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Das jüdische Blatt · 1913-06-06 · 23 (6.6.1913) · p. Seite 10

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
23 (6.6.1913)
Date
1913-06-06
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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IÜ Das jüdische Klatt. Nr. 23 Sie gaben einen kurzen Lebensabriß der Dahingegangenen, aus dem wir hören, daß hier ein an Arbeit und Sorgen reiches Leben fein Ende gefunden. Eine biedere Gattin und besorgte Mutter schloß ihre Augen zum letzten Schlummer. Heidelberg. pnpy “D” '-'ibzi "Des Menschen Füße tragen ihn dorthin, wo sein Schicksal sich erfüllen muß." Ein p'ip^y der bis zum letzten Atemzug □2'il liHp'S gewesen ist, ist hier in der Fremde gestorben. R. Jerachmiel L e b o w i t s ch pyjy aus Goldingen (Kurland), der hier vergebens von einem schweren Leiden Heilung gesucht, ist im Alter von 53 Jahren dahingegangen. Verehrt von seiner Gemeinde, die es nicht fehlen ließ an Beweisen von Liebe und Fürsorge, bewundert von denen, die ihm in den letzten Wochen seiner Krankheit nahe zu treten Gelegenheit hatten, hat ein Schwergeprüfter seine reine Seele ausgehaucht. War schon sein ganzes Leben unter schweren russischen Dorfverhältnissen eine reine 'p pppy, so war seine Krankheit und sein Duldertum noch eine Steigerung dieser selbstlosen Hingabe an seine Trotz eines unsagbar schmerzensreichen Krankenlagers konnte er sich nicht entschließen, sich sein Leiden zu erleichtern durch den geringsten — Nun ruht er in fremder Erde einem bessern Jenseits entgegen. Zahlreiche Freunde und Bekannte rechneten es sich als ppp? an, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Möge vp die schwer heimgesuchte Familie trösten. Erholungsheim für israelitische Frauen in Baden-Baden. Zu den zahlreichen Stiftungen, die sich an den Namen der Familie Rothschild knüpfen, ist eine neue hinzugetreten. Freifrau Mathilde von Rothschild hat eine größere Summe zur Verfügung gestellt, um ein Erholungsheim für israelitische Frauen in Baden-Baden ins Leben zu rufen. Auch in jüdischen Kreisen stehen heute in viel höherem Maße als früher Frauen im Erwerbsleben. Die aufreibende Tätigkeit des modernen Betriebs läßt ein solches heim, das auch den Minderbemittelten die Wohltat eines Kuraufenthaltes in Baden ermöglichen will, als eine Notwendigkeit erscheinen, und gerade das Schwarzwaldbad mit seiner wunderbaren Lage und seinen heilkräftigen Quellen ist hierfür besonders geeignet. Aber auch verheirateten, nicht berufstätigen Frauen, die infolge von Krankheit oder Überarbeitung einer Erholung bedürfen, wird das heim seine Pforten öffnen. Durch die unermüdliche Tätigkeit des Herrn Michael M. Mainz ist es bereits gelungen, ein Haus zu erwerben und die Einrichtung soweit zu fördern, daß die Eröffnung zu Anfang Juni erfolgen kann. Herr Mainz nimmt auch Aufnahmegesuche, die von Attesten des Arztes und der Gemeindebehörden begleitet fein müssen, entgegen. Zur Uebernahme und Unterhaltung des Heims hat sich ein Verein gebildet, dessen konstituierende Sitzung am Dienstag, den 13. Mai in Frankfurt a. M. stattfand. Den Verwaltungsausschuß bilden die Herren: Rechtsanwalt Horovitz-Frankfurt a. M. (Vorsitzender), Jul. Mayer-Baden- Baden (stellvertr. Vorsitzender), Rabb. Dr. Unna-Mannheim (Schriftführer), Julius F. Goldschmidt, Willy Dreifuß, Dr. med. Fromm, sämtlich in Frankfurt a. M., ferner Dr. S. Grombacher-Straßburg, M. Ettlinger-Kansruhe und Rechtsanwalt Dr. Kassewitz-Freiburg. Aus dringendes Ersuchen der Versamlung nahm Herr M. Mainz die Ernennung zum Ehrenmitglied des Vorstandes an. Der Mindestbeitrag für die Mitglieder beträgt Ji 5.