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Das jüdische Blatt · 1913-03-21 · 12 (21.3.1913) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
12 (21.3.1913)
Date
1913-03-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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■Reich und Ausland: Lettungsprelslitte. Kapern: Tettungsnummer S46. --- Geschäftsstelle: -- M DuMont Schauberg, Stratzburg i. Elf. Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, König!. Hofbuchhündler, Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Stratzburg durch die Elsässische Aktiengesellschaft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Nordmann, Schützenstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. — ■ -. 1 Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebührcn), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schwei, per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. - Inserate nach Tarif. Abonnements nimmt jede Vollanttalt entgegen. IV. Zabrgang. Ansbacb-Ltralzburg, 21. /Därz 1913, 12. Adar II 5673. Dr. 12. Inhalt. Leitartikel: Der Fluch der Weisen. — Louis Feist. — Deutschland. — Aus aller Welt. — Hilfe für die infolge des Krieges in den Balkanländern notleidenden Juden. — Familiennachrickten. — Rätsel- Ecke. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Purimfreuden. Sprechsaal. — Haß und Liebe. — Purimbeilage. — Inserate. Zu IDT 'S- Der M'uch der Weisen. Eine Betrachtung aus der Megillo. Die Strahlen der königlichen Gunst des Ahasveros hatten einen neuen Brennpunkt gefunden, sie vereinigten sich in dem Emporkömmling Haman, dem Agagi. Die Anschauungen des Königs hatten sich bedeutungsvoll gewandelt, zufolge deren der Kurs seiner Regierung einen gewaltigen Ruck zur Tyrannei tat. Nicht mehr das, was die „Zeitkundigen" für recht erklärten oder was „Herkommen und Sitte" verlangten, sondern die Herrscherlaune wurde nach dem gewaltsamen Tode seiner Gemahlin Basti das entscheidende Gesetz. Wer diese klug zu benützen verstand, konnte den König regieren: er mußte nur mit einer von keiner Tradition getrübten Rücksichtslosigkeit verfahren, um nach jeder Seite den Herrscherwillen als oberstes Staatsgesetz durchzuführen. Bon solcher Natur war Haman, der Agagi, kriecherisch wie ein Wurm gegenüber der Herrschergewalt, hochmutsvoll stolz gegen alle ihm Nachgeordneten Personen. Um Haman zu verstehen, sahen unsere Weisen sich veranlaßt, seine Familienstammtafel genauer zu betrachten. Sein Vater war ein gewöhnlicher Dorfbarbier, der bei Hoch und Niedrig fleißig umhergehorcht hatte, wobei er auch Gelegenheit gefunden, sich die äußeren Formen des srivoir vivro anzueignen. Im traulich verschwiegenen Winkel seines Hauses mochte er wohl auch in Erinnerungen der großen Zeit, da seine Vorfahren als Agags in Amalek herrschten, in Gegenwart des phantasiereichen Sohnes geschwelgt haben. Was Wunder also, wenn sich der Wunsch nach der einstmaligen Familiengröße in Haman zu wirklichen Plänen verdichtete! Das Wort des Franzosen Zola: Er gehörte zu den Schurken, die sich vornehmen, Millionär zu werden und dies auch unter allen Umständen erreichen, kann darum auf Haman Anwendung finden. Er mußte Fürst um jeden Preis werden und wurde es. Nach all diesen Begebenheiten, erzählt die Megillo, hob Ahasveros den Agagi Haman, den Sohn des Hamdata, hoch über alle Fürsten. Keiner durfte es wagen, Haman Ehre und Achtung zu verweigern; keiner liebte ihn. Denn ein Haman konnte nur Haß ausstreuen. Auf fremde Kosten sich bereichernd, Ehre selbstsüchtig beanspruchend und keine erweisend, Gesetz und Herkommen rücksichtslos zerstampfend — wurde Haman mit der Zeit der bestgehaßte Mann im Reiche. Der König sah alle Geschehnisse gefärbt durch die Parteibrille seines ersten Dieners. Damit niemand dem in gefährlichen Schlummer gewiegten Ahasveros die Augen ijffnen konnte, rückte ihn Haman in die unerreichbare Wolkenhöhe des göttlichen Nimbus; mit Todesstrafe wurde derjenige bedroht, der unberufen zum Könige vordränge. Haman gab dies alls vor, um das teure königliche Leben gegen alle Verschwörungen schützen zu können. Dem Hellsehenden am Hofe blieb es unmöglich verborgen, worauf Hamans Politik gerichtet war. Zielbewußt arbeitete der erste Reichsfürst an der Vergrößerung seiner Hausmacht. Dies fühlte die Megillo mit prophetischem Geist voraus; denn Haman ist ihr immer nur der Agagi, der jeder Königstreue, jedes Patriotismus gänzlich bar ist. Vielleicht beabsichtigte die Megillo, dem ernsten Geschichtskenner weitere antimonarchische und antipersische Triebfedern des Hamanschen Herzens zu enthüllen, indem sie 10 der Namen seiner Söhne uns aufbewahrt hat. Der persischen Sprache fehlt bekanntlich das landläufige Lamed; keiner der sieben Fürsten führt diesen Buchstaben in seinem Namen. Herausfordernd prangt aber dieser land- und volksfremde Laut in dem Namen zweier Söhne Hamans: Dalfon und Adalja.H Als Haman herabstürzt vom Fürstenthron, um sich nie wieder zu erheben, kreuzt Ahasveros dessen vaterlandsfeindliche Hauspolitik mit scharfem Schnitt: Seine vaterlandslosen Söhne büßen teils am Galgen, teils gehen sie bettelnd durch das Reich. *) Vielleicht verfolgt ein Orientalist diese Bemerkung, um sie mit philologischem Rüstzeug auf ihre Richtigkeit zu prüfen.

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