Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 13 (28.3.1913)
- Date
- 1913-03-28
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13. Das jüdische Klatt 11 „Ich? N'e!" rief Lazarus mit dem Ausdruck des höchsten Abscheus. „Ein Sterbender verlangt nach Ihnen." „Verlange Sie Menschliches und nicht, was Uber die Kräfte geht. Wenn ich alles vergessen könnte, den Tod meines Pflegefohnes könnte ich nicht. Ich ginge nicht hin und wenn ihm mein Antlitz Erlösung bringen sollte." Ohne ein Wort zu erwidern, entfernte sich Jonathan. Er fuhr mit der Mutter allein nach B. Um Mitternacht war er wieder bei Lazarus. Jetzt widerstrebte er nicht mehr, ihm zu folgen. Er hatte während der paar Stunden Abrechnung mit sich gehalten, war in sich selbst eingekehrt und die Folge davon war, daß er milder und versöhnender geworden. Seine Vernunft und seine wahre, reine Frömmigkeit hatten über die, wenn auch gerechte, Hartherzigkeit gesiegt. Wenn der junge Mann ihn nicht geholt hätte, wäre er selbst hinausgefahren. Bevor er Jonathan folgte, beugte er sich Uber die Tochter. Ein verständiges, wenn auch mattes Aufleuchten ihres Auges schien ihm für seine Handlung zu danken. Beruhigt fuhr er nach B. Der Anblick Feitels, sein jämmerlicher Zustand, hätten ein härteres Herz, als das Lazarus erschüttert. In einer ärmlichen Bauernstube, deren einziger Schmuck von Rauch geschwärzte Heiligenbilder waren, lag der Hausierer auf einer schmutzigen Streu. Sein Kopf war verbunden, das Gesicht auf eine schreckliche Weise verändert, die Augen glUhend und unheimlich. Mirjam saß auf der Streu vor ihm und hielt seine Hand in der ihrigen. i „Ist er da?" röchelte der Hausierer, als sich der Sohn Uber ihn beugte. Lazarus, der schaudernd mitten im Zimmer gestanden, trat mit einer gewaltigen Kraftanstrengung näher. „Verzeiht er?", frug Feitel mit fast erlöschender Stimme. „Er verzeiht, stirb in Frieden", versetzte Lazarus, bewegt von der Qual seines Feindes. Eine Weile lag er ruhig, das Wort schien ihm Erlösung gebracht zu haben. Dann aber hob er die schweren Augenlider und stöhnte: „Gott, Gott, wird mir nicht vergeben." „Er wird's", sagte der Sohn mit beruhigendem Tone, beugte sich Uber ihn und faßte die Hand des Hausierers. Der Hausierer aber entriß ihm sie mit Fieberhaft, ein entsetzter Ausdruck breitete sich Uber sein fahles Gesicht. „Fasse mich nicht an", röchelte er, „ich bin ein Verfluchter, ein von Gott Verstoßener, ich habe selbst Hand an mich gelegt. In jener Nacht, wo meine SUnden das Maß Überschritten und ich den eigenen Sohn ins Ungliick gestUrzt, stUrzte ich mich vom Felsen in die tiefe Schlucht. Ich hatte mich auf den Tod verletzt, hatte ihn aber nicht gleich gefunden. Weh mir, weh mir, ich war ein Gottloser lebenlang! Habe Gottes Gebote übertreten, seineil heiligen Namen geschändet und nur Böses gesucht und gewollt. Unter Christen habe ich gelebt und Ihresgleichen, jetzt sterbe ich, umgebeil von ihren Heiligen, etil Bösewicht war ich uild sterbe durch meiile eigene Haild. Gott wird mich verfluchen." Joilathan hatte geahnt, was jetzt der Sterbende beichtete. „Jonathan, gib mir Deine Hand", schrie jetzt Feitel plötzlich allf. Der Doktor willfahrte ihm. „Wirst Du Kadisch nach mir sagen? Wirst Du?" „Ich werde." „Ich bin ein Selbstmörder, schwöre es mir." „Ich schwöre es." Wieder lag der Hausierer eine Weile still. „Jonathan, noch einen Wlinsch erfülle mir, gib ihil mir mit als Zehrpfennig fürs Jenseits. Sei fromm, bleibe fromm, lebe und sterbe als Jude! O furchtbar rächt sich diese Abtrünnigkeit in der letzten Stlinde. Du bist ein guter, ein edler Sohn, sei auch ein frommer Sohn und mach dadurch an Deiner Mutter gut, was ich dura) Jahre verbrochell, was Du ihr selbst an Schmerz zugesügt, versprich es mir, versprich es mir." (Fortsetzung