Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 6 (7.2.1913)
- Date
- 1913-02-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I fall IRefcb und Ausland: Leitungspreislitte. Kapern: Leilungsnummer 546. T^rz: Geschäftsftelle: - M. DuMont Schauberg. Stratzburg i. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, Königl. Hofbuchhündler, Ausbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle: außerdem in Stratzburg durch die Elsässtsche Aktiengesellschaft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Nordmann. Scbüßensrraße 86. In Zürich durch A. Schneider. Vadenerstraße 123. — .. — ——-=^7 Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif.- Abonnements nimmt jede poftanttalt entgegen. IV. Aabrgang. Ansbach-Stratzburg, 7. Februar 1913. 30. Lcbewat 5673. Dr. 6. Inhalt. Leitartikel: „Mir ein Heiligtum " Von unserem alten Landlehrer. - Wandlungen. —- Brief vom Lande. — lleroisme d'nne jeune kille jnive d'Alsaee sous la Terreur. Deutschland. — Aus aller Welt. — Hilfe für die infolge des Krieges in den Balkanländern notleidenden Juden. - Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrichten. — Rätsel-Ecke. ----- Sprechsaal. Briefkasten. — Geschäftliche Mitteilungen. — Inserate. Zll nsnr D- „Wir ein Keikigtum." Bei allen Verschiedenheiten, welche im Grade der Heiligkeit und in der Art der Verehrung des Allmächtigen zwischen deni Tempel und unseren Synagogen besteht, ist es uns doch durch die Tradition gestattet, auch die Synagoge als ein „Heiligtnni im kleinen" anzusprechen. Und manches Rätsel, das mit dem Begriff des Gotteshauses verknüpft, löst sich im Anschluß an das, was uris von der Errichtung des ersten Heiligtums gesagt ist. Seltsam, es sind doch Steine wie andere Steine, aus denen der Bau gesägt ist, Holz wie anderes Holz der Schrein, in dem die Thorarolle geborgen liegt; worin liegt also der Zauber, der uns umfängt, wenn wir eine Synagoge betreten. „Mir ein Heiligtum", das heißt, so meint einer der alten Weisen, von dem, was mir gehört, sollt ihr es errichten. Und das müßte in der Tat der erste Gedanke sein, mit dem der Grundstein einer Synagoge gelegt wird. Nicht Eitelkeit darf die Triebfeder der Gaben sein, nicht die Sucht des Prunkes nach außen, das Motiv des Bauentschlusses, sondern lediglich die Freude darüber, etwas, einen Bruchteil von dem Segen, den uns der Lenker unserer Tage gegeben hat, in seinen Dienst stellen zu dürfen. Es ist das Bewußtsein des freiwilligen Opfers, welches in der Tat die Steine alsdann von anderen Steinen unterscheidet. Und weiter! Nehmen wir einmal an, irgend jemand wollte seinem Vater eine rechte Freude bereiten und ihm eine Stätte bereiten, an der er seine Kinder empfangen kann und soll. Und nun käme derselbe und würde diesem Vater diese schöne Stätte zeigen und sagen: Ja, aber höre einmal, einen Teil Deiner Kinder darfst Du hier nicht empfangen-. Würde der Bater wohl sagen, das ist m i r eine liebe Stätte? Und wenn in Israel Synagogen gebaut werden, bei denen von vornherein ein Teil der jüdischen Männer und Frauen ausgeschlossen sind, kann da noch gesagt werden, daß sie „mir ein Heiligtum" sind? Wir glauben nein. Das ist die furchtbare Wehmut, die uns ergreift, so wir bedenken, welch enorme Opfer gebracht werden, um Synagogen zu bauen, welche einem Teil der Juden schlechthin versperrt sind. Da ist der Zweck einer Synagoge so durchaus in fein gerades Gegenteil verkehrt, daß man darüber weinen könnte. Und wozu? Ach, man sagt, um den Gottesdienst feierlicher zu gestalten? Das ist ja wie feiernde Brüder und draußen vor der prunkenden Türe stehen frierend die armen Brüder, denen der Einlaß verwehrt ist. Das sollten sich alle Gemeinden überlegen, in denen gekünstelte, ästhetisierende Sehnsucht nach Musik und Damenchor aus dem „Hause der Versammlung" ein Haus der Trennung gestalten möchte. Dann schon lieber keine Synagoge und lieber gleiche Armut aller Brüder. Es ist ein grausiges Bild, aber es ist leider wahr. Was ist aus den Synagogen geworden. Ein Zankapfel, eine Schranke zwischen Juden und Juden. Bei den Klängen der Orgel wurden einst die Ahnen in Spanien zum ^uto-clu-tu zum Scheiterhaufen geführt, weil sie Gott nicht verleugnen wollten, bei den Klängen der Orgel klagen draußen vor den Toren jüdische Kinder, verachtet und verhöhnt, daß sie mit ihren Brüdern und Schwestern nicht mehr beten können, und im schaurigen Widerhall verlassener Gräber tönt die ernste Frage: Mir ein Heiligtum?? P. K. -^- Won unserem allen Landlehrer. Lieber junger Freund! Bielen Dank für Ihre ausführliche Antwort, deren Inhalt mir nicht ganz einleuchtet. Doch davon später. Sie hatten die Güte, mir einen Zeitungsartikel beizulegen, der sich mit meinen, ersten Brief (Zirkular) befaßt, und der auch nach Ihrer Ansicht den traurigen Beweis dafür liefert, daß eine Lehrerpresse existiert, deren Mitarbeiter „nicht immer den Ton treffen, der für Volksbildner erwünscht wäre". Sie werden mir wohl kaum zumuten, mich näher mit einem „Gegner" zu befassen, der so mit gemeinem Schmutz um sich wirft. So weit vergibt sich ein anständiger alter Lehrer nicht. Aber sagen Sie mir nur, lb. Freund, können Sie