Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 16/17 (18.4.1913)
- Date
- 1913-04-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif. — Abonnements nimmt jede poftanftalt entgegen. iv. Aabrgang. Ansbach-Ltratzburg, rs. April 1913, n. ißiffan 5673. l6r. ie;i7. «=" 1 :: l --. ' ■ - Inhalt. Leitartikel: Das Zahlenlied. — Die. bayrische Kirchengemeindeordnung. — „Liberal." — Die „Ausländischen" Studenten. — Brief vom Lande. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Wochentölender. — Gebetszeiten. — Familiennachricbten. — Rätsel-Ecke. — Vermischtes. — Sprechsaal. — Von dem Blutmärchen. — Erzählet Euren Kindern .... — Ein Pesachmärchen. — Eine Wette. — Briefkasten. — Geschäftliche Mitteilungen. —Inserate. —--—I-;- Die heutige Pesachnummer des „Das jüdische Glatt" erscheint 24 weiten stark als Doppelnummer (16|17). SW* Die nächste Nummer (18) erscheint erst am Freitag. 2. Mai. Das Jafilentied. Eine Pesachbetrachtung von Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein in Mosbach. Der herrliche Frühling ist gekommen und mit ihm das Wiederaufleben der im Winter scheinbar abgestorbenen Natur. Auch wir feiern unser Frühlingsfest zur Erinnerung an die Wiederbelebung aus dem starren Winterfrost ägyptischer Knechtschaft, ein Fest der Wiedergeburt unserer Nation, ein Fest der Freiheit. Die Freiheit ist ein kostbarer Schatz, ein edles Gut, eine herrliche Errungenschaft, so lange sie in den gesetzlichen Schranken bleibt und nicht aüsartet in Zügellosigkeit und Willkür. Um uns hiervon zu schützen und zu bewahren, müssen wir an den Grundsätzen festhalten, aus denen die Freiheit hervorgegangen ist: wir müssen die Richtlinien feststellen, die der Freiheit zugrunde liegen und sie ausgestaltet haben. Wir finden sie in einem schönen Liede angedeutet, das wir gegen Schluß der herrlichen Sederabende anstimmen. Es ist ein Zahlenspiel und gibt Antwort auf die Frage: Welches sind die Richtlinien für Erhaltung und Bewahrung rÄigiöser Freiheit und religiöser Lebensführung? Die Grundlage der Religion, das Fundament, auf dem sie aufgebaut ist, das ihr wahren Halt gibt für ewige Zeiten, ist der Glaube an Gott, den Einzigen, der Himmel und Erde umfaßt; es ist die absolute Einheit, die im Himmel thront und die ganze Welt beherrscht. Dieser einzige Gott, dessen Wirken in der Zeit der ägyptischen Knechtschaft und in der Befreiung aus pharaonischer Tyrannei vor dem ganzen jüdischen Volke sich so augenfällig und so sichtbar offenbart hat — er hat uns den Zweck der Freiheit in den zwei Bundestafeln bezeichnet, die Sein Werk sind und von Seiner Hand geschrieben wurden. Diese beiden Tafeln sind hervorgegangen aus dem Bunde, den Gott mit Israel geschlossen hat. Dieser Bund war längst vorbereitet durch die drei Stammväter und deren Verdienste die Erwählung Israels zum Träger des Gottesgedankens zur Folge hatten. Mit den Stammvätern wirkten in gleichem Sinne die vier Stammütter. Der Erfolg musterhafter häuslicher Erziehung und Herzensbildung, wie er in ihrem Leben hervortrat, ist beispielgebend für die Nachwelt in der Thora dargestellt. Das erste Buch Moscheh ist ein wesentlicher Bestandteil der Thora, denn es steht im engsten Zusammenhang mit der Gesamtgeschichte Israels und mit der Aufgabe, deren Lösung der jüdischen Glaubensgemeinschaft anvertraut wurde.') Es ist ein Fünftel der Thora, das den andern vier Fünfteln vorangeht, um in Verbindung mit ihnen ein Ganzes zu bilden. Die vier andern Bücher enthalten hauptsächlich die auf das jüdische Pflichtenleben bezüglichen Bestimmungen, die aber zu ihrer richtigen Erfassung und Vervollständigung der mündlichen Lehre bedurften. Diese ist uns so heilig, wie die schriftliche Lehre; sie wurde Moscheh am Sinai mitgeteilt, durch mündliche Tradition auf die folgenden Geschlechter übertragen und in den sechs Büchern der Mischnah und deren weiterer Ausbauung und Erklärung schriftlich niedergelegt. Die Verpflichtung zur Befolgung der in schriftlicher und mündlicher Lehre enthaltenen Gesetze beruht auf der Tatsache, daß Gott mit Israel einen Bund geschlossen hat. Als äußeres Zeichen dieses Bundes steht obenan die Sabbatfeier, an der nicht zu ändern und nichts zu rütteln ist; sie kann und darf ') Vgl. hierzu den Anfang des Raschikommentars zu I. B. M. 1,1.