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Das jüdische Blatt · 1913-02-14 · 7 (14.2.1913) · p. Seite 10

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
7 (14.2.1913)
Date
1913-02-14
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Das jüdische Klatt. Nr. 7. einige Mordtaten, daß wir das alles bestätigt fanden. Als wir eintrafen, fanden mir in Saloniki erfreulicherweise Ruhe vor, und die öffentliche Sicherheit wieder hergestellt. Aber der Handel liegt brach, und es fehlt an Arbeitsmöglichkeiten. Was das bedeutet, insbesondere bei einer Zusammensetzung der Bevölkerung wie oben angegeben, ist leicht zu ermessen. Mehr als 2000 Familien mit etwa 5200 Personen sind infolge des Krieges völlig nuttellos. Die Zahl wird täglich größer, da viele von ihren letzten Sparpfennigen leben, die bei der völligen Stockung des Handels und bei dem Mangel an jeglicher Arbeitsgelegenheit bald nufgezehrt sind. Flüchtlinge. Die Zahl der jüdischen Flüchtlinge, die aus dem Innern nach Saloniki gekommen sind, und hier unterstützt werden müssen, ist verhältnismäßig, namentlich gemessen an der Zahl der anderen Flüchtlinge, die 40 000 beträgt, nicht sehr groß. Es sind mit den jüdischen Soldaten, die von der geschlagenen türkischen Armee, oder als freigelassene Gefangene nach Saloniki kamen, etwas über 1000 Seelen, darunter 164 Familien mit 710 Seelen aus Jchtip, von denen oben die Rede war. Hilfeleistung. An Hilfsgeldern kamen bisher aus dem Auslände 41 650 Fts., von denen noch etwa 11 000 vorhanden waren. Bon dem städtischen Hilfskomitee, das unter dem Borsitz der Königin arbeitet, wurden bis jetzt den Juden 30 685 Frs. gegeben. Da die Mittel dieses Komitees erschöpft sind, sind weitere Gaben von dieser Seite leider nicht inehr zu erwarten. Rach genauen Berechnungen ist für die durch den Krieg Geschädigten in Saloniki für die nächsten 4 Wochen eine Summe von 29 000 Frs. notwendig. Wir mußten daher zu den noch vorhandenen 11 000 Frs. 18 000 Frs. hinzubewilligen. Damit scheint uns die Aktion für die Beseitigung der momentanen Rot abgeschlossen Für später ist es notwendig, eine kleine Leihkast'e zu gründen, für die mir 10 000 Frs. in Aussicht stellten, falls die gleiche Summe in Saloniki aufgebracht würde, und uns hinlängliche Garantie gegeben wird, für die Rückzahlung der geliehenen Summen. Von Saloniki aus unternahmen die Herren Dr. Rathan und Adler am Donnerstag, den 23. Januar, eine Reife nach Serres, und Dr. Kahn nach Kalaferia und Monastir. Der Bericht über diese Reisen erfolgt später. Einige Stunden vor unserer Abreise von Saloniki nach Konstantinopel am Montag, den 27. Januar, hatten wir in Gegenwart des Großrabbiners Jacob Meir eine Audienz bei dem König von Griechenland, der uns freundlich empfing. Der König betonte, daß er stets dafür eingetreten sei, daß die Juden in seinem Lande als völlig gleichberechtigt behandelt werden und daß das auch selbstverständlich für die neu eroberten Gebiete Geltung habe. Im Anfang sei begreiflicherweise nicht immer alles in bester Ordnung gewesen, er hoffe aber, daß die jüdische Bevölkerung Salonikis und anderwärts jetzt zufrieden sei. Für unsere Arbeit sagte er uns seine Unterstützung zu. Wir baten den König besonders um drei Dinge. Erstens, es möge dafür gesorgt werden, daß man auf die religiösen Verhältnisse der Juden auch im wirtschaftlichen Leben die nötige Rücksicht nehme. Es seien z. B. die Märkte, die bisher Montag waren, auch in den von den Griechen besetzten Gebieten auf den Sonnabend verlegt worden. Das schädigt die Juden außerordentlich. Der König versprach Abhilfe. Ferner baten