Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 18 (15.9.1868)
- Date
- 1868-09-15
- Page
- Seite 144 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 144 — Paris. Ein schrecklicher Brand, welcher in der Nacht auf den 9. August in der Straße Laint-^ntoine ausgebrochen ist, hat einer ganzen israelitischen Familie, bestehend aus fünf Mitgliedern, das Leben gekostet. Die armen Leute wurden während des Schlafes von den Flammen überrascht. Moskau. Herr S. Palikaw von hier, von dem wir erst jüngst berichtet, daß er auf eigene Kosten eine Synagoge dahier^ erbauen läßt, hat vor seiner Abreise nach dem Bade eine Summe von 3000 Rubel zurückgelassen, die während seiner Abwesenheit unter die Armen vertheilt werden sollen. Da die Klagen seiner armen Glaubensgenossen ihm nicht im Bade zu Ohren kommen könnten, so sorgte dieser edle Mann nun zum Voraus für die theilweise Linderung ihres Elends. London. Hier erregt der Fall einer Verlockung eines Judenmädchens aus dem elterlichen Hause, um in aller Heimlichkeit von Baptisten getauft zu werden, viel Aufsehen. — Heute 15. August erscheint als „Eingesendet" in den Blättern ein Brief der »versteckt Gehaltenen", die Esther Lyons heißt, in welchem sie alle Vermnthungen, als werde sie mit Gewalt oder gegen ihren Willen ihren Eltern vorenthalten, zurückweist. Sie habe aus eigenem Entschluß ihr Vaterhaus verlassen, um in die allein seligmachende Kirche einzutreten. Ihr Bruder setzt in der Presse noch seine Bemühung fort, die Umtriebe offen zu legen, die „zur Zerstörung eines Familienglücks" geführt hätten. Er veröffentlicht briefliche Belege dafür, daß einer andern jüdischen Familie in Wales „mit Hilfe ähnlicher Schliche" vor Kurzem dasselbe Unglück pas- \ sirt sei. — I * Vor den Schranken des Polizeigerichts wurde in die- | sen Tagen ein Fall verhandelt, der ein eigenthümliches Licht | auf die Art und Weise wirft, wie das Christenthum unter den Juden verbreitet wird. Als Kläger erschien der Rev. John E. Jrnyanke, seiner Nationalität und seinem Bekenntniß nach früher polnischer Jude, jetzt Christ und Missionär unter seinen Stammesgenossen. Von den letzteren figurirten zwei, die der Hochwürdige am 12. Juli „das Vergnügen hatte zu taufen" als Beklagte, weil sie ihm einen unerwünschten Besuch gemacht hätten, sein Haus nicht verlassen wollten bis Polizei eintraf, und dann auf der Straße und an der Thür mit dem Klopfer einen gewaltigen Lärm erhoben. Nach den Aeußerungen, welche die beiden neuen Mitglieder der Staatskirche — dieselben waren des Englischen unkundig und sprachen nur polnisch — vor Gericht thaten, wäre anzunehmen, daß sie für den Uebertritt zum Christenthum aus irgend einem Grunde mit 20 Pfd. Sterl. belohnt zu werden erwarteten und im dem Schmerze der Enttäuschung und dem Glauben, der hochwürdige Herr und ehemalige Stammesbruder erhalte für jede Bekehrung 150 Pfd. Sterl. und wolle sie übervortheilen, ihren Gefühlen nach Sitte der Heimath in etwas heftiger Weise Luft gemacht hatten. Der Richter hatte ein Einsehen, warnte sie, die Ruhe nicht weiter zu stören und ließ sie ziehen. Konstanlinopel. Der Rabbiner Hain Mose auf der Insel Candia wurde vom Sultan durch Verleihung des Medjdie Ordens III. Classe ausgezeichnet. New-Aork. Rev. Dr. Günzburg hat Rochester verlassen, um eine Rabbinatsstelle