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Das jüdische Blatt · 1913-04-04 · 14 (4.4.1913) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
14 (4.4.1913)
Date
1913-04-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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fall IReicb und Ausland: Leltungsprelslllte. Kapern: Leitungsnummer 546. Geschäftsstelle: —M. DuMont Tchauberg, Ttratzburg i. Els. — Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, Königl. Hofbuchhündler, AnSbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Ttratzburg durch die Elsässtsche Aktiengesellschaft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Nordmann, Schützenstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 «>• das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif.- Fr. In In Abonnements nimmt jede Dottanttalt entgegen. iv. Zabrgang. Ansbacb-Stralzburg, 4. April 1913» 26. Adar II 5673. ikr. 14. Inhalt. Leitartikel: Pädagogische Plauderei. — Encore les „Richtlinien“. — Brief vom Lande. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrichten. — Rätsel- Ecke. --- Haß und Liebe. — Inserate. pädagogische Mandern. ynm 'e In alten Zeiten begannen die Kinder in der Schule die Uebersetzung des mit dem 3. Buch, dem Buch des Opferdienstes im Tempel. Nicht die Entwicklung der Menschheit (Genesis), nicht die Aussonderung einer besonderen Familie, einer besonderen Gemeinschaft (Exodus), wie es die Reihenfolge verlangte, war der Anfang. Wie sollte auch das Kind diesen großen Gedanken der Entwicklung aus dem Einzelwillen zum Gesamtwillen, aus dem Individuum zur Gesellschaft in seiner ganzen Größe erfassen? Was versteht das Kind von Vergangenheit, wo alles sich um sein eigenes Selbst dreht, wo es nur immer Gegenwart erlebt, wo das Gestern mit dem Auftauchen des Heute im Meere der Vergessenheit versinkt. Da ist es schwer, auf das Leben der Vorfahren zurückzugreifen, einen Zusammenhang mit ihnen verständlich zu machen. Nur die lebendige Gegenwart im Spiele aller ihrer beweglichen Kräfte vermag Eindruck auf das Kind auszuüben. Solche großen Eindrücke erhielt es im Opferdienst, im Zusammenströmen aller an diesem einen Punkte. Und da sah es, wie viele andere dieselben Handlungen vorncchmen wie Vater und Mutter. Es mußte daraus schließen, daß jene andern wohl dasselbe waren wie die Eltern, keine Fremde, und es zählte sie alle zu seiner Familie. Das mochte wohl tiefer und mit mehr Ueberlegung gefühlt worden sein, als bei den Kleinsten, die jeden Menschen für Onkel oder Tante halten. — Später ist an Stelle des Opferdienstes das Gebet getreten, die Synagoge, der Ort der gemeinsamen Zusammenkunft, dreimal täglich, wie die Familie dreimal täglich am Tische sich zusammenfindet. Diese täglichen Wahrnehmungen mußten sich zu einer Vorstellung verdichten, die nicht so schnell mehr das Bewußtsein des Kindes verließ. An dieses knüpfte man nun in einfachster Weise die Lektüre des Buches Leviticus an, und der Gedanke des gemeinsamen Wollens und gemeinsamen Handelns einer geschloffenen Gemeinsamkeit wurde durch die Schule lebendig. Das war der allgemeine Ertrag des ersten Thoraunterrichts. Im besonderen aber wurden dadurch viele Gedanken angeregt, die gerade für die Bildung einer jungen Seele besonders geeignet waren. Das gemeinsame an ihnen ist, daß sie alle den Stempel der ernsten (soll nicht heißen: finsteren, pessimistischen) Auffassung des Lebens tragen. Wir wollen hier nur zwei erwähne.n, zwei Gedanken, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, aber in Wirklichkeit eng miteinander verknüpft sind. Ihre Ausführung ist die jüdische Lösung eines unserer modernen Erziehungsprobleme. Bei der Durchnahme der Opfer, der Sünd- und Schuldopfer, erfuhr das Kind, daß auch bei den Großen, bei seinen Eltern jede Schuld eine Sühne verlangte. Dadurch lernte es die eigene Sühne und Strafe richtig auffassen und würdigen. Jede Schuld zieht Sühne nach sich, also wußte das Kind, werden seine Eltern für ihr Liebstes, für das sie tagtäglich die größte Liebe aufwenden, die Schuld meiden, die daraus notwendig erwachsende Sühne abwenden. Es machte sich dadurch der freie Gehorsam Bahn, der da volles Verständnis zeigt für Bitte und Befehl, zugleich auch ein frühes Verantwortungsgefühl angesichts der Verkettung von Ursache und Wirkung. Das Leben, das dann dem Jüngling, der Jungfrau später entgegen trat, entstand nicht im Gegensatz zu der bis jetzt vorgestellten Welt, war kein luftiges Phantom, auch kein leidengebärendes Jammertal. Wenn dann so auf den sonst lachenden Gesichtern der Ernst, aber immer nur der frohe, mutige Ernst sichtbar wurde, dann konnte man auch an die y'nin gehen, an das Thema der geheimnisvollen Naturwunder. Keine Ammenmärchen und Storchgeschichten wurden den Kindern vorgeschwatzt. Sie erfuhren auf ganz natürliche Art die Wahrheit, ohne daß Vater, Mutter oder Lehrer sich dazu in Pose setzten. Das Opfer, das die Mutter als Dankopfer brachte, zeigte ihnen, daß sie um Mutter zu werden, in Lebensgefahr war. Sie verstanden dadurch den

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