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Das Abendland · 1868-10-15 · 20 (15.10.1868) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
20 (15.10.1868)
Date
1868-10-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ttro. 80. V. Iahrq. Srünn, den 15. October 1868.;eitqemäßs« Ist-ress-« des Präuumerationsbetrag ganzj. 3 ft., halbjährig 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung und Zustellung ins Haus. Fiir's Ausland ganzj. 2. Thlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur D. EhrMKNN. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats Administration Bäckergasse Nr. 2. 2. Stock- Exped. Krapfengasse 18, Epstein's Buchh. Inserate werden billigst berechnet. Inhalt: Die Falaschas. — Ein Prager Judenaufzug. — Eine Nachbemerkung zum Voltairischen Proceß. — Das Recht der leiblichen und sittlichen Unbeschädigung. — Berichtigung. — Die Naturwissenschaften im Talmud. — Correspondenzen. — Locale und Auswärtige Notizen. — Briefkasten der Redaktion. Die Maschas. Wie bekannt, hat die Alliance isra61ite universelle bei Gelegenheit der abessynischen Expedition den H. Josef Halevy nach Abessynien gesandt, damit er dort nähere Untersuchungen über das angebliche Judenthum der Falaschas anstelle. Halevy ist seit Monaten wieder glücklich nach Paris zurückgekehrt und hat in der Sitzung der Alliance vom 30. Juni 1868 Bericht über seine Mission abgestattet. Nachdem er über seine Reise überhaupt, den Weg, den er eingeschlagen, die Gefahren, denen er glücklich entronnen, berichtet hatte, bedauert er, keine schriftlichen Dokumente von den Falaschas mitgebracht zu haben, da bei denselben die Schreibekunst nur wenig verbreitet sei; doch könne er ein lebendiges Zeugniß jenes merkwürdigen Volkes dem Vereine vorstellen, einen jungen Falascha, der ihn begleitet, um in Europa zu lernen und später seinen Brüdern in der Heimat ein Lehrer zu sein. Die Falaschas wohnen in den weiten Ebenen, die sich vom südlichen Ufer des Tacazze bis zu den Ufern des blauen Nil ausbreiten. Ihre Hautfarbe ist schwarz, doch ihr Typus nicht der der Negerrace, ihre Gesichtsbildung vielmehr edel, geistig. — Sie sprechen zwei Sprachen, die Landessprache, das Amharische, welche sie im Verkehre mit den Nachbarvölkern, und eine Mundart der Agaousprache, die sie im engen Familienkreise, beim Gebete und Uebersetzen der Bibel gebrauchen. Sie führen biblische, aber auch äthiopische Namen; ihre Kleidung ist die Landestracht. Auch während des Gebetes bleiben sie unbedeckten Hauptes, das bei beiden Geschlechtern glatt rasirt ist, nur die Priester und Nasiräer tragen Turbane. Ihre Städte liegen gewöhnlich an Büchen und Flüssen, damit sie stets hinreichend Wasser für ihre zahlreichen Waschungen haben, da die strengen Reinlichkeitsgesetze der Bibel bei ihnen in voller Kraft bestehen. Außerhalb des Wohnhauses befindet sich eine kleine Hütte für jene Unreinen, die bei Sonnenaufgang ein kaltes Bad nehmen müssen, während außerhalb des Dorfes das Gebäude für die schwerer Verunreinigten steht, wie für diejenigen, welche einen Todten berührt, für Frauen in der Regel, für Aussätzige (die oft! Jahre lang aus der Gemeinde ausgeschlossen sind). In einer J, Ecke des Dorfes befindet sich die Synagoge, Mesguid (Ort der Anbetung) genannt, diese besteht aus dem Allerheiligsten (DPpttp), das nur vom Hohenpriester am Versöhnungstage betreten werden darf, aus dem Heiligen, in welchem die Priester ihre Gebete verrichten, (jedoch betreten jetzt auch Nasiräer diesen Raum), und dem Vorhofe, in dem das übrige Volk, Männer und Frauen in gesonderten Abtheilungen, seine Andachten abhält. — In einer Ecke des Vorhofes steht der Altar aus rohen Steinen, aus welchem (außer am Sabbat und Versöhnungstage) besonders häufige Opfer*) für die Ruhe der Todten dargebracht werden. Die Priester wohnen rings um den Tempel, beobachten streng die Reinlichkeitsgesetze, bebauen das Feld und halten sich übrigens fern vom Getümmel der Außenwelt. Das Volk gibt ihnen einen Theil der Ernte und sonst auch noch Geschenke an den Vorabenden zu den Hauptsesten. Sie beschäftigen sich mit Erziehung der Kinder, denen sie die Bibel und die traditionellen Gebräuche beibringen. In diesem Geschäfte werden sie auch von den Nasiräern unterstützt, welche die Gelübde der Enthaltsamkeit und des Cölibats abgelegt haben und sich geistigen Studien hingeben. Die Schreibekunst wird selten bei ihnen angetroffen, desto eifriger betreiben sie das Studium der biblischen Geschichte. Ihre Gebete, die um Mitternacht schon beginnen und während des Tages noch zweimal stattfinden, haben zum Inhalte das Lob des Ewigen, die Erlösung Israels, die Sehnsucht nach Jerusalem, den Wunsch einer glücklichen Zukunft für die ganze Menschheit. Die Frauen befleißen sich einer großen Reinlichkeit und helfen entweder ihren Männern in ihren Beschäftigungen oder versehen das Hauswesen. Polygamie ist gesetzlich nicht verboten, wird aber für tadelnswerth gehalten. Sie heiraten im reifern Alter, Ehescheidungen und Kebsehen kommen sehr selten vor. Die Leichen werden von drei oder vier Personen gewaschen und zu Grabe getragen, während das übrige Volk unter Gesang und Gebet nur bis zum Zaune des Friedhofes seine Todten begleitet. Nach sieben *) Ob die Opfer blutige oder unblutige seien, hat H. Halevv nicht berichtet.

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