Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 11 (14.3.1913)
- Date
- 1913-03-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I Mi IRelcb und Ausland: Leltungsprelslllte. Kayern: Lettungsnummer 54S. Geschäftsstelle: -— M. DuMont Schauberg, Stratzburg i. Elf. . Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichiuger, König!. Hofbuchhündler, Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Stratzburg durch die Elsässische Aktiengesellschaft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Nordmann, Schützenstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zusrellungsgebühren), per Stteifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif.- Abonnements nimmt jede Vottanttalt entgegen. IV. Zabrgang. Ansbacb-Ltratzburg, 14. /Därz 1913, 5. Adar II 5673. Nr. 11. Inhalt. Leitartikel: Ein kleines Olef. — Gegen die „Richtlinien". — Deutschland. — Aus aller Welt. — Hilfe für die infolge des Krieges in den Balkanländern notleidenden Juden. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrichten. — Rätsel-Ecke. — Sprechsaal. — Erklärung. — Briefkasten. — Haß und Liebe. — Israelitisches Knabenwaisenhaus. — Geschäftliche Mitteilungen. — Inserate. Zu jnp''! ‘D Ein Kleines Klef. Ungenauigkeiten im Text Haben schon oft Unheil angestiftet. Wir könnten auf den Streit zwischen Luther und Zwingli, die Abendmahllehre betreffend, Hinweisen; ein kleines Wörtchen verursachte zwei verschiedene Konfessionen. Doch gibts Beispiele, die uns näher liegen. Im Talmud (B. B. 21) haben wir eine Diskussion darüber, welchem von zwei Lehrern man den Vorzug geben soll: dem mehr Wissenden, aber Ungenauen, oder dem weniger Gelehrten, aber peinlich gewissenhaften. Kein Zufall wohl, daß als schlagender Beweis folgende Erzählung angeführt wird: I. Kön. 11. 16 heißt es: „6 Monate blieb Joab und ganz Israel daselbst, bis er alles Männliche in Edom ausgerottet hatte." Nun befiehlt aber Deut. 25: „Du sollst das Andenken ("Dp von Amalek auslöschen", d. h. Männer und Frauen. Joabs Lehrer war etwas leichtfertig im Punktieren und las statt (Andenken) -QT (Männliches). "Bekannt ist auch die weitverbreitete, aber falsche Übersetzung zu Lev. 23. 15, auf die die verschiedenen Sonntagseiern des „Pfingstfestes" zurückzuführen find. Da in Deutschland dieses Jahr die Jahrhundertfeier der Freiheitskriege überall festlich begangen werden wird, so soll auch auf eine „kleine" Textänderung in einer Urkunde jener Zeit hingewiesen werden, die Tausende von Juden rechtlos machte. Es war bestimmt: Jedoch werden denselben (d. h. den Bekennern des jüdischen Glaubens) bis dahin die „in" den Bundesstaaten bereits eingeräumten Rechte erhalten. Gentz machte aus „in" ein „von". „Dieses Taschenspielerkunststück beraubte sie der von den Franzosen, den Napoleonischen Herrschern und Dalberg ihnen einst bewilligten Freiheiten in so vielen jetzt den früheren Regenten zurückgegebenen Gebieten; es stürzte sie wieder in die Unterdrückung hinab, in der sie vor der französischen Zeit geschmachtet hatten." Die Gefährlichkeit der Ungenauigkeiten in Texten oder Übersetzungen leuchtet wohl schon durch dieses Beispiel wohl auch dem Uneingeweihten klar ein. Und doch nimmt niemand Anstoß daran, daß wir „Nowi" mit „Prophet" übersetzen. Ein Prophet ist ein „Vorhersager", ein Weissager", das kann der Nowi sein, doch darin besteht noch lange nicht sein Hauptverdienst. Oder wird Moses deshalb der größte Prophet genannt, der seinesgleichen nie hatte noch je haben wird, weil sich leider seine Tauchochoh so buchstäblich bewahrheitet hat? Oder weil er uns die zwei herrlichsten Sidraus hinterließ, die den Schluß den Pentateuchs bilden? Und was hat die „Prophetin" Mirjam geweissagt? Dagegen besitzen wir herrliche Weissagungen von Bileam, dem „heidnischen Propheten". Steht er auf derselben Stufe wie Mose? oder in welchem Verhältnisse zu ihm? In Abot d. R. Nathan wird schon darauf aufmerksam gemacht, daß unsere „Propheten" zehn verschiedene Bezeichnungen tragen, also nicht einseitige „Wahrsager" sein können. Allerdings treten sie mit wuchtiger Kraft, mit ihrer ganzen gewaltigen Persönlichkeit für die „Wahrheit" ein; denken wir nur an Elia! Ihre Hauptaufgabe bestand darin, die sittliche und religiöse Vollkommenheit in der Tat als alleinige und allgemeine Richtschnur fürs Leben einzuführen. Nun ist es klar: Mose als Überbringer der Thora hat das Hauptverdienst hierin; er ist und bleibt der „größte Novi". Es ist ferner klar: Bileam liebte mehr den Glanz des irdischen Vorteils als die Reinheit der Sittlichkeit (Baal Peor). Er war der damaligen heidnischen Welt das „Ideal des Wahrsagers". Diesen gewaltigen Unterschied finden unsere Weisen s. A. im ersten Worte des dritten Buches Moses angedeutet. Tatsächlich ein auffallendes Wort, denn es ist mit einem kleinen Olef geschrieben. Der Baal-haturim sagt dazu: Mose wollte das Wort ohne Olef schreiben, als hätte Gott nur zufällig ihm die folgenden Befehle an Israel aufgetragen. Auf Gottes Geheiß fügte Mose das Olef noch an, aber in kleiner Schrift. Selbstredend finden wir auch in Raschi eine Erklärung dafür, er meint: den außerisraelitischen Propheten offenbart sich Gott in Ausdrücken des Zufalls und der Unreinheit; deshalb bei Bileam das Wort -,pH ohne Olef am