Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Blatt · 1913-05-23 · 21 (23.5.1913) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
21 (23.5.1913)
Date
1913-05-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9052070-9096771-9052433--0367-9052434
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

IRefcb und Ausland: Lettungspretslilte. Bayern: Tettungsnummer 546. ^—-- — " - ■ Geschäftsstelle: - M. DuMont Schauberg, Stratzburg i. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, Königl. Hofbuchhändler, Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle: außerdem i» Stratzbnrg durch die Elsässische Aktiengesellschaft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Nordmann, Schüyenstraße 36. In Zürich durch . A. Schneider, Badenerstraße 123. - Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Ir. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Lesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif. — — Abonnements nimmt jede poftanftalt entgegen. iv. Aabrgang. Ansbacb-Ltratzburg, 23. /Dar 1913, 16. Zjar 5673. I6r. 21 Inhalt. Leitartikel: Zusammenhänge. - - Brief vom Lande. — Oberrabbiner Dr. Wolf Feilchenfeld. —3. Delegiertentag des Verbandes jüdischer Jugendvereine. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Gebetszeiten. — Wochenkalender. — Familiennachricbtcn. — Rätsel-Ecke. Briefkasten. — Sprechsaal. — Eine Wette. — Inserate. Zu npm '2, Ausammellljättge. Unterwegs geht viel verloren, das ist eine alte Weisheit, die erschreckend wirkt, wenn man an einem. Ruhepunkt des Weges rückwärts schaut und die Trümmer sieht, welche die Straße bedecken. Sind diese Verluste auf dem Gebiete der religiösen Gedanken und Empfindungen zu verzeichnen, so nennt man das „(laliitli scli(*Hi‘mnli", das Exil des Göttlichen. Daran erinnert uns ein schlichtes Wort in den Segnungen, welche der dieswöchentliche Abschnitt birgt. Da steht geschrieben: ich werde geben den Regen zu seiner Zeit. Das ist ein großes Gesetz des Judentums, das da einen Zusammenhang lehret zwischen dem sittlichen Verhalten der Menschheit und dem Verhältnis zwischen Natur und Mensch. In diesem Zusammenhang erblicken wir die Methode der Vorsehung: das ist es, was der Allmächtige den Moses schauen ließ, als dieser ihn gebeten hatte, einen Einblick tun zu dürfen in die Wege der ewigen Allgüte. Und nun komme einer und sage, das sei nicht höchste Blüte der Poesie! Denke einmal, jeder Regentropfen ein unmittelbar an Dich gerichteter Dankesgruß Deines Schöpfers, jedes Versagen des Wolkensegens ein Warnen seines Zürnens. So ergibt sich aus dem Bewußtsein des eben gezeichneten Zusammenhanges das tiefe heilige Glück eines anderen Zusammenhanges, der stetigen Nähe Gottes. Und vielleicht, ihr armen, geplagten Menschen, ist dies das einzig wahre Glück, aber nicht das verschwommene ungesunder Phantasiebilder, sondern das ganz reale, welches in das Leben den edlen Stolz trügt, daß alles Gute wir uns selbst erworben haben, und erwerben können. Und dieses schöne, gute, heilige, süße Glück liegt geborsten, in Trümmer auf der Straße. Man kündet es zwar täglich im Schemagebet, allein, ist es wirklich unveräußerlicher Bestandteil unserer Lebensanschauung geblieben? Gewiß, wir spüren nach den Gesetzen der Wetterstände, und schon unsere kleinen Kinder imponieren uns und — sich mit der Wissenschaft des Barometers. Allein, in welchem jüdischen Haushalt hängt noch jener unsichtbare Barometer, welcher auf die Skala: „Und ich werde meinen Regen geben zur Zeit" eingestellt ist? Heissa, da wird lustig Statistik gemacht und jedes Körnlein sorgfältigst registriert: allein, welche Ziffer kündet den Ausfall, von dem es heißt: Es schwindet Eure Kraft, die Erde wird versagen ihren Ertrag, der Baum nicht mehr geben seine Frucht? Herr, die Zeugen Gottes, der Himmel und die Erde, sie leben und sie reden. Nur eine kleine Frage ist da: Werden sie gehört? Werden sie verstanden? 1\ K. Arief vom Lande. LXVII. Ja, mein lieber Freund, Sie haben gut reden. Verlangen von mir Briefe und Berichte, und dabei bin ich nusgepreßt wie eine Zitrone. Ueber Detailvorgänge in unserer Gemeinde schreibe ich nicht gerne. Warum? Darum. Nun haben Sie (’lmzpe (verzeihen Sie) und schreiben mir, ich wäre doch so ein weitgereister Mann (ich verbitte mir die Ironie), und sollt einmal über den Unterschied von Nord und Süd schreiben. Nun, ich habe so einen großen Unterschied gar nicht gefunden, und alle Dummheiten, die mir durch den Kopf gehen, brauche ich nicht zu sagen. Ich habe allerdings so ein boshaftes Mannsbild als Freund, der wohnt in Berlin (natürlich! Wo soll er sonst wohnen? Bei meinen Connaisancen?!), der sagte jüngst: Ihr Süddeutschen habt die Gemütlichkeit, und wir Norddeutsche das Gemüt. Blech! sagte ich darauf. Da wurde er aber grob, worauf ich sagte: Siehst Du, jetzt hast D u die Gemütlichkeit. Aber Du hast doch in jüngster Zeit so viel gelesen von dem Bestreben, im Zusammenschluß die Gegensätze zwischen Ost und West nuszugleichen oder zu Überdrücken, oder einer soll vom andern was lernen, oder sie sollen sich einander verstehen lernen. Nun, sag einmal, hast Du

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.