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Das jüdische Blatt · 1913-01-17 · 3 (17.1.1913) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
3 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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IRelcb und Ausland: Lettungsprelslitte. Kapern: Leitungsnummer 546. ' Geschäftsstelle: —— M. DuMont Schauberg, Strahburg t. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, König!. Hofbuchhündler, Ausbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle: außerdem in Stratzburg durch die Elsässische Aktiengesellschaft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Nordmann. Schützenstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. ^7 Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. - Inserate nach Tarif. - — Abonnements nimmt jede Vottanttalt entgegen. IV. Anbrgnng. Ansbach-Strntzburg, 17. Zanuar 1913, 9. Lcbexvat 5673. Dr. 3. Inhalt. Leitartikel: Die Sprache der Aegypter. Ueber Angestellteilversicherung. — Brief eines alten Lehrers. - Festrede des Direktors Dr. Feilchenfeld. — Deutschland. — Aus aller Welt. — Vermischtes. — Kleine Notizen. — Hilfe für die infolge des Krieges in den Balkanländern notleidenden Juden. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachricbten. — Rätsel-Ecke. — Mitleid mit fremden Armen. — Haß und Liebe. Inserate. Z" rte::. Me Sprache der Äegypter. Von Ch. Lauer in Basel. Sprich wie du denkst! lehrt uns die heilige Thora. Den Brüdern Josephs rühmen unsere Weisen nach) daß sie nicht verstellt mit ihm sprechen konnten. Ihre Sprache vermochte nur ihre Gedanken zum Ausdruck zu bringen, aber nicht dieselben zu verbergen. Anders die Sprache der Aegypter. „Ehrlichkeit währt am längsten, mag wohl eine gute allgemeine Regel sein, unterliegt aber vielen Ausnahmen", dachten diese Diplomaten; derjenige handle am weisesten, der die allgemeine Regel beachtet, aber aus allen Ausnahmen Nutzen zieht. — Kurz und bündig schildert unsere Sidra die Sprache der Doppelzüngigkeit unserer Bedrücker. Die Juden, so erzählt die heilige Schrift, zogen über Etham nach dem Schilfmeere. Dem Despoten von Aegypten ward berichtet, daß das Volk entflohen sei. „Dann verwandelte sich das Herz Pharaos und seiner Diener gegen das Volk und sie sprachen: Was haben wir da getan, daß wir Israel ans unserem Dienste entließen!" Im Angesichte der Pyramiden von Gizeh rief am 21. Juli 1798 Napoleon l., die Hand gegen die Pyramiden erhebend, seinen Kriegern zu: „Soldaten, denkt daran, daß von der Spitze dieser Pyramiden vierzig Jahrhunderte auf euch herabschauen!" Mit mehr Recht dürften wir ausrufen: Völker der Erde! schaut her und betrachtet die alte, lebendige und wandernde „Pyramide", Israel. Seitdem Israel die Arbeiten an den ägyptischen Denkmälern vollendet hat, hat es gar manch' herrliche Frühlingszeit, noch mehr aber schrecklich lange, schaurig kalte Winternächte durchlebt! Diese ewig wandernde Pyramide lebt heute noch, verjüngt sich täglich und wird, wie Gott, ewig fortbestehen. Die Gesänge dieses winzigen Volkes, seine Psalmen, sind über die ganze Erdkugel verbreitet. Seine Musikinstrumente hängen an den Weiden der Flusse Babylons, und wenn die Winde wehen, ertönen die Saiten und stimmen im Völkerkonzerte die lieblichst harmonischen Melodien an. Jakobs Stimme ist überall vernehmbar. Mit Alexander dem Großen schloß Juda einen Freundschaftsbund, tapfer hat das Volk gegen syrische und römische Legionen gekämpft. Sogar in der schrecklichsten Golusnacht hat es manch großes Weltgenie, Aerzte, Philosophen, Dichter usw., hervorgebracht. Garmanchem Staate hat es seinen Minister gegeben, der, gemäß der strengen Anweisung des Propheten, das Wohl des uns beherbergenden Staates zu fördern (Jer. 29, 7), dieses Volk zur höchsten Blüte gebracht hat. Israel ist das Volk, welches Freiheit für die ganze Welt proklamiert (Levitic. 25, 10). Es hat die Ketten der Sklaverei gebrochen. Von allen Episoden seines viertausendjährigen Bestehens ist ihm, dem einzig noch lebenden Zeugen der alten Weltgeschichte, kein Lebensereignis so ins Gedächtnis eingeprägt, wie der Aufenthalt i n und die Befreiung aus Aegypten. Im Gewoge dieser Erinnerungen steigen so mannigfache Gedanken mit empor. Wir gedenken nicht nur der Fische, die wir in Aegypten umsonst aßen, der Gurken und der Melonen (Rum. 11, 15), sondern — was für uns noch viel wichtiger ist, weil sie ewig in jedem Lande und bei jedem Volke, unter dem wir leben, stets wiederkehren —. auch der politischen und diplomatischen Redensarten unserer ägyptischen Bedrücker. Die Weltgeschichte entwickelt sich zwar vorwärts, aber sie bewegt sich spiralförmig; das ewig alte kehrt immer wieder; davon weiß besonders das altjunge Volk Juda ein Liedchen zu singen. Wenn man uns quält, martert und schändet, so tut es uns gewiß wehe, aber es schneidet viel tiefer in die Seele, wenn unsere Verleumder unsere Ehre beschmutzen und das über uns in die Welt Hinausposaunen, wovon sie wahrheitsgemäß nur das Gegenteil Mitteilen könnten. Diese Art der Verleumdung illustriert am besten der Verfasser der Pessach-Hagada. Er sagt: Es mißhandelten uns die Aegypter und bedrückten uns und legten uns schwere Arbeit auf (Deut. 26, 6). Es mißhandelten uns die Aegypter, wiederholte der Hagadaverfafser, denn so heißt es: Der

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