Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 4 (24.1.1913)
- Date
- 1913-01-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ikelcb und Ausland: Lettungsprelslttte. Kayern: Lettungsnummer 546. ■ - -- Geschäftsstelle: -. M. DuMout Tchauberg, Ttratzburg i. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, König!. Hofbuchhändler, AnSbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Ttratzburg durch die Elsäsflsche Aktiengesellschaft vorm. A. Ammei. In Basel durch I. Nordmann. Schützenstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. Bezugsbedingungen: Pro Onartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif. - Abonnements nimmt jede DoltanltÄlt entgegen. IV. Zabrgang. Ansbacb-Ltralzburg, 24. Zrmuar 1913. 16. Scbewat 5673. I6r. 4. Inhalt. Leitartikel: Das erste Wort. — Die Richtlinien und die Gemeinden. Wandlungen. - Brief vom Lande. — Festrede des Direktors Dr. Feilchenfeld. — Deutschland. — Aus aller Welt. — Erklärung. -- Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrichten. — Rätsel-Ecke. — Bücherbesprechung. — Der Goldfinder. — Haß und Liebe. — Israelitisches Knabenwaisenhaus. — Freie Stellen. — Hilfe für die infolge des Krieges in den Balkanländern notleidenden Juden. — Inserate. 3» nn-1 's. Das erste Wort. Das erste der zehn Worte hat nicht die Form eines Befehls; es wird bekanntlich darum in außerjüdischen Kreisen bis auf den heutigen Tag nicht zu den zehn Geboten selber gerechnet. Vielmehr wird dort, damit die Zehnzahl herauskommt, das letzte Gebot geteilt und so eine von der unsrigen verschiedene Zählung der zehn Worte herbeigeführt. Und doch ist unb bleibt das erste Wort — die Uebersetzung „zehn Gebote" wird ja durch den Thorawortlaut selber keineswegs begründet — in jedem Betracht das erste Gebot. Was befiehlt es? Etwa: wisse, daß es einen Gott gibt? Dann hätte eine viel kürzere Formulierung genügt. Die Ueberzeugung, daß es einen Gott gibt, einen intelligenten Weltbaumeister oder einen ersten Beweger braucht noch nicht eine religiöse, kann auch eine philosophische sein, gewonnen etwa aus der Betrachtung von der Ordnung und Einheitlichkeit der Welt. Das Wesentliche und von aller philosophischen Theorie Unterscheidende des ersten Offenbarungswortes ist dies: Dein Gott, daß die Verbindung zwischen Gott und uns die innige von Ich und Du ist. Dieses O n a u ch i redet zu dir, fordert von dir, und du sollst, mußt gehorchen. Gott diktiert dir Pflichten nicht nur gegen Ihn selbst, sondern auch gegen deinen Nächsten, zu dem Er in gleichem Verhältnis steht wie zu dir. Aber auch du kannst reden zu Ihm, dann, wenn die Sprache, die Er dir verliehen, sich zu ihrer höchsten Aufgabe erhebt: im Gebet. In Seiner Hand sind deine Geschicke, an Ihn wendest du dich in der Not, Ihm dankst du für alle Errettung. Denn Ihm gebührt's zu vertrauen und zu danken. Ist Er doch derselbe, der dich aus Mizrajim geführt hat. Diese eine Tat besagt alles. „Ist je das Wunderbare geschehen, daß Gott gekommen ist, sich zu holen ein Volk mitten aus einem andern Volk?" Nachdem du einmal dies Wunderbare kennst, die Existenz des Volkes Israel, darfst du vertrauen, daß, wenn auch weniger handgreiflich, sich stets Seine Wundergröße erweisen werde, nicht nur im Geschehen der Irdischen im allgemeinen und Seines Volkes im besonderen, sondern daß an dir selbst sich fort und fort Gottes Führung und Lenkung offenbare. Er hat uns ja nicht nur räumlich aus Mizrajim geführt, sondern auch „aus dem Hause der Sklaven befreit", uns zu wahrhaft Freien gemacht. Hätte Er uns nur aus Aegypten ziehen, um uns in einem gesegneten Land ein Volk unter Völkern werden zu lassen, es wäre nur etwas Halbes, vielleicht etwas Unheilvolles gewesen. So aber hat er uns auch die Freiheit gegeben, die kein Golus mehr verschwinden machen kann, und uns so eine Aufgabe gestellt, die auch den geringsten Bruchteil unseres Lebens auszufüllen und zu einem göttlichen zu gestalten imstande ist. So verlangt das erste Wort, daß wir wissen, in welchem Verhältnis zu Gott wir uns befinden sollen, es fordert somit eine Beschaffenheit des Geistes. Die anderen Gebote heischen ein Tun oder N i ch t t u n. Erst das letzte wieder richtet sich an die Jnnenvorgänge in unserer Seele. So reichen sich das erste und das letzte Wort die Hand: sobald Gott dein Gott ist, kannst du nicht wähnen, es könne zwischen Tat und Gesinnung eine Kluft bestehen. Dr. Schwarz- Sulz. Die Wichtl'inien und die Gemeinden. Die Richtlinien sind ein unerhörtes Attentat gegen das Judentum; sie möchten Gott als Gesetzgeber aus unserer glorreichen Religion streichen, sie degradieren unsere göttliche Thora zu veraltetem Menschenwerk, sie erklären die grundlegenden Gebote für unverbindlich, den Sabbat, den Versöhnungstag, das Mazzagebot, die Speisegesetze, die Schechita, kurz die Verbindlichkeit aller Gesetze des Judentums schaffen sie ab und lassen als Einziges kaum die Mila übrig. Und diesem unerhörten Angriff auf unsere heiligsten Güter sollten die jüdischen Gemeinden untätig zusehen? Die jüdischen Gemeinden sollten es ruhig hinnehmen. daß die Richtlinien die Religion zerstören sollen, für die