folgt.) Geschäftliche Mitteilungen. Zwischen deil beiden Städten Nürnberg und Fürth, im Tale der Pegnitz, wurde im Jahre 1901 die heute schon zu lokaler Berühmtheit gelangte „König-Ludwig-Quelle" erbohrt und im Sommer 1910 zum ersteil Male der Oeffentlichkeit zugängig gemacht. Dieser zaghaft unterilonnnene Versuch war von einem durchschlagenden Erfolg begleitet und seit dieser Zeit fiildet die Quelle inehr und mehr Verbreitung uild Anerkennung seitens des Nürilberger und Fürther Publikums und ilicht zuletzt der Aerzte dieser beiden Städte und der U llgebung. Die „König-Ludwig-Quelle", eine kohlensäurehaltige, erdig-sulfalische Kochsalztherine, wird rilit unbestrittenenl Erfolg gegen akute und chronische Verstopfung, Stärlingen der Verdaliungsorgane, Katarrhe des Mageii-Darinkaiials getrunken, ferner gegen Leberleiden, entzüiidliche Vorgäilge in der Gallenblase, bei Neigung zu Gallensteiilbildling, bei allen Arteil von Stoffwechselkrankheiten, Eicht. Fettsucht und Zuckerkrankheit. Alis Grund dieser Erfolge wurde mit der Errichtung eines Berstichsbadcs ein Schritt weiter gegangen uild die Wirksamkeit bei „König-Ludwig-Quelle" therapeutisch erprobt uild auch hier, ebenso wie bei der Trinkklir, mit gutem Erfolg angewendet. Die Einwohnerschaft hat der Entwicklung dieses Bades das größte Interesse entgegengebracht und im Herbst 1912 entschlossen sich die (Eigentümer der Quelle zu einem Neubau, der im Frühjahr d. I. eibsmet werden wird. Die,cs „König-Ll>dwig-Bad" wird mit allen Errungeilschasien der Vadetechnik ausgestattet und sowohl in hygienischer als auch in technischer Beziehung eine derartige Vollendung ausweiseil, wie sie bisher in einem Heilbad selten anzutrefsen ist. Einem von den Badegästen aller, auch denen der größeren Bäder dringend empfundenen Bedürfnis entsprechend und einem aus der Praxis sich ergebenden Wunsch der Aerzte nach Ruhegelegenheit Rechnling tragend, erhält jedes Bad gleichzeitig zwei Ruhekabine», um den Gästen die Möglichkeit zu bieten, der vom Arzt so häufig verordneten lind notwendigen Rlihe nach dem Bad in bequemer Weise pflegen zu können. Es ist dies eine Neuerling, die von den Aerzten und Badegästen mit Freuden begrüßt werden wird. Ist es doch bekannt, daß gerade * die Ruhe nach dem Bade ein Haupterfordernis für den Erfolg einer Badekur bildet. Die sämtlichen Rämile werden gut ventiliert, mit Warmwasserheizung versehen und in dieser Hinsicht allen Anforderungen, die an ein modernes Bad gestellt werden können, entsprechen. Es gelangen zlir Abgabe natürlich-kohlensaure Thermalbäder und, lim die Kurnlittel der Anstalt zu vervollständigen und besonders eine Klir gegen Rheumatisrilus, Gicht, Neuralgien, wie Ischias lisw., wirksam zu unterstützen, auch Moorbäder aus dem in bereits allen bayrischen Bäderil mit unbestrittenem Erfolge verwendeten Pflanzenmoor, znbereitet mit dem Thermalwasser der „König- Ludwig-Qlielle". Für Kranke, die ein volles Moorbad nicht vertragen, werden kohlensäureüberfchichtige Moorbäder mit einer Lage des kohlenfälirehaltigen Thermalwassers der „König-Ludwig-Quelle" abgegeben. In diesen sitzt der Badende mit Unterleib uild Beinen im Moor, darüber in einem kohlensauren Thermalbad. Es ist dies eine glückliche Kombination von kohlensaurein Thermalbad uild Moorbad, die insbesondere für Herzkranke usw. mit Aussicht auf guten Erfolg empfohlen wird. Zur Anwendling der bisher scholl in allen wichtigen Badeplätzen eingeführten Fango-Therapie sind auch im neuen „König-Ludwig-Bad" moderne Einrichtungen geschaffeil worden. Auch Jnhalations- und Gurgelräume, in denen das Thermalwasser der „König-Ludwig-Quelle" zur Anwendung kommt, sind vorgesehen. Bis zu Beginn des Frühjahrs wird eine große Parkanlage entstanden sein, die, wenn auch noch jung, doch jetzt schon