Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 9 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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IRelcb und Ausland: Lettungspretsltlte. Kapern: Lettungsnummer 54S. Geschäftsstelle: - M DuMont Schauberg, Stratzburg r. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, Königl. Hofbuchhändler, Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle: außerdem in Stratzburg durch die Elsässische Aktiengesellschaft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Nordmann, Schützenstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. -.—— —-^7 Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Psg. (exkl. Zusrellungsgebuhren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr. 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. - Inserate nach Tarif. Abonnements nimmt jede spottanttalt entgegen. IV. Jahrgang. Ansbach-Ltratzburg» 28. Februar 1913, 21. Adar 5673. Ißr. 9. Inhalt. Leitartikel: Was wollen uns die Maße der mit einem goldenen Kranze geschmückten Geräte im Stiftzelte lehren? — „Die Juden in Frankreich." — Fremdengesetzgebung in jüdischen Gemeinden. — Die Bewegung zur Beschränkung der Einwanderung in Amerika. — Wandlungen. — Bei der Eidesleistung. — Jüdischer Frauenbund. — Brief vom Lande. — Deutschland. — Aus aller Welt. — Vermischtes. — Lustige Ecke. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrickiten. — Rätsel-Ecke. —- Bücherbesprechung. — Brief aus Canada. — Haß und Liebe. — Spendenverzeichnis des Erez-Jfta«ck-Bureau Mülhausen. — Freie Stellen. — Inserate. Zu Sip'l Was wollen uns die Maße der mii einem goldenen Kranze geschmückten Geräte im zelte lehren? In dem dieswöchentlichen Thoraabschnitte werden uns die verschiedenen Geräte im Stiftszelte und deren Maße beschrieben, drei derselben waren mit einem goldenen Kranz geziert: die Bundeslade, der Altar und der Tisch für die Schaubrote. — Unsere Weisen bemerken hierzu in den Sprüchen der Väter: Drei Kronen gibt es: die der Thora, die des Priestertums und die des Königtums. Die Bundeslade ist das Symbol der Thora, der Altar das des Priestertums und der Tisch das des Königtums. Die Maße der Bundeslade betrugen 2A Ellen i. d. L., VA Ellen i. d. Br. und VA Ellen i. d. H.; die des Altars 1 Elle i. d. L., 1 Elle i. d. Br. und 2 Ellen i. d. H.; und die des Tusches 2 Ellen i. d. L., 1 Elle i. d. Br. und VA Ellen i. d. H. Welche Lehren will unsere heilige Thora mit diesen Maßen uns geben? Die Maße der heiligen Lade, des Symbols der Thora, sind lauter Bruchzahlen: 2fti E. l., VA E. br., VA E. h. Das will sagen, daß wir uns im Studium der heiligen Thora niemals als g a n z, als vollendet dünken sollen; wir sollen erkennen, daß unser Lernen und Wissen, selbst das des größten Gelehrten, nur Stückwerk, nur Bruchteil vom großen Ganzen ist. Denn wo ist der Staubgeborene, der von sich behaupten wollte: „Ich weiß alles". Ruft doch schon der große griechische Weltweise Sokrates aus: „Fe mehr ich weiß, desto mehr weiß ich, daß ich nichts weiß". Die Maße des Altars, des Symbols des Priestertums, betrugen: 1 E. l., 1 E. br. und 2 Ellen h. — also lauter ganze Zahlen. Der Altar war die Stätte, dazu bestimmt, den durch Sünde zerstückelten und zerbrochenen Menschengeist mit dem Allgütigen zu versöhnen, ihn wieder zu einem Ganzen zu verbinden; die durch Schuld und Abfall verursachten Brüche zu heilen; das gebrochene Herz wieder zu festigen und mit seinem himmlischen Vater zu vereinigen. Der Priester, der Diener des Altars, der dem Volke die Erkenntnis des Höchsten übermitteln sollte, mußte vor allem selbst von dieser Erkenntnis ganz durchdrungen, er mußte ein ganzer Mann sein. Der Tisch, das Symbol des Königtums, war 2 E. l., 1 E. br. und VA E. h,; seine Maße waren teils ganze, teils Bruchzahlen. Das will einesteils uns lehren: Sei genügsam und zufrieden mit den irdischen Gütern, die dir der Allvater verliehen; betrachte deinen Besitz, und sei er noch so klein, als ein Ganzes, sprich wie unser Erzvater Jakob: p;n "p „Ich habe alles (ich bedarf nichts mehr)", nicht wie Efau: 2"1 Vp „Ich habe viel (aber noch nicht genug)". Andererseits bedenke aber, daß du nicht nur zu irdischem Genuß geschaffen bist, sondern daß du als Mensch nicht deinen Leidenschaften fröhnen, vielmehr Herrscher über sie sein, sie breche n sollst; damit du, wenn, wie man im Sprichwort zu sagen pflegt, es dir am besten schmeckt, aufhörst zu genießen und dadurch Entsagung übst. Wirst du diese Maße und ihre Lehren als Richtlinien für dein ganzes Leben nehmen, dann heil und wohl dir, heil dir in diesem Leben und wohl dir im ewigen Leben. I. B r a d e r, Jchenhausen. „Die Juden in Frankreich." Die in London erscheinende Monatsschrift The XiuoteenTh Century veröffentlicht in ihrer Februar-Nummer einen geharnischten antisemitischen Artikel von Eugene Tavernier über „D i e I u d en i n F r a n k r e i ch". Die Tatsache, daß eine angesehene englische Zeitschrift einen derartig mit Antisemilismus gesättigten Arnkel ausgenommen hat, darf als Symptoin für das allmähliche Anwachsen einer an-