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Das jüdische Blatt · 1913-01-03 · 1 (3.1.1913) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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Nr. 1. Das jüdische Statt 11 ü Jamitiennachrichten. (Mitteilungen für diese Rubrik werden 1| -- - kostenlos aufgpnnmnil>n Geborene: Jakob u. Salomon, Zwillinge von Moses Liebschütz, St. Ludwig. - Elvire, T. v. Abraham Levy, Oberehnheim. - Sohn, Apotheker Arthur Weill, Straßburg. Sae-Mizmoh: Simon Bamberger, Sohn v. Rabb. Dr. Lecke! Bamberger, Bad- Kissingen. Ueelobte: Jeanne Kahn, Nancy, u. Manuel Meyer, Straßburg (aufgeboten). Recha Zimmern, Kippenheim, u. Emil Rosenberg, Mainz. Jeanne Weill, Bollweiler, u. Ernest Lippmanrr, Zürich. Rosa Zeilberger, Ermershausen, u. Louis Uhlfelder, Lehrer, Wilhermsdorf. — Alice Levy, Wingersheim, u. Joseph Levy, Saarburg. Clemence Weill u. Paul Lang, Stotzheim. — Irma Lang, Stotzheim, u. David Weill, St. Louis (Amerika). — Thekla Hubert-Cronheim u. Abraham Heß, Reichenberg. Ueemahlte: Suzanne Stawsky, Mülhausen, u. Lucien Wertenschlag, Zürich. Emil Weil u. Reine Picard, St. Ludwig. Emanuel Meyer u Julie Weill, Niederhagenthal-Lörrach. — Fernand Kahn, ct. Ludwig lParis), u. Marcelle Schwab, Straßburg. - Joseph Grumbach, Hotelier, Bollweiler, u. Luise Weil, Bischweiler. — Julius Klotz, Sulz u. W., u. Henriette Braun, Offendorf. — - Felix Levy, Straßburg, u. Fanny Bloch, Weihenburg. Dr. Adolf Kallner u. Sara Beith, Bad Soden. - Armand Weingarten, Nancy, u. Jeanne Kahn, Winzenheim (O.-E.). Gestorbene: Zadoc Mach, 66 I., Straßburg. — Rabbiner Dr. H. Kotteck, 52 I., Homburg v. d. H. Kaß und Fieöc. Line Erzählung aus der Zeit der ungarischen Freiheitsbewegung. Von Caroline Deutsch. (Fortsetzung.) Das Gesicht Feitels nahm einen Ausdruck des unbändigsten Hasses an. „Gnädiger Herr, bewilligen Sie mir Eines", rief er, „wenn Sie ihn in Händen haben, so lassen Sie mich nur ein Paar Minuten mit ihm sprechen." „Bewilligt! Jude, Du bist ein guter Mann in Deineni Hasse. Wie mir scheint, teilt Dein Sohn nicht Deine Gefühle", setzte der Oberst hinzu, Feitel scharf fixierend. „Wissen Sie das auch schon, Herr Graf? o, o!" Feitel knirschte mit den Zähnen. „Er hat mir ja die Hände gebunden, rein gebunden und hält's mit dem Feinde. Weiß auch, warum! Er hat's laut genug in seiner Krankheit erzählt. Die Tochter hat es ihm angetan.... Aber ich will nicht leben, wenn ich das zugebe. Zugrunde sollen sie gehen alle, alle! Und Lazarus soll den Tanz beginnen." „Das Vergnügen kannst Du haben", sagte der Gutsherr, dem bei der Erinnerung an das Judenmädchen ein tiefer Groll im Herzen aufstieg. „An Vorsicht brauche ich Dich nicht zu mahnen, morgen abend gegen die elfte Stunde, früher noch, kannst Du Lazarus in meinem Schlosse sprechen. Jetzt geh." Feitel entfernte sich und der Graf kehrte zu -den Feinden zurück. Des andern Tages, um die fünfte Nachmittagsstunde, ritt ein einzelner Reiter auf dem Wege von Acs nach Jgmant. Das Pferd schien den Weg sehr gut zu kennen, es trabte wohlgemut auf der Straße, oder verließ sie zu Zeiten, um die Ebene zu durchschneiden, als wenn dadurch der Weg verkürzt würde. Es war auch nicht das erstemal seit zwei Monaten, daß es den Reiter ins Lazarett nach Acs trug. Zwei-, dreimal