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Das Abendland · 1868-08-15 · 16 (15.8.1868) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
16 (15.8.1868)
Date
1868-08-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Brünn, den 15. Äugust 1868. Lentral-Organ %*Ut*ff*# öes Präuumerationsbetrag ganzj. 3 fl., halbjährig 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzusendnng und Zustellung ins Hans. Für's Ausland ganzj. 2. Thlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. Verleger, Eigentümer und verantwortlicher Redakteur D- EhrMNNN. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats. Administration Bäckergasse Nr. 2. 2. Stock- Exped. Krapsengasse 18, Epstein's Buchh Inserate werden billigst berechnet. Inhalt: Aus einem Gutachten über das „Proseminar". — Der jüdisch-theologische Verein. — Gegenstück zum Prager Judenfriedhofs-Dccret. — Die Heiligkeit des Eigenthums. — n!"!X ein pium desiderium. — Correspondenzen. — Locale und Auswärtige Notizen. — Inserate. Aus einem Gutachten über iw« „Proseminar" Von Rabbiner Dr. Güdemann, Prediger der israelitischen Cultus- Gemeinde in Wien.*) Die Errichtung eines Proseminars, welches den Besuch des Gymnasiums von der vierten Classe ab für den der jüdischen Theologie sich Widntenden überflüssig machen und den gymnasialen Lehrstoff einschränken soll, scheint mir aus folgenden Gründen unzweckmäßig, ja sogar verderblich: I. Fassen wir zunächst die Frage vom socialen Gesichtspunkt ins Auge! Es ist nicht zu leugnen, daß, wie seit den letzten Jahrzehnten die sociale Stellung der Juden überhaupt sich verändert hat, so auch die Stellung des Rabbiners insbesondere in der bezeichneten Richtung eine wesentlich andere geworden ist. Der Rabbiner bleibt nicht mehr auf den einseitigen Verkehr mit seinen Glaubensgenossen beschränkt, sondern kommt fast täglich in die Lage, das Judenthum nach Außen hin zu repräsentiren oder doch für dessen Repräsentanten angesehen zu werden. Hierfür bietet sich die Gelegenheit nicht bloß in der Berührung mit den verschiedenen staatlichen und städtischen Behörden, sondern weit mehr noch in dem Verkehr mit der christlichen Umgebung überhaupt, von welcher uns heute eine sociale Scheidewand nicht mehr trennt und innerhalb deren sich zu bewegen der Rabbiner gerade in kleineren Gemeinden die verschiedenste Veranlassung hat. Daß für diesen Verkehr der Rabbiner auch mit jenen Umgangssormen u. s. w. ausgerüstet sein muß, welche nun einmal den *) Gelegentlich der Verhandlungen über das zu errichtende jüdischtheologische Reichsseminar ward von verschiedenen Seiten auch die Begründung eines Proseminars vorgeschlagen, welches die theologische und allgemeine Vorbildung (d. h. die auf das Gymnasium von der 4. bis zur höchsten Classe entsallende) zugleich umfassen soll. Der Verfasser konnte diesem Vorschläge nicht beipflichten. Seine Gründe sind in dem obigen für die Wiener Gemeinderepräsentanz, welche das Proseminar gleichfalls verworfen, ansgearbeiteten Gutachten auseinandergesetzt. gesellschaftlichen Verkehr beherrschen, wird Niemand bestreiten. Es aber eben so wenig zu bestreiten, daß der Jude, wenigstens insolange als die gesellschaftliche Vermischung von Juden und Christen nicht durchaus vollzogen ist, die üblichen Umgangsformen meist von den letzteren zu erlernen hat. Wir sagen es uns ungern, aber es ist leider wahr: der Jude, zumal aus den niederen Ständen, — und aus diesen gehen ja die meisten der Theologie Beflissenen hervor — besitzt gewisse Manieren, Unarten und Eigenthümlichkeiten, die er nur im Verkehr mit seiner christlichen Umgebung nachhaltig abschleift. Wie jungen Leuten überhaupt der Umgang mit edlen Frauen jenen Zwang, jene Gene auferlegt, welche das Gepräge der Wohlgesitteten sind: so wird der jüdische Knabe, der zu Hause oder im Verkehr mit seinen Glaubensgenossen in Sprache, Manier, Bewegung und Handthierung sich gehen läßt, nur durch den Verkehr mit seiner christlichen Umgebung veranlaßt, auf sich zu achten und „ Eigentümlichkeiten, die durchaus nicht aus seinem Glaubensbekenntniß und seiner Religiosübung erfließen, die vielmehr nur die Nachwirkungen der den Juden ehemals zugewiesenen Stellung sind, abzuschleifen." Wir können und müssen aber noch weiter gehen und sagen, daß sogar moralische Mängel des Juden oft nur durch den Verkehr mit Nichtjuden gründlich beseitigt werden. Von der Zeit her, wo alle Juden, ohne Unterschied der Kenntnisse, des Ranges, des Vermögens u. s. w in einem Pferch beisammen zu wohnen verdammt waren, besitzt der Jude die Gewohnheit, Alle und Jeden mit einer — den Nichtjuden geradezu widerwärtigen — V ertraulichkeit und so zu sagen als seines Gleichen zu behandeln; er hat wenig feinen Sinn für die Wahrnehmung und Beachtung von Standesunterschieden, Rangabstufungen u. s. w., welcher Mangel gar oft geradezu als Anmaßung, als Sucht, sich geltend zu machen, sich darstellt. Unterstützt und genährt wird diese Eigenthümlichkeit noch durch einen in der Zahl der Juden begründeten Umstand. Der Juden gibt es im Verhältnisse zu ihrer christlichen Umgebung überall nur wenige. Dies verstattet, daß der einzelne Jude durch seine Kenntnisse u. s. w. eher unter seinen Glaubensgenossen sich auszeichnet und Beachtung findet,

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