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Das jüdische Blatt · 1913-01-24 · 4 (24.1.1913) · p. Seite 12

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
4 (24.1.1913)
Date
1913-01-24
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Da» jüdische Statt. Nr. 4. lein wird sich hüten, den Sohn desjenigen zu heiraten, durch den ihr Vater uingekonunen. Siehst Du, so Hab' ich gerechnet und es ausgeführt. Du bist wohl begierig, was ich hier will? Ha, ha, Dir diese netten Nachrichten bringen und mich an Deinem Anblicke weiden. Dies kleine Vergnügen wirst Du mir doch wohl gönnen?" So sprechend war der Hausierer ganz nahe gekommen und richtete das Licht der Laterne auf das Antlitz seines Todfeindes. Er sah auch eines, und zwar das verstörte, totenbleiche seines Sohnes. „Schma Israel!" schrie der Hausierer, wie vom Blitz getroffen aus, und stürzte in die Knie. Die Laterne fiel zur Erde und verlöschte und tiefe Dunkelheit herrschte in dem Zimmer. Die Diener wußten wohl, was geschehen, denn sie traten trotz des entsetzlichen Schreies und Falles nicht herein. „Das sind die Früchte Deines traurigen Tuns", sagte jetzt der junge Mann mit tiefem, bebendem Tone. „Das der Lohn Deines verfehlten Lebens. Anstatt mild und versöhnlich zu sein und die Pflichten als Mensch zu erfüllen, hast Du Dein ganzes Leben einem halbwahnsinnigen Verbrechen gewidmet, Dich wegen eines eingebildeten Unrechts zu rächen. Du hast Dich zu Grunde gerichtet, hast Dein armes Weib krank und elend gemacht; das war Dir noch nicht genug, Du mußtest Deinen Sohn auch ins Verderben bringen. Nicht Deinen Feind hast Du denunziert, nicht auf ihn die kaiserlichen Jäger gehetzt, sondern Deinen Sohn. Erkenne Gottes Hand und lege Trauer an; denn wie es fei, Du hast Deinen Sohn auf immer verloren." Feitel sprang empor, heulend, sich die Haare ausraufend, wie ein Wahnsinniger stürzte er aus der Stube und an den Männern draußen vorbei. Der Oberst saß bei der Abendtafel, als Feitel unangemeldet bei ihm erschien. Der Jude sah so schreckenerregend aus mit dem verstörten Gesicht, den emporgesträubten Haaren dem glühenden Auge, daß sich der Graf eines kleinen Schauderns nicht erwehren konnte. In einem Gefühle von Uebermut und Herzlosigkeit hatte sich der Oberst das Vergnügen nicht entgehen lassen wollen, dem Juden die väterliche Ueberraschung zu gewähren." „Gnädiger Herr!" stöhnte der Hausierer, „was haben Sie mit meinem Sohne vor. Er ist gefangen und nicht Lazarus." Der Graf winkte dem Bedienten hinauszugehen und erzählte dann dem Juden die ganze Sachlage. Feitel hörte mit weitaufgerissenen Augen zu. „Herr des Himmels", schrie er dann, „Jonathan, mein Sohn, hat das getan?!" „Du hörst es", sagte der Graf mit einem gefährlichen Aufzucken seiner Augen. „Das zweitemal hat er die Frechheit, mir hemmend in den Weg zu treten. Es soll aber auch das letztemal für ihn sein." „Gnädiger Herr, was haben Sie vor?" „Was? Er wird die Strafe erleiden, der Lazarus verfallen gewesen wäre. Wer sich dargeboten hat, wird ergriffen und vors Kriegsgericht gestellt. Das übrige kannst Du Dir denken." „Erbarmen", jammerte der Hausierer, bei dem jetzt das Vatergefühl durchbrach und alles überwog, und stürzte dem Gutsherr zu Füßen. „Um Gottes Barmherzigkeit willen, üben Sie Gnade." „Schweig!" donnerte ihm Graf Friedrich zu. „Glaubst Du denn, Jude, ich werde mit einer Truppe sieben Stunden lang auf einen Verräter