Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 19 (9.5.1913)
- Date
- 1913-05-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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IReicb und Ausland: Lettungsprelslllte. Kapern: Leitungsnummer 546. Geschäftsstelle: - M. DuMont Schauberg. Stratzburg i. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichiuger, König!. Hofbuchhündler, Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Stratzburg durch die Elsässische Aktiengesellschaft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Nordmann. Scbützenitraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 1-3. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 'Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Lesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. Las Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. - Inserate nach Tarif. Abonnements nimmt jede Volwnllall entgegen. IV. Jahrgang. Ansbach-Stratzburg, 9. /Dai 1913, 2. Ajar 5673. Dr. 19. Inhalt. Leitartikel: Priesterwürde. - Die neue bayerische Kirchengemeindeordnung. — Zum Kultusbudget — Äus aller Welt. — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeilen. — Familiennacyricbten. — Rätsel-Ecke. — Erieskasten. - Bücherbesprechung. — Vermischtes. — Sprechsaal. Der Zar und der Schneider. — Eine Wette. — Letzte Nachrichten. -- Spendenliste des Erez-Jsrael-Bureau Mülhausen i. E. Inserate. Zu HIBN ■£. ^nesterwürde. Die Thora lehrt uns die Gleichheit der Sterblichen, indem sie uns die Abstammung der Menschheit von einem Menschenpaare berichtet, und von einem Talmudlehrer wird dies als die „große Regel" bezeichnet.. Aber sie zeigt auch die Unterschiede, die erkannt und anerkannt werden müssen. Nicht nur hebt sich Israel von den Völkern ab, sondern das heilige Volk selbst scheidet sich in Israeliten, Leviten und Priester. Der erste Teil unserer Sidrah und die zugehörige Haphthrah sprechen von den Besonderheiten des Priesterstandes. Seinen Beruf hat sich.der Priester nicht selbst gewählt, sondern er ist in ihm geboren. Er kann wohl die Pflichten seines Priestertums verletzen, aber er kann nicht endgültig aus ihm austreten. Schlimm genug, wenn er sich einer Pflichtverletzung schuldig macht. Denn erhöhte Würde ist erhöhte Verantwortlichkeit. Noblesse oblifiv. So Manches, was dem gewöhnlichen Israeliten erlaubt ist, dem Priester ists verboten. Für ihn gilt, was der Stammvater der Priester erfahren hat in schwerer Stunde: bikrauvus ekodesch „an denen, die mir nahe stehen, will ich geheiligt werden". Denn der Priester ist ja nicht um seiner selbstwillen da, sondern um des Volkes willen, auf das er eine heiligende Wirkung ausüben soll. Lehrer seines Volkes soll er sein, wie das heutige Prophetenwort ihn zeichnet, die beste Belehrung aber ist das eigene Exempel. Was Aron und seine Söhne den Israeliten, das soll Israel den Völkern sein: Priester dem Ewigen. Ein Priestervolk mit erhöhter Verantwortung und einem erweiterten Umkreis von Pflichten. Auch sein Beruf, in den jeder seiner Angehörigen hineingeboren wird, besteht darin, heilig zu sein seinem Gotte. Und auch für das Priestervolk gilt das Wort: „an denen, die mir nahe stehen, will ich geheiligt werden". Wenn wir Inhalt und Gliederung unseres Wochenabschnittes betrachten, finden wir, daß Mittel- und Gipfelpunkt in dem Satze liegt: „Ihr sollt nicht entweihen meinen heiligen Namen und ich will geheiligt werden imnitten der Kinder Israels." K i <1 (I u s c h h a s e h i> m zu üben, Chi 11 ul haschem zu meiden, das ist der Juden große Aufgabe auf Erden, der kein als Jude Geborener sich entziehen darf. Freilich darf dabei nicht bloß an die verengerte Bedeutung gedacht werden, die diese Begriffe zuweilen in unberechtigter Weise annehnien. Kidduscli haschem im größten Sinne übten unsere Vorfahren, jene „Kehilauk liakaudesch scheinosrn nafsciioin al Kedn<chas haschem", an welche uns die Piutim der Omerfabbate erinnern, die lange Reihe jener schlichten Helden, die ihr Leben dahingaben, um den heiligen Namen des Ewigen nicht zu entweihen. Aber Kiddnsch haschem kann der Jude auch in weniger heroischen Zeiten üben jedesmal dann, wenn er für die Erfüllung des göttlichen Willens Opfer zu bringen bereit ist. Kiddnsch ha schein übt der Jude, der Sabbat und Festtage heiligt, wenn es auch schwer fällt; ein Ohilhil haschein ists, wenn an Gebäuden, die jüdischen Zwecken dienen sollen, am Sabbat gearbeitet wird. Nicht umsonst wohl folgt der Aufforderung, den Namen Gottes nicht zu entweihen, sondern zu heiligen, die Sabbat- und Festtagsgesetzgebung. Wenn Moses Montefiore auch bei seinem intimen Verkehr mit den Großen dieser Erde streng die Speisegesetze befolgte, so war dies ein Kiddnsch haschem, das Gegenteil fand statt, als ein großer Teil der von Napoleon berufenen Notabelnversammlung am Sabbat einen Stimmzettel schrieb. Auch das Priestervolk ist nicht um seiner selbst willen da, sondern „um ein Licht den Völkern zu sein". Aber es wird seiner Aufgabe nicht gerecht durch bloßes Schauen nach außen, sondern durch Unterordnung unter den Willen Gottes in allen Lagen des Lebens, denn so ist des Ewigen Wort: „Ich will geheiligt werden inmitten der Kinder Israel." Die neue bayrische Kirchengemeinde-Grdnung. (Fortsetzung.) Und damit sind wir eigentlich an einem der gewichtigsten Differenzpunkte angelangt, welcher vielleicht in allen deut-