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Das Abendland · 1868-07-01 · 13 (1.7.1868) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
13 (1.7.1868)
Date
1868-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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für alle Brünn, den 1. Juli 1868. Interessen öes Itttzenthnrns. Pränumerationsbetrag ganzj. 3 fl., halbjälirig 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzufendung und Zustellung ins Haus. Für's Ausland ganzj. 2. Thlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. Verleger, Eigentümer und verantwortlicher Redakteur D. LhrMÜNN. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats. Administration Bäckergasse Nr. 2. 2. Stock. Exped. Krapfengaste 18, Epstein's Buchh Inserate werden billigst berechnet. Inhalt: Juden und Mexikaner. — Der Prager Judenfriedhof und eiu Judenfriedhofs-Decret von 1813. — Ein Auto da Fe in Breslau. — Entgegnung. — Aus Preußen. - Correspondenzen. — Locale und Auswärtige Notizen. — Inserate. Inden und Mexikaner, von Dr. D. Placzek. VII. Die naheliegenden Analogien zwischen den Kosmogonien der Hebräer und Mexikaner können schon ihrer Auffälligkeit wegen nicht verfehlen den Blick des Forschers zu feffeln, sein vergleichendes Urtheil herauszufordern und dies umsomehr, als sich ihm beim tieferen Eingehen in die Sagenwelt so vieler anderer alten Völker die Erfahrung aufdrängt: „keine Nation beinahe, auch nicht von jenen, die in unmittelbarer Nähe Palästinas wohnten und so Vieles von dem Mosaismus in ihr Leben, in ihrer Denk- und Vorstellungsweise ausgenommen, hat solche mit dem biblischen Alterthum übereinstimmende Daten aufzuweisen, als diese Stämme der neuen Welt. - Schweigen doch selbst die egyptischen Urkunden beispielsweise vom Diluvium, so daß Lepsius (Chronolog. S. 24) behauptet: „Bei den Egyptern findet sich nicht die geringste Andeutung einer großen Fluth." Er führt als Gewährsmann hiefür Herodot an, der (II. 142) berichtet, die Priester hätten ihm versichert, seit Men es habe sich nichts auf Egypten Bezügliches geändert und wären keinerlei bedeutende Katastrophen vorgekommen. Zwar verliert diese Angabe der Priester dadurch ihre Beweiskraft, wenn man, wie nachweislich ist, bedenkt, daß die allgemeine Fluth schon tausend Jahre vor Menes Regierung ihr Ende erreicht hatte; aber immerhin ist es gewiß, daß keine historische Reminiscenz hiefür bei den Egyptern sich erhalten. Es sei denn, man wolle mit Seyffarth und Uhlemann (Hdbch. der egypt. Alterth. III. IO, IV. 158) aus die Sündfluth die Worte beziehen, die im Todtenbuche dem Osiris in den Mund gelegt worden: „Mir gebührt es, zu herrschen, mir, dem > Könige, der ich zur Rache erhob meinen rechten Arm, mir, dem Hochheiligen, der ich zertrat den Wohnsitz der Gottlosen, den Erdkreis, der ich zermalmte die sündigen Völker, der ich in Schrecken setzte die Schüler der Lügner und die Uebermüthigen im Wohnsitze der Gottlosigkeit auf Erden." (Vgl. Rosenmüller, altes und neues Morgenland I. 22 . . . von , Bohlen, das alte Indien, I. 214, II. 296; Seyffarth Teolog. Schriften der alten Eghpter. 2 . .) Nicht minder als die kosmogonischen bieten die eschatologischen Sagen, die Mythen vom Jenseits, Vergleichungspunkte dar und erregen überdies das lebhafte Jntereffe jedes Menschenfreundes, der mit innigster Befriedigung den lichten Spuren des reinen Humanen nachgeht, durch die Gemüthstiefe, den poetischen Sinn und die edle Lebensanschauung, die sie wiederspiegeln. Die eigenthümliche Ausmalung des jenseitigen Lebens ist ja bei Individuen und Völkern nichts Anderes als die ideolisirte eigenartige Wirklichkeit.*) Auf dem Zukunftsglauben der Azteken ruht der ganze Duft- und Sonnenglanz einer edlen Menschennatur. Sie haben ein Jenseits ohne Hölle, eine andere Welt ohne Strafe und Züchtigung. Der Tod sühnt jede Schuld des Lebens; das Grab deckt alle Fehler zu. Es gab für die Heimgegangenen nur Abstufungen der Glückseligkeit. Nach Maßgabe ihrer Le bens« und Todesart war der Aufenthalt der Verstorbenen ein dreifacher. Männer, die einen Helden- oder Opfertod fanden und Frauen, die in Kindesnöthen das Leben einbüßten, gelangen in das herrliche Haus der Sonne. Hier können sie sich an Kampsspielen — analog Einheriar in Valhalla der skandinavischen Mythe — oder an Tanz und Gesang ergötzen. Nach den ersten vier Jahren stand es den Hingeschiedenen frei, ihre lieben Angehörigen auf Erden in Gestalt von rosigen Wolken, lieblichen Blüthen und bunten Vögeln zu umschweben, sie durch prächtiges Farbenspiel, süßen Duft, schillerndes Gefieder und schönen Gesang zu erfreuen und sodann wieder zu den ewigen Freuden ihres Himmels zurückzukehren. Wie verklärend durchstrahlen dieses Phantesiegemälde mexika. nischer Seelenwanderung innige Herzenswärme, Familienzärtlichkeit, welche sein Glück im Leben ausmachten und auch im Jenseits nicht erlöschen. Dem Sonnenhause untergeordnet war das Reich des Tlaloc, in welches Priester und diejenigen, deren Tod durch Wasser verursacht ward, kommen. Sie erfreuen sich da einer ihrem früheren Leben entsprechenden beschaulichen Ruhe, im *) Vgl. Clavigero 1. 292, 360, 625; Prescot 1. 46 . . Müller 502 ff

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