Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 20 (15.10.1868)
- Date
- 1868-10-15
- Page
- Seite 160 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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&v 160 — i I [• i Oesterreichs nun doch bald ins Leben treten werde. Wir sind begierig, welche von den verschiedenen in den bezüglichen Gutachten niedergelcgten Ansichten zur Geltung gelangen werde. Wien. Wie wir hören, soll im Schooße der hiesigen Cultusgemeinde - Vertretung die Wiederbesetzung des Rabbinats in ernstliche Berathung genommen werden. * In Betreff der Judenverfolgung in Galacz schreibt die „Wr. Abdpst.": Aus Anlaß der mehrseitig besprochenen letzten Excesse in Galacz, von welchen, wie aus eingelangten Mittheilungen hervorging, auch österreichische Unterthanen betroffen wurden, hat die österreichische Vertretung in Bukarest auf Grund der ihr telegraphisch zugegangenen Weisung nicht gesäumt, zur Wahrung der Interessen der österreichischen Unterthanen unverweilt in Bukarest die nöthigen Schritte zu thun. Nach uns so eben zugehenden zuverlässigen Mittheilungen sind wir nun in der angenehmen Lage zu constatiren, daß diese Schritte nicht ohne Erfolg geblieben sind. Abgesehen davon, daß der rumänische Minister des Innern sich persönlich an Ort und Stelle begeben und den Polizeipräfecten und den Chef der Nationalgarde in Galacz ihres Amtes enthoben hat, wurde sofort die Erhebung der Schäden mit Zuziehung eines österreichischen Delegirten und die ungesäumte Vergütung derselben von Seite der rumänischen Regierung auf das Bestimmteste zugesichert. Prag. Bei den letzten Excessen fürchteten auch die Bewohner der Josefstadt einen Besuch des meetingslustigen Pöbels. Rechtzeitige militärische Maßnahmen verhüteten jedoch die geräuschvollen Fensterscheibenattentate. Krakau. Im Widerspruche mit den Staatsgrundgesetzen besteht noch hier eine communale Judensteuer. Letztlich wurde über diesen Gegenstand im Gemeinderathe verhandelt; wir wollen hoffen, daß auch dieser Rest mittelalterlicher Bedrückung schwinden werde. Basel. Kürzlich wurde hier der neue jüdische Tempel mit vieler Feierlichkeit und in Anwesenheit vieler Honoratioren der Stadt eingeweiht. Die von den Rabbinen Nordmann und Dr. Kayserling gehaltenen Weihreden erfreuten sich des allgemeinen Blifalls. Paris. An dem „Lycee Bonaparte" erhielten Juden die höchsten Preise aus Rhetorik und Philosophie Herr Bloch erhielt den Stourza-Preis aus Philosophie, die Herren Meyer und Cohn (letzterer ein Sohn des trefflichen Herrn Albert Cohn) wurden durch Rhetorik-Preise ausgezeichnet, — Oberrabbiner Aaron in Straßburg, Prof. Benlöw in Dijon und Kaufmann Halphen in Paris haben die Dekoration der Ehrenlegion erhalten. Stockholm. In der Hauptstadt Schwedens wurde der Grundstein zu einem jüdischen Tempel gelegt. Nach der Beschreibung, die die dortigen Blätter von dem Bauplane geben, dürfte dieses Gebäude eine Zierde der schönen Stadt werden. New-Aork. Freitag den 11. September wurde der mit einem Kostenaufwande von mehr als 600,000 Dollars neuerbaute Tempel Emanuel feierlichst eingeweiht. Das Gotteshaus, welches bereits mehrere Stunden vor Beginn der Feier von großen Menschenmaffen umlagert war, konnte kaum die Zahl der Anwesenden fassen; gar viele mußten wegen Mangels an Raum auf die Feier verzichten und unbefriedigt zurückkehren. Die Weihreden wurden vom Prediger der Gemeinde, Dr. Adler und Dr. Wise, Prediger in Cincinnati gehalten. Der gesangliche Theil wurde unter Leitung des Cantors der Gemeinde mit Begleitung der Orgel und eines 175 Stimmen fassenden Chors ausgeführt. Die imposante Feier machte auf alle Anwesenden den erhebendsten Eindruck. Am folgenden Tage predigte Herr Dr. Einhorn