Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 8 (21.2.1913)
- Date
- 1913-02-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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IRefcb und Ausland: Lettungspretslttte. Kayern: Lettungsnummer 546. Geschäftsstelle: —— M. DuMont Tchauberg, Stratzburg i. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, Kiinigl. Hofbuchhündler, Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Stratzburg durch die Elsäsflsche Aktiengesellschaft vorm. A. Arnmel. In Basel durch I. Nordmann, Schützenstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badencrstraße 123. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 §r. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. - Inserate nach Tarif.. Abonnements nimmt jede poltanttalt entgegen. IV. Jahrgang. Ansbacb-Stratzburg, 21. Februar 1913, 14. Adar 5673. ikr. S. Inhalt. Leitartikel: Die Bundestafeln. — Erinnerungen an Rabbi Abbe Werner. — Jüdischer Frauenbund. — Brief vom Lande. Deutschland. — Aus aller Welt. — Hilfe für die infolge des Krieges in den Balkanländern notleidenden Juden. — Familiennachrickten. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Briefkasten. — Rätsel-Ecke. Haß und Liebe. — Inserate. Zu K&Tl? '£• Me Wundestafel'n. „Und die Tafeln sind Gottes Werk und die Schrift ist Gottes Schrift " Der größte und bedeutungsreichfte Moment in der Geschichte Israels und dem Entwicklungsgänge der Menschheit: die Verkündigung des Zehnwortes auf Sinai, war vorüber; Israel hatte den Schwur ewiger Treue dem göttlichen Gesetze geleistet und war geweiht zum Priestervolke, zum Herolde der erhabensten Lehren an alle Bewohner der Erde. Der treue Führer des Volkes zog sich in die Wolkenhülle des Gottesberges zurück, um den Gesamtinhalt des Gesetzes an der göttlichen Quelle zu empfangen und denselben dem Volke zu übermitteln. Nachdem er sich in vierzigtägiger Abgeschiedenheit der göttlichen Belehrung hingegeben hatte, übergab ihm der Allerheiligste die beiden Tafeln des Bundes; sie enthalten die Grundzüge der ganzen Gesetzgebung, denn sämtliche Thoravorschriften entwickeln sich wie Zweige aus den 10 Stämmen der Bundesworte. (Exodus 24, 12; Raschi z. St.) Und diese Tafeln des Zeugnisses waren beschrieben mit dem Finger Gottes. Wie der Hinimel mit dem Sternenheer zahlloser Welten auf den Ewig-Einzigen in seiner Allmacht und Größe hinweist und daher ein Werk des göttlichen Fingers genannt wird (Psalm 8), ebenso bezeugten die Bundestafeln durch ihre wunderbare Beschaffenheit die Göttlichkeit ihres Inhalts und werden daher auch als mit dem Gottesfinger beschrieben, unmittelbar der göttlichen Allweisheit entstammend, bezeichnet: sie bezeugten aber auch, wie das Wort Gottes von uns ersaßt und erfüllt werden soll. Wiederholt wird im Pentateuch darauf hingewiesen, daß die Bundesworte in Stein eingegraben waren, in einen Stoff, der den höchsten Grad von Festigkeit darstellt: so sei uns auch die Gotteslehre das Absolute, Unabänderliche, das hoch erhaben ist über den Wandel und Wechsel der Zeiten und ihrer jeweiligen Meinungen und Anschauungen; abgeschlossen ist sie gegeben und kennt keinen Fortschritt und keine Weiterentwicklung. Und die Tafeln waren durch und durch von beiden Seiten beschrieben; die Schrift durchbohrte sie und doch waren sie auf beiden Seiten mit gleicher Deutlichkeit zu lesen. „Nicht an der Fläche nur, nicht nur von der einen Seite, nicht oberflächlich und einseitig soll uns das Sinaiwort ergreifen, d u r ch d r i n g en soll cs uns, unserem ganzen Wesen in allen seinen Fugen soll es sich auf- und einprägen, und in welcher Beziehung und Stellung auch immer, soll an uns die Gottesschrift recht und leserlich und verständlich erscheinen. Sich die zeugenden Gottestafeln. An ihnen gab es keine rechte und keine Kehrseite. In Beziehung zu Gott hat das ganze menschliche Dasein keine Kehr- und keine Nebenseite. Alles sei mit gleichem Ernst und gleicher Hauptsächlichkeit Gott zugewandt. Alles trage mit gleicher Entschiedenheit und gleicher Unmittelbarkeit das Gepräge des göttlichen Willens. Lasse dich durch und durch mit dem göttlichen Worte durchdringeu." (Nach Hirsch, ges. Schriften I.) Und diese Tafeln des Bundes, den Gott mit Israel geschlossen, bilden die unanfechtbare Basis der Gottesoffenbarung und bekunden unwiderleglich, daß der Einig-Einzige in seiner Himmel und Erde erfüllenden Herrlichkeit seinem Volke die Lehre der Wahrheit verliehen; sie enthalten aber auch die ewigen Grundlagen aller menschengesellschaftlichen Ordnung; die Grundzüge der Pflichten gegen Gott und Mitwelt, die Heiligkeit der Tat, des Wortes und der Gedanken. Worte, nicht Gebote, nennt die Schrift die 10 sinaitischen Aussprüche, die, ohne geboten zu sein, sich von selbst in die Tafeln des menschlichen Herzens mit dem Griffel der Wahrheit eingraben werden. Und diese Worte des ewigen Bundes bildeten das „Allerheiligste" in der einst zu errichtenden göttlichen Wohnung; dort, wo die Tafeln des Zeugnisses, von Cherubimfittigen beschattet, ihre Stätte gefunden, dort thronte und leuchtete die Herrlichkeit Gottes in der Mitte Israels.