Bewerbung alsbald J bei dem Unterzeichneten Kultusvorstand einreichen. G Feuchtwangen, 1. Juni 1913. J Isidor Stern, Kultusvorstand. ••••••••§•••••••••••••••••••••••••«•••• w i »»»«'

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