wir beim Friedensschluß möge Griechenland, wie auch die anderen Balkanstaaten dafür eintreten, daß alle ehemaligen türkische» Untertanen, bei denen die türkische Militärverwaltung Requisitionen gegen Quittungen vorgenommen habe, ihr Geld für die gelieferten Waren, Pferde usw. erhielten. Das fei für die Juden doppelt wichtig, weil bei ihnen als Kaufleuten am meisten requiriert worden ist. Auch das soll ernstlich in Erwägung gezogen werden. Schließlich baten wir, es uns möglich zu machen, daß wir für die eingeschlossenen Juden in dem belagerten Janina in gleicher Weise sorgen können, wie für die in Adrianopel. Der König versprach, sich darüber mit dem Kronprinzen, der vor Janina befehlige, in Verbindung zu setzen, damit uns die nötigen Erleichterungen für das Hilfswerk gewährt werden. (Schluß folgt.) Der tapfere Kaufmann zu Mocador. Die franzosenfeindlichen Mauren hatten die Mocador beherrschenden Höhen besetzt und verhinderten die Zufuhr von Lebensmitteln in die Stadt. Schon begann die Teuerung sich geltend zu machen, die Lebensmittelpreise schnellten in die Höhe, die Not pochte an die Tore der Stadt. Da erbot sich ein jüdischer Großkaufmann, Abraham Coriat, mit Erlaubnis des französischen Stadtkommandanten sich zum Häuptling zu begeben und bei ihm den Durchlaß der Lebensmittelzufuhr durchzusetzen. Umsonst stellte der französische Kommandierende dem Kaufmann die Tollkühnheit des Unternehmens angesichts der feindseligen Stimmung der Eingeborenen dar. Abraham Coriat blieb bei seinem Vorsatz. Schließlich willigte der Kommandierende dankend ein und gab Coriat eine Eskorte von 660 Mann. Aber kaum hatte der Zug die Stadt verlaßen, als Coriat das Militär zurückschickte unb beschloß, in der einzigen Begleitung von zwei Reitern das feindliche Hauptquartier aufzusuchen. Bald stießen sie auf die ersten Vorposten der Mauren, die sie zu ihrem Oberhaupt führten. Dieser empfing Coriat mit ausgesuchter Höflichkeit und verhandelte mit ihm einige Stunden. Die Bcredsantkcit des kaufmännischen Parlamentärs war so wirkungsvoll, daß er von dem Häuptling die Zusicherung erlangte', daß die Zufuhr von Lebensmitteln für die Stadt gestattet werden sollte. Auch gestand der Häuptling im Verlaufe der Unterredung, daß er nicht abgeneigt sein würde, mit den Franzosen in Unterhandlungen einzutreten. Der Maurenhäuptling hielt sein Wort. .Kurz nach der Rückkehr Eoriats in die Stadt trafen schon die ersten Lebensmittelzufuhren in Mocador ein. Der französische Kommandant stattete Coriat eineu Besuch ab und dankte ihm herzlich für dm durch seine erfolgreiche Mission geleisteten Dienste. Das Waschen der Hände. In einer der letzten Sitzungen der Acadümie des Sciences hat der mit der Bekämpfung der Epidemien im Kanton Neuville-stir- Saone betraute Arzt Dr. Henri Rondet ein Referat gehalten über die besten Mittel zur Abwehr des Typhus. Als hauptsächliches Schutzmittel empfiehlt er häufiges Waschen. Er sagt: „Eines der einfachsten und leichtesten Mittel gegen die Verbreitung der Krankheitskeime ist, sich beim Verlassen der Aborte die Hände zu waschen, um die Verbreitung der Mikrobe auf die Nahrungsmittel, das Geschirr, die Milch nsw. zu vermeiden. Wenn alle Franzosen sich beim Verlassen der Aborte die Hände waschen würden, würde diese Krankheit und viele anderen, die Dissenierie und die Cholera z. B., die im Darm ihren Nährboden finden, aus Frankreich verschwinden." Er empfiehlt dann, daß eine derartige Verordnung den Kinder» der Volksschulen, den Leuten i» den Kasernen und auf den Kriegsschiffen eingeprägt werde.

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