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Das jüdische Blatt · 1913-03-07 · 10 (7.3.1913) · p. Seite 11

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
10 (7.3.1913)
Date
1913-03-07
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10 Das jüdische Statt. 11 waren den ganzen Vormittag bei Lazarus, denn Erdödi hatte sich dort für die kurze Zeit einquartiert. Der Doktor fand den Freund verändert, nicht ihm gegenüber, nein, in seinem Wesen. Er war finster und von einer unendlichen Traurigkeit, ja er schien um Jahre gealtert. „Es ist der Schmerz um das verlorene Vaterland", erwiderte der Edelmann, dem Drängen des besorgten Freundes nachgebend, „umsonst so viele große Herzen gebrochen, umsonst so viel kostbares Blut vergossen, umsonst die Wohlfahrt des Landes auf Jahre hinaus vernichtet; es ist umsonst, alles umsonst! Um so fester nur werden jetzt die Ketten um den Gefangenen geschmiedet, der sein Leben gewagt, seine Freiheit zu erringen. Ich sage Ihnen, Doktor, es ist das Beste, den Verstand zu verlieren, — damit man auch das Bewußtsein seiner Schmach und seines Elends verliert." Der Doktor tröstete, beruhigte. Doch was halfen hier Worte? Was läßt sich einem solchen Weh gegenüber sagen, das in den meisten Fällen nicht einmal die Zeit heilt, die in ihrer großen Apotheke doch Balsam für jede Wunde hat. Franz Erdödi war ein echter Patriot, sein feuriges Herz hatte an zwei Dingen mit glühender Liebe und Begeisterung gehangen, an seiner Braut und an seinem Vaterland. Die Geliebte war ihm früh entrissen worden, er überlebte ihren Tod, denn das Vaterland war ihm geblieben, der edlere und bessere Teil; auch dies war verloren, in seinem Sinne. Wie ferner das Leben tragen? Was mit diesem gehaltlosen, leeren Dasein anfangen? Das Beste wäre, eine Kugel endete es auf dem Felde der Ehre. Er sprach es offen vor dem Doktor aus. Letzteren berührte tief das Leiden des edlen jungen Mannes, den er wie ein Bruder liebte und mit dem er durch Freundschaft innig verbunden war. „Sprechen wir nicht von mir", sagte der Graf, als er sah, wie niederschlagend seine Worte auf Jonathan wirkten. „Erzählen Sie mir, wie es Ihnen geht, und was Sie seit unserer Trennung gemacht haben. Sie wissen doch, welchen Anteil ich an allem nehme, was Sie angeht, mein Freund." „Ihr Hiersein beweist es mir", erwiderte Jonathan, die dargereichte Hand des Edelmannes innig drückend. „Hätten Sie sich besonnen, wenn ich an Ihrer Stelle wäre? Erinnern Sie sich an Prag, wo Sie, mir damals ein völlig Fremder, mit dem Leben für mich einstanden. Was täten Sie erst für einen Freund! Ich hatte doch nur den Willen, Ihnen beizustehen: denn als ich kam, waren Sie schon aus aller Gefahr und ein anderer wurde befreit." „Sie haben mir in diesem Manne mehr als mein Leben gerettet", meinte der Doktor. Der Graf sah ihn fragend an und Jonathan beichtete alles. „Armer Freund", versetzte Erdödi, „wie mannigfaltig doch der Schmerz ist, der auf uns arme Menschen einstürmt, überall erscheint er in anderer Gestalt. Mit welch froher Zuversicht wir nach langer Wanderung den heimatlichen Boden betraten, es ist kaum ein halbes Jahr . . ." „Trotzdem darf man den Mut nicht verlieren" unterbrach ihn der Doktor, „nur dann ist alles verloren, wenn man sich selbst aufgibt. Eine bessere Zeit kann noch immer kommen, und sie muß Einen vorfinden, um gut machen zu können." Unter solchen Gesprächen war es Mittag geworden. Um zwei Uhr wollte Erdödi mit seinen Soldaten das Dorf verlassen. Der Graf mit den kaiserlichen Soldaten natürlich als Gefangene mit. Um 1 Uhr erscholl plötzlich ein schrecklicher Alarm im Dorfe. Der Küster hatte vom Turme aus eine ungeheure Staubwolke bemerkt, hinter der sich eine dunkle, endlos lange Schlange wand, die sich dem Dorfe näherte. Er wußte was der dunkle Streifen, die Schlange, bedeutete, und läutete Sturm. Eine greuliche Verwirrung entstand. Alles stürzte aus den Häusern; es drängte und wogte in den Straßen. „Es brennt", schrien einige. „Nein, Feinde, Feinde, die Kaiserlichen, rette sich, wer kann!" schrie der Türmer, vom Turme stürzend. Eine Minute blieb die Menge starr, vor Entsetzen gelähmt, dann stob sie heulend und schreiend auseinander. Biele stürzten in die Häuser und kamen mit einem Teil ihrer Habseligkeiten beladen zurück. Doch in der Verwirrung ergreift mau gewöhnlich die unscheinbarsten Dinge und läßt die Wichtigen liegen; so war es auch hier. Einige kamen beladen mit Töpfen, andere trugen Geschirr, wieder andere einige Scheite Holz. Einer kam mit einem alten Hute in der Hand hprausgestürzt, der andere trug sein Schustergerät. Da sah man Mutter nüt schreienden Kindern beladen, dort ein altes Mütterchen hinkend am Stabe, dazwischen die Honveds, die ihre Pferde führten und sich zu vereinen trachteten. Die mächtige Gestalt des Richters tauchte bald da bald dort in der entsetztm Menge auf und suchte Ordnung herzustellen. „Die Weiber und Kinder flüchten sich in den Wald und in das Gebirge und die Männer bleiben hier und unterstützen die Unserigen!" hörte man seine Stimme ertönen. „Wir sind Ungarn und werden es zeigen." Bon einer Seite strömten die flüchtigen entsetzten Dorfbewohner in die Felder, von der andern ritten die .Kaiserlichen ein, etwa fünfhundert Mann, an der Spitze Offiziere mit gezogenen Schwertern, Henigstein befand sich darunter. Der Uebersall war so schnell erfolgt, daß Erdödi nicht einmal Zeit gehabt hatte, seine zerstreute Truppe zu sammeln, um den Rückzug nnzutreten. Etwa hundert nur standen mit nufgepflanztein Gewehr auf dem Markte und wehrten den Eingang. In der ersten Verwirrung hatte Lazarus mit den Seinigen durch den Garten das Dorf verlassen, auf der Wiese begegnete er dem Doktor, der seine Mutter mehr trug als führte. „Wohin wenden wir uns", frug Lazarus. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. F. L. in D. Die Zeitangaben werden uns vvn der hiesigen Gemeindeversammlung eingesandt und sind also wohl die richtigen. Geschäftliche Mitteilungen. „Sanoban" (Dr. 3. Roos' Kraftnahrung), das die wirksamen Bestandteile des Malzes und der Banane in natürlich konzentrierter Form enthält, ist frei von allen tierischen Zusätzen. Der altbewährte Malzextrakt in konzentrierter, wohlschmeckender und fester Form wirkt in dieser Verbindung belebend und kräftigt den Körper in bedeutendem Maße. Die Banane aber, der zweite Komponent des „Sanoban", enthält die natürlichen Salze der Muttermilch, Salze, die für den Aufbau des Körpers eine so gewichtige Rolle spielen. 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