wöchentlich machte es den Weg, so war es also kein Wunder, daß es den Weg so gut kannte und das Vertrauen des Herrn rechtfertigte, der ihm heute so ganz die Zügel überließ. Jonathan hatte das letztemal zwei volle Tage im Lazarett verweilt, ohne nach Jgmant zurückzukehren. Er dachte, wie sich die Mutter ängstigen und sorgen würde, trotzdem er ihr durch einen Boten gestern Nachricht von sich zukommen ließ. Es war in den letzten Tagen so viel zu tun, es waren so viele Verwundete nach dem Städtchen wieder gebracht worden, daß er unmöglich fort konnte. Doktor Stern beteiligte sich seit Wochen an der freiwilligen Krankenpflege. Seit dem ersten Tage, wo sich der Kampf nach dieser Seite gezogen hatte und die ersten Verwundeten in Bauernhäusern der umliegenden Gegend untergebracht wurden, datierte sich seine unermüdliche Tätigkeit als Arzt und Pfleger. Doktor Stern hatte während dieser kurzen Zeit schon viele Jammerszenen durchgemacht, viele aufregende Stunden gehabt, aber heute hatte ihn ein Auftritt besonders erschüttert. Ein schwerverwundeter, jüdischer Soldat rang seit zwei Tagen mit dem Tode und konnte nicht sterben. Die Vernichtung wühlte in seinem Innern und starrte grausig aus jedem Zuge seines Gesichtes und doch war ein Etwas da, das diesen schwachen gemarterten Lebensodem festhielt. Ein Etwas, das über die halbgelähmte Zunge nicht hinüberkonnte und sich nur in den Augen auf erschütternde Weise aussprach. Endlich in der letzten Stunde löste die innere entsetzliche Qual die Lippen. Er konnte ohne das „Schma Israel", von zehn Männerlippen gesprochen, nicht sterben. Jonathan erbarmte sich dieser schmerzlich ringenden Seele, suchte in Acs neun Juden auf, indem er von Haus zu Haus wanderte, und brachte sie dem Sterbenden; er war der Zehnte. Man sprach das übliche Gebet. Bei dem „Schma" verklärte sich das Gesicht des Soldaten, es war, wie wenn der letzte Sonnenstrahl des untergehenden Lichtgestirnes dran hängen geblieben wäre. Ein Lächeln, nicht mehr der Erde angehörend, brach aus den Augen, verbreitete sich über das Antlitz und mit diesem Lächeln verschied er. Dieses Lächeln und dieser Ausdruck einer höhern, himmlischen Weihe kam dem Doktor nicht aus dem Sinn. Er mußte immer wieder und wieder daran denken und dabei auch noch an vieles, vieles andere, was natürlich damit zusammenhing. So wurde es Abend und die Dunkelheit senkte sich auf die Ebene. Plötzlich schien es dem jungen Manne, als höre er hinter sich den Galopp mehrerer Pferde. Es war schon zwar dunkel, aber trotzdem sah er einen großen, schwarzen Punkt sich auf der Ebene fortbewegen. Jonathan wußte sich selbst im Moment keine Rechenschaft darüber zu geben. Ein großes dichtes Gebüsch war in der Nähe; er sprengte dahinter und so verborgen, wartete er. Der Galopp kam immer näher und nach einigen Minuten ritten zehn oder zwölf Reiter an dem Gebüsch vorüber. Das scharfe Auge des Lauschers erkannte in dem Vordersten den Grafen Friedrich, die übrigen waren ihm völlig fremd. Selbst wenn Jonathan das Gesicht des Obersten nicht erkannt hätte, die Stimme hätte ihm ihn verraten. Er unterhielt sich laut mit dem Reiter an seiner Seite und über einen Gegenstand, der sein höchstes Interesse erregte.

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