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Das jüdische Blatt · 1913-04-18 · 16/17 (18.4.1913) · p. Seite 11

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
16/17 (18.4.1913)
Date
1913-04-18
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Analphabeten waren darunter 400 männliche und 417 weibliche, im ganzen 817. 73 Personen im ganzen mußteil aus verschiedenen Gründen zurückwandern. 576 Frauen ohne Begleitung trafen im Hafen von Nem-Pork im Februar 1913 ein, und angesichts sonstiger Irreführung der öffentlichen Meinung ist hervorzuheben, daß 566 von diesen Frauen ohne Begleitung zu nahen Blutsverwandten kainen, wo sie gut aufgehoben sind. Der Metropolit in der Synagoge. Der griechische Metropolit von Strumtza hatte, gleich nachdem die Griechen diesen Platz besetzt hatten, in einer Unterredung mit dem Oberrabbiner von Saloniki diesem das Versprechen gegeben, sich der Juden von Strumtza so anzunehmen, wie wenn sie seine eigenen Gemeindemitglieder wären. Als nun vor ungefähr zwei Wochen am Sabbat die Juden in Strumtza zum Gottesdienste in der Synagoge versammelt waren, erschien der Metropolit in der Snnngoge und erbat sich die Erlaubnis, an die dort versammelten Juden eine Ansprache zu richten. Die nicht wenig überraschten Betenden gaben natürlich die Erlaubnis, und der Metropolit hielt an die in ihren Betgewändern Versammelten eine aufmunternde Rede, an deren Schlüsse er an die Gemeinde die Frage richtete, ob sie irgend welche Wünsche oder Grund zu Klagen und Beschwerden hätten. Die Juden antworteten, daß sie, nachdem die Ordnung wieder hergestellt sei, im großen und ganzen sich zufrieden geben wollen, doch drücke sie bloß eine Sorge, und zwar diejenige, daß sie infolge der großen Schäden, die sie durch den Krieg erlitten, nicht in der Lage seien, ihre Schule, die schon seit Monaten geschlossen ist, wieder zu eröffnen, daß sie außerstande seien, das Gehalt für einen Lehrer aufzubringen. Der Metropolit versprach, für diese Kosten sorgen und sich an den Grand-Rabbin von Saloniki um Empfehlung eines geeigneten Lehrers wenden zkl wollen. Der Besuch des Metropoliten in der Synagoge und sein Verhalten daselbst hat auf die durch den Krieg herabgekommenen und eingeschüchterten Juden von Strumtza begreiflicherweise einen mächtigen Eindruck gemacht. Sprechsaat. (Für die in dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.) An die verehr!. Redaktion des „Das Jüdische Blatt". Ich möchte feststellen, daß es der Moria trotz eines kleinen Propagandafonds und der gehässigen Anfeindungen innerhalb und außerhalb der Orthodoxie gelungen ist, nur um ein Beispiel anzuführen, in Hamburg-Altona allein eine Ortsgruppe von ca. 300 Mitgliedern und eine Jugendgruppe von 75 Mitgliedern zu bilden. Ebenso irreführend ist die Angabe, daß die Versammlung keine neuen Gesichtspunkte gezeitigt habe. Abgesehen vom Bienenprojekt hat die Moria jetzt den Bau von Jemenitenhäusern in Angriff genommen. — Im Gegensatz zur Agudas Israel, die an Ueberproduktion von Projekten und Aufgaben leidet, arbeitet die Moria, die in weitesten Kreisen der Judenheit Sympathie und Begeisterung zu wecken verstanden hat, ohne wie die Agudn in die lärmende Trommel zu schlagen, z i e l b e w u ß t an der Lösung der einen einzigen Aufgabe, die jüdischen orthodoxen Kreise auf der Grundlage eines wahrhaft orthodoxen Progrannns zusammenzuschließen. Im Gegensatz zur Aguda, die von einzelnen Philantropen gehalten wird, hat Moria