Jagd machen, mich abmühen und der Gefahr des Fußbrechens aussetzen, um es dann in ein zärtliches Begegnen mit Deinem Sohlle zu verwandeln. Tod und Hölle. Er oder Lazarus, einer muß daran; ein kaiserlicher Oberst läßt sich nicht narren, und besonders nicht von schmutzigem, verfluchtem Judengesindel." Feitel umfaßte flehend die Knie des Grafen. „Hinaus mit Dir, verfluchte Kröte!", rief-der Edelmann, wütend gemacht durch das Gestöhn und Gejammer. „Mit diesem elenden Gesindel ist nicht auszukommen, das hängt sich wie Ketten an einen, das kriecht und jammert zum anekeln. Hinweg, sag' ich, sonst lasse ich Dich hinauspeitschen. Dein Sohn wird morgen dem Kriegsgerichte übergeben, wie es das Gesetz befiehlt und damit basta!" Die Haare sich ausraufend, sich vor Brust und Kopf schlagend, verließ Feitel das Schloß, das er vor drei Stunden mit solch glühender Ungeduld betreten hatte. (Fortsetzung folgt.) Dieser Nummer liegt ein Prospekt des Kaufhauses Louvre in Strußburg über die jetzt beginnende große Weiße Woche bei, auf die die geschätzten Leser ganz besonders aufmerksam gemacht seien, da sie eine äußerst günstige Einkaufsgelegenheit bietet. Israelitischen ikalfritniailYttljniiü (Stiftung Xlllfirljits) Spendenverzeichnis. Dem Israelitischen Knabenwaisenhaus sind in letzter Zeit folgende Erträgnisse aus Sammlungen anläßlich besonderer Familienereignisse zugegangen: Benschenversteigerung bei der Brismitoh Ruff-Schirrhofen 10,10 dl; Hochzeit Samuel Levy-Küttolsheim und Frl. Bertha Weil-Rosheim 18,55 dl; Hochzeit Säumet Braun-Ossendorf und Frl. Fanny Bloch-Ingweiler 20^; Chanuklah-Sammlung durch Fernande und Madeleine Wurmser- Bollweiler 9,40 dl; ein Drittel der Benschenversteigerung bei der Verlobung von Jsak Weyl-Straßburg und Frl. Jeanne Netter- Roshcim 10 dl; Chanukkah-Sammlung durch Paul Blum und Armand Metzger-Ringendorf 6,55 dl; desgl. durch L. Lazard- Bolchen 12,65 .tf; Verlobung Emil Bauer und Frl. Marthe Levy- Srraßburg 34,56 dl; Verlobung von Frl. Jeanne Lehmann- Pfaffenhofen 10 dl; Hochzeit Rabbiner Dr. Debr^-Saarunion und Frl. Pvonne Blum-Nosheim (Teilertrag) 80 dl; Verlobung Frl. Alice Leoy-Wingersheim und Joseph Leoy-Saarburg 20.fl; durch Herrn Salomou-Püttlingen von einer Verlobung 9 dl; Benschenversteigerung von der Hochzeit Grumbach und Weil- Bollweiler 20 dl; Verlobung Samuel Meyer-Wolfisheim und Frl. Rosine Dockes-Hattstadt 32.fl; Benschenversteigerung bei der Brismiloh des Sohnes Nathan Roth-Hattstadt 17,60 dl; Hochzeit Dreysuß-Potalchmann, Brumath 25 dl. Ferner wurden der Anstaltskasse von der Wwe. Abraham Lehmann und Kindern- Schlettstadt amläßlich des ersten Jahrzeittages ihres Gatten und Vaters 100 ->t und von Herrn Armand Harburger-La Paz (Bolivia) als Zeichen liebevollen Gedenkens an fein Heimatland 40 dl überwiesen. — Allen edlen Gebern sei auch auf diesem Wege der herzlichste Dank ocr Verwaltung ausgedrückt. Freie stellen. .Kantor, Neligionslehrer u. Lchochet: Rodheim v. d. Höhe (900 Mk. n. Nebeneinkommtn; Reckendorf (Unterfrankeni (1100 Mk, fr. Wohn. u. Nebeneinkommen); Castellano, Bez. Coblenz (1200 Mk. u. Nebeneinkommen); Talmud-Thora-Berein, Düsseldorf (1500 Mk. n. 5 600 Mk. Nebeneinkommen). .Kantor n. Lchochet: Emmendingen, Bode» (2800 Mk. freie Wohn. u. Nebeneinkommen); Bereut (Westpr) (2000 Mk. n. Nebeneink.); Zerkow (Pr. Posen) (1200 Mk, fr. Wohn. ti. Nebeneink

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