in Boston zu übernehmen. Derselbe zählt zu den Rabbinern Amerikas, die gründliche Kenntnisse im Talmud und in der Wissenschaft besitzen. „Heb. Leader." * Das Sommernachtsfest des jüdischen österreichischen Krank en-Unterstützun gs-Vereins. Es ist immer angenehm zu hören, wenn ein Zusammenwirken von Landsleuten aus der Heimat stattfindet, und schon darum muß dieser Verein, der viele Anstrengungen gemacht, sich zu erheben, Anerkennung finden. Wenn aber sein Streben dahin gerichtet ist, kranken Landsleuten die möglichste Unterstützung angedeihen zu lassen, so verdient er in der That die Aufmunterung aller edelgesinnten Menschen. Das am letzten Dinstag Abend in Terrace-Garten stattgehabte Fest bewies durch ben zahlreichen Besuch zur Genüge, wie beliebt dieser Verein sei. Gegen 9 Uhr kam der ungarische Unterstützungs- Verein, der Humanitäts-Verein und Socialklub in Prozession in den Saal marschirt, und hielt Präsident Schnabel eine kurze Anrede, worin er namentlich die liberale Verfassung Oesterreichs betonte und des freisinnigen Ministeriums rühmlichst gedachte. Unter den Anwesenden bemerkte man den österreichischen Vice-Consul, Herrn v. Boguslawsky, der unter allgemeinem Beifall einige Worte an die Versammelten richtete. — (H. Leader.) Philadelphia. Der früher in diesen Blättern bereits ehrenvoll erwähnte Dr. Fein, von Wiener Gelehrten besonders empfohlen, hat am letzten Sabbath in der hiesigen deutschen Gemeinde „Rodef Scholom" gepredigt. Er wurde vom Rabbiner Dr. Jastrow selbst dazu aufgefordert und fand allgemeinen Beifall, was in einer Gemeinde viel sagen will, wo man an einen so vorzüglichen Prediger, wie Dr. Jastrow es ist, gewöhnt ist. Der viel Wissen verrathende Mann hat in allen Kreisen die freundlichste Aufnahme gefunden. (H. Leader.) Jerusalem. Professor vr. Petermann, der bisherige Consul für die norddeutschen Bundesstaaten in Jerusalem, wird nächstens wieder nach Berlin zurückkehren. An seine Stelle soll, wie man hört, der berühmte Reisende Gerhard Rohlfs kommen. Jedenfalls wäre derselbe die geeignetste Persönlichkeit zu diesem Posten, da er durch seine Reise in Asien und Afrim mit den Sprachen und Sitten der Völker im Orient bekannt ist. Briefkasten der Redaktion: Löbl. Prager israel. Cultusgemeinde: Für das Inserat kommen 5 fl. öst. Währ. — Herr W. in P. Warum so schweigsam? — Herr B. in H. — Bitte um Fortsetzung. Inserate. D'unn« Von der ersten Hand aus Triest, feiner Sorte, verkauft Gefertigter einzeln oder in Kistchen, wie auch grüne Lulow und DOT! Aron Fischer, psa piüipp Schüttgasse, früher Mittel-Kröna Nr. 7 Concurs. Am hiesigen israelitischen Knaben-Waisenhause ist die Stelle eines Erziehers erledigt. Bewerber um diese Stelle, mit welcher ein Jahresgehalt von drei Hundert Gulden österr. Währ, nebst freier Wohnung und gänzlicher Verpflegung verbunden ist, haben ihre Gesuche belegt mit den legalen Nachweisen über ihren guten Ruf hinsichtlich ihrer Sittlichkeit und ihres religiösen Lebenswandels; über die mit gutem Erfolge zurückgelegte Prüfung als Volksschullehrer, so wie über Kenntniß der hebräischen Sprache, ferner über Alter, Stand und bisherige Verwendung bis 1. October l. I. Hieramts einzubringen. Prag," am 30. August 1868. Von der isr. Cultusgemeinde-Vepräsentanz. Druck von Rudolf M. Rohrer in Brünn.