--. Hessen. Riederingelheim a. Rh. Am 5. Juli können, s. G. w., die Eheleute Leopold Stern von hier das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Der Schwiegervater hat vor kurzer Zeit in voller körperlicher und geistiger Frische seinen hundertsten Geburtstag gefeiert. O- J. Wallertheim (Rheinhessen). Der praktische Arzt und Zahnarzt, Herr Dr. Max D u s ch i n s k i in Mainz, der vor seiner Niederlassung in Mainz mehrere Jahre hier praktizierte, verlegte seinen Wirkungskreis nun wieder nach dem schönen Wallertheim. Die Einwohner begrüßen diesen Schritt des tüchtigen und angesehenen Arztes aufs lebhafteste, war doch die Stelle hier seit seinem Weggang verwaist geblieben. O- J. Frankreich. Paris. Die Generalversammlung der Association Consistoriale hat unter deni Vorsitze des Konsistorialpräsidenten, Baron Edm. de Rothschild, Sonntag den 25. Mai stattgefunden. Die Beteiligung sowohl an der Association wie an der Generalversammlung läßt noch immer viel zu wünschen. 1000 Mitglieder für Paris ist sehr wenig, und von diesen 4000 haben sich im ganzen 150 bemüßigt gesehen, an der Generalversammlung teilzunehmen. Das zeugt nicht gerade von großem Interesse für die Sache. Der Rechenschaftsbericht schloß bei 1 120 019 Fr. Einnahmen mit einem Ueberschuß von 11 678,65 Fr., was günstig scheint, aber, wie der Schatzmeister, Herr Alphonse Ochs, betonte, doch keine optimistische Stimmung Hervorrufen dürfe, da dieser günstige Abschluß nur einigen, besonders günstigen Umständen zu verdanken sei, die jedoch nur vorübergehender Natur seien. Vielmehr muß mit Bedauern darauf hingewiesen werden, daß mehrere sehr freigebige Mitglieder verstorben seien, deren Erben nicht dieselbe Opferwilligkeit zeigen, teilweise sogar.jeglichen Beitrag weigern. Aus dem Bericht ist noch zu erwähnen, daß die Verhandlungen mit der russischen Regierung durch Vermittlung des Rabbiners von Petersburg betr. die Anerkennung der Ehe-Einsegnung und -Scheidung russischer Untertanen in Frankreich noch nicht zu einem Abschluß geführt haben. Ein wackerer Schüler. Die deole professionelle <le l’Est in Nancy plante einen Ausflug ihrer Schüler nach Le Creusot und Vichy. Für die 400 bis 500 Schüler war zu dieseur Zwecke ein Extrazug bestellt, der Freitag Abend um 5 Uhr ungefähr abgehen sollte. Alles war mit dem Ausflug einverstanden, nur ein Vater eines Schülers erklärte dem Direktor der Schule, sein Sohn könne sich am Ausflug nur beteiligen, wenn er am Schabbos nicht zu fahren brauche, und wenn er rituell speisen könne. Der Direktor bat den 15jährigen Schüler, er möchte sich beim qrandrabbin in Nancy ausnahmweise Dispens erteilen lassen. Aber dieser wackere Jüngling erklärte dem Direktor, daß es Dispens bei uns nicht gebe, daß kein Rabbiner die Religionsgesetze außer Kraft setzen könne. Was geschah nun? Am folgenden Tag erklärte der Direktor, die Schule werde schon Freitag früh 7.Uhr nach Le Creusot abrcisen. Als dann am Freitag Abend oder Samstag früh die Schule von Le Creusot nach Vichy weiter reiste, bekam dieser Schüler vom Direktor die Erlaubnis, den Schabbos in Le Creusot zu bleiben, um am Sonntag Morgen zu den Mitschülern nach Vichy nachzureisen. Voll inniger Freude berichtet der Junge seinen Eltern, daß er in

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