mit großem Beisalle. Am Sonntag und Montag wurden die Tempelsitze verkauft und brachten einen Erlös von 755,000 Dollars. Die Gemeinde hat somit nicht nur die ganzen Baukosten gedeckt, sondern behält noch einen bedeutenden Reservefond. — Ein rühmliches Zeugniß für die Opferwilligkeit des amerikanischen Judenthums. Der Emanu-El-Tempel ist, wie befamrt, ein Reformtempel, und die Reformpartei hat bei dieser Gelegenheit gezeigt, daß auch ihr religiöser Sinn innewohne, daß sie nicht blos in der Negation und im Nihilismus wurzle. — Der früher von der Emanuelgemeinde inuegehabte, durch Kauf an die Gemeinde Mischkan-Jsrael übergegangene Tempel wurde von dieser letztgenannten Gemeinde ebenfalls Freitag am 7. October feierlichst eingeweiht. Die Festreden wurden vom Herrn Wassermann, Prediger der Gemeinde und Herrn Dr. Hübsch, Prediger der Ahawath-Ehesedgemeinde gehalten. Es wurden dabei auch Lieder von Spohr und Mendelssohn gesungen. Die Feierlichkeit war ebenfalls sehr erhebend. (Heb. Leader.) * Mit dem Schlüße des Jahres langte, wie wir bereits bemerkt, der neuengagirte Rabbiner und Prediger der Schare-Schomaimgemeinde, Dr. S. H. Sonneschein, hier an. Die von ihm an den Neujahrstagen gehaltenen Predigten, haben, trotz daß derselbe von der ungewöhnlich langen Seereise noch sehr abgespannt war, allgemein angesprochen, besonders aber die am Sabbath Teschuba, wie uns nicht allein von Gemeindemitgliedern, sondern von einem ihn vorher nie gekannten. sehr kompetenten Berichterstatter versichert wurde. Uebrigens macht auch schon die Persönlichkeit desselben einen angenehmen Eindruck. Die Synagoge war an jenen Tagen gepropft voll, wozu wohl auch der außerordentlich befähigte, vorzüglich musikalisch-gebildete Cantor, Rev. Ignaz Gerstel, das Seinige beigetragen. (Hebr. Leader.) * Nach einer uns zugekommenen Mittheilung hat der Prediger der dortigen Ahawat -Chesedgemeinde, Herr Dr. Hübsch, die von ihm gestellten, auch in diesem Blatte erwähnten Anträge auf Reformen, als Abschaffung der zweiten Festtage und Aenderungen im Rituale zurückgezogen, da gegen 60 Mitglieder der genannten Gemeinde ihren Austritt von derselben erklärten, falls die belegten Reformen ins Leben treten sollten. Amerika. Die amerikanischen Blätter bringen fast jede Woche Berichte über Grundsteinlegung oder Einweihung einer neuen Synagoge. Wir begrüßen mit Freuden diese Kundgebungen religiösen Sinnes unter unsern Glaubensbrüdern der andern Hemisphäre, wünschten aber, daß auch der geistigen Erhebung des Judenthumö durch Förderung des jüdischen Wissens die gleiche Pflege und Theilnahme zugewendet werde. Nicht in der äußern Pracht, sondern in der geistigen Regsamkeit, in dem innern unverwüstlichen Eifer liegt die Macht des Glaubens. Briefkasten der Redaktion: Löbl. Cultus - Vorstand in Brandeis an der Elbe: Wir ersuchen nochmals um die uns kommenden 8 fl., nachdem mehrere deshalb an Herrn Vorsteher Janowitz geschriebene Briefe unbeantwortet blieben. — Herrn Med. Dr. Heller in Hrischkow: Wir ersuchen um 5 fl. JnsertionSgebühr für das „Eingesendet", bei besten Uebermittluug vor vielen Monaten Sie sich zur Zahlung bereit erklärten, und deßungeachtet unsere briefliche Erinnerung unbeantwortet ließen. — Herrn D. P. in Prag: Recensionen von Büchern, die der Redaktion nicht zugeschickt wurden, finden im „Abendland" keine Aufnahme, ebensowenig werden Recensionen, die bereits anderwäts abgedruckt sind, ausgenommen; es würde dieß einer Reclame ähnlich sehen, was der Tendenz eines unparteiischen Lrgans wiederspricht. — Herrn I. B. in H.: Die letzte Ihnen zugefchickte Nummer ist von der Post zurückgekommen. — Haben Sie Domicil geändert. Bitte um Fortsetzung. Druck von Rudolf ü. Rcchrrr in Brünn.