Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 15 (11.4.1913)
- Date
- 1913-04-11
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Das jüdische Klatt. Nr. 15. recht schwer ist, eine Inhaltsangabe der „M echabberoth" dem Hauptwerke Immanuels, das ein Pendant zu Tristan und Isolde ist, zu geben, verstand es der Redner dennoch, durch die Rezitation der einzelnen Novellen, Parodien, Briefe, Lobreden und Gedichte ein lebhaftes Interesse bei allen zu erwecken und die Meisterschaft Immanuels im vollen Lichte zu zeigen. Immanuel überragt seinen Zeitgenossen und Freund Dante um Riesenlänge an humanem Geist und aufgeklärter Gesinnung. Im Paradiese Immanuels finden auch die Frommen aller Nationen Platz, denen Dante den Eintritt verwehrt. Mit Recht konnte man sagen: „Dante dichtete eine göttliche Komödie, Immanuel eine menschliche." Aber nicht nur die leichtgeschürzte Poesie Immanuels unterhielt die gespannten Zuhörer, auch die ernsthaften Schriften, wie sein „Eben B o ch a n", erweckte die Bewunderung iür den gelehrten Dichter und Meister der hebräischen Muse/ Lebhafter Beifall belohnte den Redner für seine gediegenen Ausführungen, die die Zuhörer von dem trockenen Alltagsleben für einige Augenblicke in das herrliche Reich altjüdischer Poesie versetzte. Der Präsident, Herr E. H e y m a n n, sprach im Namen aller, wenn er dem Wunsche Ausdruck verlieh, Herrn Dr. Lewenstein in Basel recht bald wieder als Referenten begrüßen zu können. Es ist wohl dann zu erwarten, daß die sonst so kunstsinnigen Baseler Juden, die die Theaterlogen und Konzertsäle bevölkern, noch zahlreicher erscheinen. — Am Sonntag vormittag fand im Gemeindehause die Schlußprüfung der israelitischen Religionsschule und die feierliche Entlassung des letzten Jahrganges statt. In dem zwei Stunden dauernden Examen legten die Schüler ein beredtes Zeugnis von der Leistungsfähigkeit der Schule ab. Zwei Schüler, Louis Levy und Alfred Meyer, hielten sehr schöne und gediegene Vorträge. Der eine sprach über „Das große Sanhedrln", der andere über „Die Emanzipation der Juden in der Schweiz". Den Ausführungen beider folgte lebhafter Beifall. Es zeigte sich wieder, daß die Schule es verstanden hat, die Jugend für das Studium der jüdischen Geschichte zu begeistern und ihren historischen Sinn zu stärken. Zum Schlüße ermahnte Herr Rabbiner Dr. Cohn die Schüler, fest und treu zur Fahne des positiven Judentums zu halten. A. Vermischtes. Die Synagoge in kaifengfu in China. In der chinesischen Presse wurde unlängst berichtet, daß die in Verfall geratene Synagoge der jüdischen Kolonie in Kaifengfu in der Provinz Honan von einer amerikanischen Mission gekauft worden sei. Diese Nachricht erinnert die Oeffentlichkeit wieder einmal, wie der „Franks. Ztg." aus Schangai geschrieben wird, an die kleine, chinesische Judengemeinde in Honan, der einzigen, die sich von den vielen anderen, die schon in der Hanzeit (um 200 v. Chr.) in China gegründet wurden, erhalten hat. Im Lauf der Jahrhunderte sind die Mitglieder der Kaifengfuer Gemeinde völlig zu Chinesen geworden, wenn auch der Gesichtstypus vielfach noch auf eine fremde Rasse deutet. Sie huldigen aber weder einem chinesischen Glaubenssystem noch befolgen sie den Ritus ihrer fast vor 2000 Jahren eingewanderten Vorfahren. Zum Teil haben sich noch einzelne Ueberlieferungen erhalten. So ist es verboten, Schweinefleisch zu essen: vor dem Genuß anderen Fleisches müssen alle Sehnen entfernt werden; ferner ist nicht gestattet, bei Hochzeiten „heidnische", das heißt chinesische Musikinstrumente zu benutzen. Die Zahl der Juden in Kaifengfu beträgt etwa 400; sie sind in 12 Familien eingeteilt. Die Ausländer haben erst im 17. Jahrhundert von dem Vorhandensein der jüdischen Kolonie in Kaifengfu erfahren. Pater Rizzi, einer der gelehrten Jesuiten, die im 17. Jahrhundert am mandschurischen Kaiserhof lebten, hat zuerst auf die chinesischen Juden aufmerksam gemacht. Durch einen Zufall erfuhr damals Rizzi, daß in Peking Chinesen angekommen seien, die nur einen Gott verehrten. Rizzi trat mit ihnen in Verbindung und er berichtete darauf eingehend über die jüdische Kolonie an den Vatikan. Später besuchten Ausländer aus wissenschaftlichem Interesse Kaifengfu, das damals noch infolge seiner schlechten Verbindungen mit der Küste im tiefsten Innern Chinas lag, und studierten die alten Inschriften in der Synagoge. Eine der Inschriften hat folgenden Inhalt: „Unser ältester Vorfahr ist Adam. Der Gründer unserer Religion war Abraham; ihm folgte Moses, der die Gesetze machte und dem Volk die heiligen Tafeln übergab. Während der Hanzeit kam unsere Religion nach China. Im zweiten Jahr des Herrschers Siautsung der Sungdynastie (1164 nach Chr.) wurde diese Synagoge gebaut. Die, die versuchen, Gott in Bildwerken zu sehen, verehren nur leere Formen. Die, die die heiligen Schriften ehren und befolgen, lernen den Ursprung aller Dinge kennen." — Vor einigen Jahren waren in ausländischen jüdischen Kreisen Schanghais Bestrebungen im Gange, ihren darbenden chinesischen Glaubensgenossen in Kaifengfu zu helfen. Es scheint aber, daß damals nichts Durchgreifendes geschehen ist, denn sonst wäre die Kaifengfuer Judengemeinde nicht gezwungen gewesen, ihre verfallene Synagoge an eine ausländische Missionsgesellschaft zu veräußern. Das Vermögen der Warschauer jüdischen Gemeinde. Dem letzten Berichte der jüdischen Gemeindeverwaltung in Warschau sind folgende Daten zu entnehmen: An Wertpapieren besitzt die Gemeinde 1 022 665 Rubel, an Immobilien 1 440 553 Rubel. Die Einnahmen in 1912 erreichten 564 197 Rubel. Hiervon wurden verausgabt an Gehältern 150 000 Rubel und der Rest für Gotteshäuser und Wohltätigkeitszwecke verwendet. W Wochenkalender. m 1913 5673 Sabbat Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerst Freitag 12. April '13. „ 14. „ 15. „ 16. „ 17. .. 18. „ 5. Nissan 6. „ 7. „ 8. „ 9. „ 10. „ 11. „ Gebelszeilen. Ansbach. (Freitagabend) . . 6 11. 30 (Sabbatausgang) 7 U. 13 Basel . -. 7 U. 54 Fürth . . . 6 11. 45 7 U. 15 Metz. . . 6 11. « 8 ll. oo Mülhausen. > . — U.— —U.— München: Synagoge Herzog-Maxstr. . . . 6 U. 15 7 U. oo „ Herzog-Rudolfstr. . . 6 U. 45 7 U. 39 „ Müllerstraße. . . . 611. 13 7 11. 3» Nürnberg: Synagoge Essenweinstraße . . . 6 11. 50 7 U. 15