die Massen hinter sich. Aber nicht nur die Versammlung in Hamburg war erfolgreich und hat Begeisterung, namentlich unter der Jugend, geweckt, sondern auch die Bersammlung, die kürzlich in Frankfurt stattfand, ist von allen Seiten als eine gut besuchte und von Erfolg gekrönte bezeichnet worden. Leuten, die auf dem Umwege der Bekämpfung bestehender Organisationen Propaganda für die Aguda machen wollen, möchte ich mit den Worten der vor vorwöchentlichen Hafthora zurufen: TE/DHl I^ID Ein Morianer! (Wir haben, um der Gerechtigkeit zu dienen, diesen Brief unverkürzt zum Abdruck gebracht, obgleich wir manche Ausdrücke, die er enthält, für ganz unberechtigt halten. Der aufmerksame und unparteiische Leser wird die Herbheit der hier gebrauchten Worte richtig einzuschätzen wissen. Jedenfalls sieht der Einsender u. E. in dem „Hamburger Brief" in Nr. 13 zu Unrecht einen Angriff auf die Moria. Die Idee, die Moria zu einer Palästina-Abteilung der Aguda zu gestalten, wurde auch uns aus Moriakreisen mitgeteilt. Red.j Burghaslach, 14. April 1913. In Ihrem geschätzten Blatte, Das Jüdische Blatt Nr. 15 vom 11. April 1913, ist ein Artikel enthalten aus Burg- Haslach. Darin kommt folgender Satz vor: „Trotzdem fand sich merkwürdigerweise Gelegenheit zu einem Seitenhieb auf die Orthodoxen." Hier sind Sie von Ihrem Berichterstatter falsch brichtet worden, denn der betreffende Vortragende, Herr Lehrer Wormser, war nur sachlich, ich muß Sie daher bitten, diese Sache in Ihrem Blatte zu berichtigen, und Ihr Herr Berichterstatter soll einmal seinen Namen nennen, damit er auf seinen Irrtum aufmerksam gemacht werden kann. Mit Hochachtung ergebenster Benno I a u e r, Kultusvorstand. -— _ . ^- Won dem Mulrnärchen. Die Zeit vor Pesach ist auch die Zeit der Blutlüge. In Russisch-Polen hat die Saison schon seit geraumer Zeit begonnen. Nur wollte das Geschäft nicht recht gelingen. Es ist dort schon so weit gekommen, daß ein von den Hetzreden angesteckter christlicher Vater seine eigene siebenjährige Tochter mißhandelte, um aus ihr einen Blutzeugen zu machen. Glücklicherweise siegte im rechten Augenbilcke noch die Vaterliebe über die Ueberspanntheit einer aufgeregten Seele. Aber wer kann dafür bürgen, daß nicht irgenwo in Polen eine Justinsky-Affaire entsteht? Selbst in Böhmen, in Choülovic bei Pecek erhob sich das Gespenst. Das Dienstmädchen der jüdischen Handelsfrau Veleminsky war „verschwunden" und das unwissende Volk drohte schon mit Fenstereinschlagen. Indessen wurde festgestellt, daß die 17 jährige Magd Marie von der Frau Veleminsky in den Dienst zur Katholikin Frau Stuchly, der Gattin eines Eisenbahnbeamten in Bodenbach, überlassen worden war, daß sie dort lebt und gesund ist. Aber die bloße Versicherung dieses Faktums, sogar ihr eigenhändiger Brief genügten nicht: das Mädchen mußte aus Bodenbach berufen werden, und erst als sie selbst angefahren kam, trat Ruhe ein. Die Prager Zeitungen treten nachdrücklich für die Bekämpfung dieses verderblichen Aberglaubens ein und warnen davor, ins Mittelalter zurückzukehren. Für die Presse ist die Stunde der Selbsterkenntnis gekommen in der Zeit, wo der Hilsner-Prozeß wieder ausgenommen werden soll, weil Zeugen gefunden worden sind, die bestätigen können, daß Hilsner unmöglich die Agnes Hruza ermordet haben konnte. Selbst in Rußland gibt es noch christliche Männer, wie den Warschauer Bezirksrichter Martinow, die es wagen, die Un-

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